Nepper, Schlepper, Bauernfänger!

Folgende Werbeanzeige findet sich auf der letzten Seite der aktuellen Ausgabe 82 des Studierendenmagazins Moritz.

Screenshot Bundeswehrwerbung im Moritz Magazin Nr. 82

Einen Kommentar dazu werde ich erst ab morgen verfassen können, da der Betrieb hier gerade wegen Klausurenzeit und Praktikum etwas eingeschränkt ist. Wer auch sagt, die Anzeige geht gar nicht klar, kann sich hier schonmal mit Gründen in den Kommentaren melden. Ich werde daraus eine Argumentationskette basteln und einen offenen Brief an die Redaktion des Magazins verfassen.

Im übrigen erwarte ich auch, dass sich ein paar von euch über die Anzeige lustig machen. 😀 Der Typ unten rechts sieht aus, wie eine Flashanimation, die nun mit der richtigen Ausrüstung bestückt werden muss, PC-Spiel-Style.

23 Kommentare


  1. Möchte man sich bei der Community anmelden um „abzuschalten und mal ein Spiel zu spielen“, muss man einen ganzen Batzen sensitiver Daten angeben.
    Mich würde brennend interessieren, um was für Spiele es sich da handelt.
    Egoshooter wird es ja wohl hoffentlich noch nicht von der Bundeswehr geben.

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    1. Das wäre mal eine Recherche wert. Ich schreib mir das mal für später auf. Für SoldatenInnen, die schon geworben wurden, gibt es übrigens ein eigenes Portal: http://www.meine-bundeswehr.de/ (ist aber kein offizielles Projekt des Bundesverteidigungsministeriums, sondern privat).

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  2. Wie schon öfters erwähnt war ich selbst beim Bund und das Bild was diese Werbung vermittelt ist die pure Propaganda. Das ist nicht der interessante Club mit vielen netten Menschen und großen Abenteuern.
    Jeder kann sich in die Lage versetzten. Was kommt dabei herraus wenn man viele Männer (denn das sind immernoch die meisten) aller Schichten ohne das sie eine Aufgabe zu erfüllen hätten in eine Kaserne stopft? Machotum, Sexismus, jede Menge Alkoholiker und Verhalten auf unterstem Niveau.
    Der neuste Werbespot Karriere mit Zukunft ist dabei die größte Lüge. Denn die meisten (und nicht nur die Grundwehrdienstleistenden) haben absolut nichts zu tun. Sie haben 8,5 Stunden am Tag zeit winzige Aufgaben zu verrichte und deshalb bleib ich auch bei meine Auffassung das Bundeswehr die totale Steuerverschwendung, da diese Leute alle Lohn bekommen, ausgerüstet werden und die Grundwehrdienstleistenden verpflegt werden müssen.
    Wer sich unter einer Karriere das vorstellt ist dort bestens aufgehoben (und genau diese Gestalten findet man auch dort vor).
    Daher finde ich es höchst verwerflich für so eine Oranisation die verroht und verblödet in einer Studentenzeitung mit bunten Bildchen und coolen Panzern und Flugzeugenn zu werben.

    Greets Josey

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    1. Und da sind sie wieder, die klassischen Vorurteile und von und über Grundwehrdienstleistende, die dann ganz schnell auf alle 250.000 Soldaten übertragen werden. Verallgemeinerungen wohin das Auge nur blickt.

      a) Die von Josey angesprochenen -ismen: Als Grundwehrdienstleistender hält man sich hauptsächlich mit Mannschaftssoldaten auf, die sich -aufgrund des Tätigkeitsfelds- nun mal aus geringqualifizierten Menschen rekrutieren.
      Wer schonmal am Bau gearbeitet hat, wird sehen, dass die Sprüche und der Alkoholkonsum dort nicht signifikant geringer sind!
      Und als Abiturient hat man nunmal das Problem, dass man nichts „kann“. Ein KFz-Mechaniker kann in seinem Beruf weiter eingesetzt werden, als Abiturient bleibt meistens nur noch die Möglichkeit Schreibkraft oder Kraftfahrer.

