Hitlergruß hinterm Herd

So einen Empfang hatte ich nicht erwartet. Kurz nach meiner Rückkehr aus Vietnam klingelte Sonntag abend mein Handy, der Juniorchef meiner derzeitigen Nebenbeschäftigung versuchte, mich zu erreichen. Geschickt ignorierte ich das Klingeln und rief erst Montag zurück, als klar war, dass ich meinen potentiellen neuen Job noch nicht diese Woche anfangen würde.

Gleich Montag abend sollte ich arbeiten und zusätzlich noch heute. Als ich heute um 20 Uhr eintraf, bekam ich einen Empfang, den ich nicht erwartet hatte. Die anwesenden Köche Maik und Peter (Namen natürlich geändert) grinsten und hoben ihren rechten Arm zum Hitlergruß. Da standen sie nun, zwei erwachsene Männer knapp über 30 Jahren alt und fanden das wohl witzig.

Klar, das kam nicht zum ersten Mal vor. Kein Grund dieses Verhalten zu tolerieren oder akzeptieren. Diesmal ging es mir einfach zu weit. Ein Hitlergruß ist einfach nicht witzig. Dazu kommt noch, dass sich Maik und Peter seit über fünf Wochen John Hitler und Georg Goebbels nennen.

So dumm kann man doch nicht sein, dass man sich „im Spaß“ nach zwei der größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte benennt. Der Juniorchef, der das alles mitbekommen hat, was tut der? Sanktioniert er das etwa? Redet er den beiden Idioten ins Gewissen? NEIN! Er akzeptiert und fördert dieses untragbare Verhalten sogar dadurch, dass er statt Maik und Peter John H. und Georg G. auf den Arbeitsplan schreibt. Zeit für mich zu gehen.

Nach einer Stunde Arbeiten kam die Chefin kurz rein, warf mir ein „Hallo“ entgegen, ging wieder raus. Kurze Zeit später kamen Maik und Peter rein und sagten mir, ich könne gehen. Die Chefin sagte, es wäre zu wenig Arbeit da. Wieso denen das nie vorher einfällt, ist mir ein Rätsel. Der Umgang mit den Angestellten ist unmöglich. Zeit für mich zu gehen.

Den Namen des Restaurants in Wieck nenne ich hier bewusst nicht. Den meisten meiner LeserInnen wird eh bekannt sein, um welches es sich handelt, die anderen können mich gerne persönlich fragen. Auf Grund der schwierigen Arbeitsbedingungen für das Personal, schlechter Personalführung und oben beschriebenem Verhalten kann ich nur davon abraten, dort hinzugehen.

4 Kommentare


  1. ich hatte mit ähnlichen Leuten in der Küche zu tun nur bei mir hat der Chefkoch in der Jugend Wehrsportübungen veranstaltet. Mensch glaubt gar nicht was für Pfosten in der Gastronomie arbeiten

    Antworten

    1. Das ist ja schon eine Spur härter. Bei mir ist nicht zu unterscheiden, ob die das ernst meinen, oder ob es nur ein richtig dummer Scherz sein soll. Solche Idioten gibt es wohl immer wieder.

      Antworten

      1. Was du beschrieben hast, nicht in der ausgeführten, verwerflichen Form wohlgemerkt (!!!), findest Du in wohl fast allen Restaurationen. Ich kenne das, war mal selbst Betroffener. Mal ist Arbeit da bis zum Abwinken; kaum zu schaffen. Dann sind Tage, da passiert nichts. Kaum Gäste, Du machst die Arbeit mit links. Das Personal kommt damit nicht klar. Es kommt die sogenannte „Gaststättenlangeweile“ auf. Die davon Befallenen kommen auf die blödesten Ideen. Manche fangen an zu Saufen, der Nächste bestellt sinnlose Sachen in Katalogen, es wird sich gegenseitig geneckt bis hin zum offenen Schlagabtausch …….. und und und…! Ich würde die Leute nicht unbedingt als Idioten bezeichnen. Dieses auf und ab in der Arbeitsanforderung macht die Leute zu solchen Wesen. Wenn da der Chef oder die Chefin nicht gegensteuern mit, wohlgemerkt, sinnvoller Beschäftigung, kommt es zu solchen Auswüchsen wie Du sie erlebt hast. Schlimm, schlimm, aber leider Realität in normalen Restaurationen. In der gehobenen Gastronomie kommt das kaum vor, da kennt man diese „Krankheit“ und steuert bewusst gegen, da sind die Verantwortlichen nicht immer Seiteneinsteiger wie hier in UHGW der Fall.
        Trotzdem, Deine Entscheidung ist mehr als ok!


      2. Das Phänomen ist also größer und könnte als Gaststättensyndrom bezeichnet werden, interessant! Die Arbeitslage schwankt wirklich oft zwischen Über- und Unterforderung. Dann immer das selbe Essen kochen und kaum frei. Ich hab ja selbst an mir gemerkt, wie sich das auswirkt.

        Meine ehemaligen Kollegen keine Idioten im eigentlichen Sinne sind, zeigt sich an dem, was sie auf dem Kasten haben, und das ist eigentlich nicht wenig. So, das fand ich aber dann besonders erschreckend oder beängstigend. Sie sind umnheimlich nett, nicht dumm und dann machen sie aus lauter Langeweile oder Stress oder dem Gaststättensyndrom solche Aktionen.

        Wie auch immer, ich bin eine interessante Erfahrung reicher. Ist mir lieber als einen Porsche von meinen Eltern zu bekommen und nie im Leben mal bodenständig gewesen zu sein, wie es leider einige andere junge Menschen sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.