Geschichten vom Tellerwäscher

Mein Job als Abwäscher in einem Wiecker Restaurant ist leider nicht so spektakulär, daß ich hier öfter lustige Anekdoten bringen kann, wie damals als Tankstellenaushilfe. Auf der Tankstelle brachte gerade der Kontakt mit den Kunden immer wieder schöne Geschichten über sie und ihr Verhalten. Jetzt habe ich nur noch Kontakt zu Tellern, Köchen und Kellenerinnen.

Naja, ich könnte trotzdem mal versuchen kurz zu schreiben, wie das so ist als zukünftiger Aufsteiger und Millionär, denn das ist doch das Ziel eines jeden Tellerwäschers. Also ich arbeite in der Woche ungefähr drei bis vier Tage. Angefangen wird um 19 Uhr abends. Bei mehr Betrieb z.B. im Sommer, oder wegen besonders gutem Wetters oder einer Hochzeit kann es am Wochenende auch schon 16 Uhr losgehen oder gar noch früher, dann ruft der Chef an und ich bin am besten innerhalb von 15 Minuten vor Ort, um Tellernachschub zu liefern. Je nachdem wieviel los war bleibe ich dann bis 21 Uhr (das waren echt schlechte Tage) oder bis 1 Uhr nachts. Üblich ist aber zwischen 23 und 24 Uhr.

In der ganzen Zeit spüle ich dann alles vor. Wobei der Begriff vorspülen in diesem Fall eine Untertreibung ist, ich wasche komplett ab, schiebe die Sachen dann aber nochmal durch die Industriespülmaschine. Was wasch ich alles ab? Teller (kleine, tiefe, flache, große, spezial…), Tassen, Eisbecher, Schneidebretter, Töpfe, Pfannen, Bestecke, Kellen, Eisdosen (in denen werden die Zutaten aufbewahrt), Siebe, Buffetformen, Tablette und noch andere Sachen, die ich gerade vergessen habe.

Irgendwann ist dann der Zeitpunkt erreicht, an dem die Haut und Fingernägel langsam aufweichen und ganz weiß werden, oder an dem das Fett aus den Pfannen im Wasser eine undurchdringbare Schicht auf meinen Armen hinterläßt.

Die abgewaschenen Sachen müssen dann kurz trocknen, zusammengestellt, sortiert und weggestellt werden. Bevor ich am Ende eines Arbeitstages gehen darf, muß erstmal der komplette Abwaschbereich (drei Spülbecken, Wände, Tische und die Spülmaschine) gereinigt werden. Danach folgt zusammen mit dem letzten anwesenden Koch die Reinigung des Bodens mit heißem Wasser aus dem Schlauch, Schrubber und Abzieher. Besonders spaßig dabei: das heiße Wasser vermischt sich mit dem Fett am Boden und verbreitet sich ab und zu über den Wasserdampf im Raum.

Um nochmal auf die Arbeitszeiten zurückzukommen, die sind für mich als Studierenden schon ziemlich gut, da ich so im Moment nur ab und zu eine Vorlesung ausfallen lassen muß, allerdings fällt es schon schwer nach einem harten Unitag noch zur Arbeit zu gehen und der morgen danach ist dann auch kein Zuckerschlecken. Dennoch ist es gerade für mich die einzige gute Möglichkeit an Geld zu kommen. Auch wenn dadurch mein Privatleben und andere Sachen leider etwas zu kurz kommen.

2 Kommentare


    1. Maximierung wäre schön, doch darum geht es bei mir gerade leider nicht. Eher um den Erwerb der lebensnotwendigen Kapitalmittel. Ich hab dazu auch schon einen Beitrag halbfertig, aber bin noch unschlüssig, ob ich das veröffentliche.

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