      b) „Die meisten haben dort nichts zu tun“. Das sag mal den Familien der Soldat_innen, deren Familienmitglied das 3. Mal innerhalb von 2 Jahren in den Einsatz gehen muss. Gerade aufgrund von Personalmangel ist die Einsatzhäufigkeit rapide angestiegen.
      Oder dem Oberfeldwebel, der das seine 12. Grundausbildung als Zugführer am Stück macht, der kann sich über mangelnde Beschäftigung bestimmt nicht beklagen.

      Womit wir zu dem Punkt Karriere kommen: Motivierte Menschen, die Qualifikationen mitbringen, können dort auch was werden. Ein befreundeter Offizier promoviert gerade (neben dem Dienst! – als Grundwehrdienstleistender sieht man meistens nicht, dass ein KpChef noch bis 21h jeden Abend im Büro sitzt), bekommt Sprachkurse und kann nach seinem Dienstzeitende noch Berufsförderung in Anspruch nehmen, d.h. ein Zweitstudium finanzieren lassen.

      Nun ist die Bundeswehr aufgrund der gesunkenen Bewerberzahlen gezwungen, die Einstellungsvorraussetzungen zu senken. Dementsprechendes Personal rückt nach.

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      1. Danke für den sachlichen Beitrag und die interessanten Fakten! Das bekommt der Durchschnittsmensch normalerweise nicht mit. Es hängt halt immer davon ab, wie tief jemand involviert ist und welcher Blickwinkel dadurch erreicht werden kann. Als Außenstehender hab ich einen ganz anderen Blick. Meine Ablehnung dieser Werbung hat aber nichts mit dem Bild der Bundeswehr nach außen zu tun. Aber zu diesen grundlegenden Dingen komme ich ja noch. 😉

        Ich bitte alle folgenden Kommentatoren bei diesem Reizthema weiterhin so friedlich und sachlich zu bleiben. Danke!


      2. Du sprichst ein wichtiges Thema an: „“Die meisten haben dort nichts zu tun”. Das sag mal den Familien der Soldat_innen, deren Familienmitglied das 3. Mal innerhalb von 2 Jahren in den Einsatz gehen muss. “

        Viele sind sich bei der Unterschrift gar nicht im Klaren darüber, dass sie jeden Moment in ein Kamikazeeinsatz geschickt werden können und dabei draufgehen.

        Und mit diesen perfiden Ideen (Onlinegames, Communities) versucht man auf Fängerschaft zu gehen. Warum steht in dieser Werbung nirgendwo, dass man in einen Kampfeinsatz geschickt werden kann und man ein exponentiell höheres Risiko hat dabei zu krepieren?
        Nein, das verschweigt man. Stattdessen Spaß, Community, tolle Hochgalnzpanzerbilder.


      3. >Viele sind sich bei der Unterschrift gar nicht im Klaren >darüber, dass sie jeden Moment in ein Kamikazeeinsatz >geschickt werden können und dabei draufgehen.“

        Jeder Mensch, der sich als Zeitsoldat verpflichtet, unterschreibt zum gleichen Zeitpunkt seiner Verpflichtungserklärung auch, dass er uneingeschränkt für Auslandseinsätze zur Verfügung steht.
        Daher ist deine Aussage leider falsch.
        Und Kamikazeeinsätze sind das auch nicht.

        >Warum steht in dieser Werbung nirgendwo, dass man in >einen Kampfeinsatz geschickt werden kann und man ein >exponentiell höheres Risiko hat dabei zu krepieren

        steht doch hier: https://treff.bundeswehr.de/portal/a/treff/kcxml/04_Sj9SPykssy0xPLMnMz0vM0Y_QjzKLN_SKNzILCwFJQjleLvqRCPGglFR9X4_83FR9b_0A_YLciHJHR0VFANe69ZE!/delta/base64xml/L2dJQSEvUUt3QS80SVVFLzZfMUpfMk9MSw!!?yw_contentURL=%2F01DB122000000001%2FW27MTG3A732INFODE%2Fcontent.jsp


      4. In der Werbung im Moritz, und darauf beziehe ich mich, steht davon nichts.

        Die Bedeutung der Verpflichtungserklärung wird allerdings permanent herunter gespielt. Immerhin haben sie ja genug Zeit einen jungen Menschen dahingehend zu manipulieren.
        Auch ich kann nur für meine Erfahrungen sprechen und die sind deckungsgleich mit Josey und denen von etlichen anderen.

        Wie ich schon schrieb: Armee abschaffen. Verschwendung von Steuergeldern einstellen (die schmeißt die FDP schließlich schon den meistbietenden Industriebranchen hinterher).


  3. Sieht aus wie Werbung für ein Soldaten-VZ… statt Uni oder Region gibt man natürlich seine Kaserne ein, statt Vorlesungen den aktuellen Einsatz. („Kreativ geklaute Tanklaster erledigen“ oder sowas).

    Das reiht sich so ein bisschen in die Serie bekloppter Werbespots des österreichischen Bundesheeres ein.

    Ich weiß ja nicht, ob man an einer Uni nicht in falschen Gewässern angelt, aber die Leute hier waren entweder schon beim Bund (bzw Ersatzdienst) oder haben es vermeiden können (falsches Geschlecht, nicht erfasst worden, etc… was ist schon Wehrgerechtigkeit?). Wenn man aber Bundeswehr und Studium möchte, um Offizier zu werden, macht man das vorzugsweise an der Bundeswehr-Uni. Oder hofft die Bundeswehr auf perspektivlose Studienabbrecher?

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    1. >Wenn man aber Bundeswehr und Studium möchte, um Offizier zu werden, macht man das >vorzugsweise an der Bundeswehr-Uni.

      Man kann auch als Hochschulabsolvent in die Bundeswehr eintreten.

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  4. Nur kurz da ich mit ipod schreibe. Zumthema blickwinkel moechte ich noch was sagen. Ich hatte in meinem altag nicht mit den grundewehrdientliestenden zu tun sonder mit allen möglichen stabsoffizieren, kompaniechefs und 50 jährigen berufssoldaten und mit denen hab ich zusammen kreuzworträtsel gelöst und kaffee getrunken. Einzige aufgabe in dieser karrierr ist einen apparat zu verwalten der ohne sie nicht da ist. Zum thema personalmangel im ausland. Ja was machen die denn da überhaupt? Deutschland wird NICHT am hindukusch verteidigt. Wenn sie da aufbauen wollen warum schicken sie nicht das technische hilfswerk?

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  5. schonmal auf die 2te seite des moritz geguckt?!? wie schitzophren muss man sein um das rote kreuz und die bundeswehr zu bewerben…ohne letztere währe erstere womöglich garnicht nötig!

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    1. Vielleicht ist es nicht schitzophren, sondern zeigt die wahre Gesinnung des moritz: Sie mussten was finden, um nicht ins Minus zu geraten, was sich zur Zeit anscheinend etwas schwierig gestaltet. Bundeswehrwerbung als Notlösung aber auf der letzten Seite, wo fast niemand mehr hinschaut…

      Ich find die Werbung ja auch nicht gut, aber macht mal halblang bei der Verurteilung des moritz, da sitzen keine Militaristen, die die ganze Studierendenschaft zur BW drängen wollen, da sitzen einfach nur Leute, die auf ehrentamtlicher Basis versuchen, das Heft zum einen attraktiv zu gestalten und der Studierendenschaft dabei keine allzu großen Kosten zu verursachen.

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    2. Die DRK Anzeige ist aber ein Hilfsaufruf für das Katastrophengebiet in Haiti. Das war eine Naturkatastrophe und kein Krieg. