Einsatz von OpenStreetMap nach dem Tsunami in Japan

Montag, der 14. März 2011, 15:53 Uhr von daburna

Der Tsunami nach dem Erdbeben in Japan am 11. März 2011 spülte Menschen, Autos und Häuser einfach so fort. Zigtausend Tote, Milliardenschäden und drei Atomreaktoren in denen wahrscheinlich die Kernschmelze begonnen hat. Viel schlimmer hätte es nicht kommen können. Das läßt die Industrienation Japan wanken und die Welt zittern.

Ohnmacht und Hilflosigkeit überall. Weltweit. Aber auch wir können den Menschen in Japan ganz konkret helfen. Wie schon beim Erdbeben in Haiti vor einem Jahr beteiligen sich Hobby-Kartographen aus der ganzen Welt mit OpenStreetMap an der Hilfe.

Das Projekt OpenStreetMap will eine freie Weltkarte erschaffen. Freiwillige tragen dort Wege, Straßen, Eisenbahnschienen oder Einrichtungen wie Supermärkte und Recyclingcontainer in die Karte ein. Die so geschaffene Karte ist oft aktueller und detallierter als die anderer Anbieter z.B. Google Maps.

Hier setzt das OpenStreetMap-Team bei der Hilfe für Japan an. Auch drei Tage nach der verheerenden Tsunami-Welle suchen die Helfer verzweifelt nach Vermissten. Die Infrastruktur wurde oft komplett weggespült, Wege für Helfer unbenutzbar. Helfer vor Ort brauchen Informationen über blockierte oder beschädigte Straßen. Die vielen Flüchtlinge benötigen Informationen über medizinische Einrichtungen, Notunterkünfte und Trinkwasser- und Essensabgabestationen. All diese Informationen werden mit Hilfe von aktuellen Satellitenbildern und Daten anderer Quellen eingetragen.

OpenStreetMap Sendai 13/03/2011

OpenStreetMap Sendai 13/03/2011. Gelb markiert sind alle Straßen, die am 12.03. geändert wurden. Grafik: Christopher Osborne

Die Grafik zeigt in gelb an, welche Straßen am 12. März in der Stadt Sendai geändert wurden. Man sieht deutlich die vielen Änderungen. Noch ist aber nicht alles kartographiert. Wer per Beteiligung an OpenStreetMap den Menschen in Japan helfen möchte, sollte sich das folgende Video ansehen. Es ist eine Anleitung wie mit OpenStreetMap gearbeitet wird.

Weitere Informationen zur Hilfe für Japan gibt es im Wiki von OpenStreetMap. Dort gibt es auch Satellitenbilder, die zur Kartenänderung benutzt werden können.

Die Hilfe per OpenStreetMap ist ein schönes Zeichen der Solidarität. Es ist außerdem eine andere Dimension der Hilfe bei fernen Katastrophen. Statt Spendengeldern fließt Arbeit. Innerhalb von kurzer Zeit sind die Änderungen online und unterstützen die Menschen vor Ort. So kann Ohnmacht und Hilflosigkeit ein wenig bekämpft werden.

Diesen Artikel weiterempfehlen

Geschrieben in: Geowissenschaften | Schlagwörter: , , , , , ,
0 Trackbacks | 1 Kommentar » | Views: 2.408 | Print This Post Print This Post

Über den Autor:
daburna
daburna alias Oliver Wunder, schreibt seit August 2005 diesen Blog. Er ist Diplom-Geograph und arbeitet beim Nordkurier als Volontär. Wunder kennt sich aber auch in Politikwissenschaft und Betriebswirtschaftslehre aus. Sein Lebensmittelpunkt war jahrelang die Hansestadt Greifswald, liegt seit April 2014 aber in Neubrandenburg.
Weitere Artikel des Autors lesen.
Anzeige

Eine Antwort

  1. Der Zustand in dem Kraftwerk in Japan gerät außer Kontrolle und auf der ganzen Welt beten Menschen für die Einsatzkräfte in Japan. Aktuell macht die Twittermeldung der Tochter eines Helfers die Runde: Ihr Vater hat sich für den Helfereinsatz angemeldet und setzt so seine Gesundheit für Viele aufs Spiel. Jetzt gibt es auf actionforchange.org eine tolle Diskussion, wie jeder selbst handeln würde. Würde man sein Leben opfern für eine große Zahl anderer Mitmenschen?

Einen Kommentar abgeben

Bitte beachten Sie: Die Kommentare werden moderiert. Dies kann Ihren Kommentar verzögern. Es besteht aber kein Grund, ihn nochmal abzuschicken. Halten Sie sich außerdem bitte an die Kommentarregeln.