2047 in Lubmin: Indoor-Wassersport und Endlager

Es ist ein sonniger 13. Juni im Jahr 2047. Familie Precht ist im Urlaub an der Ostsee. Der Klimawandel hat bisher nur positive Auswirkungen auf die Region. Zu dieser Jahreszeit ist es am Mittelmeer unerträglich. An den Stränden Vorpommerns kann man dagegen das Leben und den Sommer geniessen. Im Elektroauto fährt die dreiköpfige Familie nach Lubmin in Brunos Indoor-Wassersportzentrum. Während Vater und Sohn im Meerwasserwasserbecken zwischen den letzten Überresten der Korallen des Great Barrier Riffs tauchen, schwingt sich Mutter Precht auf die Schlittschuhe und dreht ihre Kreise auf der Kunststoffeislaufbahn. Das Gebäude des Indoor-Wassersportzentrum war einst als Block 7 und 8 des Kernkraftwerk Bruno Leuschner bekannt und wurde 2013 umgebaut.

KKW Lubmin
Noch sieht am KKW Bruno Leuschner nichts nach Indoor-Wassersportzentrum aus.

 

Wenige hundert Meter entfernt lagern die gefährlichsten Überreste der deutschen Energieerzeugung im Endlager Nord (ELN) der Energiewerke Nord (EWN). 2012 stimmte das Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern der unbefristeten Endlagerung von schwach- und mittelradioaktem Abfall auf dem Gelände des bis dahin nur als Zwischenlager Nord (ZLN) genutzten Geländes bei Lubmin zu. Als im Jahr 2023 absehbar war, dass das Atommülllager Gorleben erst ab 2040 als voll funktionsfähiges Endlager für hochradioaktiven Abfall zur Verfüng stehen würde, wurde die Genehmigung für die Zwischenlagerung hochradioaktiver Stoffe im ZLN/ELN bis 2080 verlängert.

Was im Jahr 2011 recht utopisch klingt, könnte doch so eintreffen. Ein Blick in das tagesaktuelle Geschehen reicht aus, um solche Visionen zu haben. Da hat der IT-Manager der EWN den Traum ein Indoor-Wassersportzentrum in den nicht genutzten Blöcken des Kernkraftwerks entstehen zu lassen. Währenddessen träumt der neue EWN-Chef Henry Cordes von der unbefristeten Endlagerung schwach- und mittelradioaktiver Abfälle im ZLN. In Deutschland gibt es bisher nur zwei Endlager für radioaktive Abfälle.

1998 wurde die Einlagerung in Morsleben gestoppt, das Lager soll stillgelegt werden. Das zweite Endlager ist die skandalträchtige und ebenfalls bald stillgelegte Schachtanlage Asse II. In Zukunft soll im Schacht Konrad radioaktiver Abfall mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung endgelagert werden. Für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle wird der Standort Gorleben erkundet.

Da der Schacht Konrad noch nicht in Betrieb ist, wäre ein Endlager Nord für die EWN ein wirtschaftlicher Glücksfall. Es gäbe keinen Konkurrenten und auch der Protest seitens der Bevölkerung gegen die Lagerung von atomaren Abfällen ist in Vorpommern nicht sehr groß. Es müssen nicht unter der Erde umständlich Schächte ausgehoben oder vorhandene gefestigt werden. Geologische Unwägbarkeiten wie ein „plötzlicher“ Salzlaugeneinbruch sollten an der Ostseeküste auch nicht vorkommen. Nur gegen den steigenden Meeresspiegel, Hochwasser, Störfälle und Terroranschläge sollte das Endlager gerüstet sein. So könnten die Kosten eines überirdischen Endlagers Nord geringer sein als eines unterirdischen Schacht Konrads.

Und das sollte die Menschen nachdenklich machen. Noch gibt es kein schlüssiges Endlagerkonzept der Bundesregierung. Doch mit einer Tolerierung des ZLN und weiterer Castor-Transporte durch die Bevölkerung vor Ort könnte Lubmin als Standort an Reiz gewinnen. Ob der Standort sicherheitstechnisch und finanziell zu befürworten ist, wird die Zukunft zeigen. So könnte 2047 Familie Precht mit etwas Glück tatsächlich ihren Urlaub im Indoor-Wassersportzentrum in direkter Nachbarschaft mit dem Endlager Nord verbringen.

 

 

3 Kommentare


  1. Schon heute dient der Block 6 zusaetzlich zur musealen Nutzung zur einzigartigen Freizeitaktivitaet: Tennis im KKW a.D..

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    1. Danke für den Hinweis und die Fotos! Die gehen nachher online und bringen mich schon die ganze Zeit zum Schmunzeln.

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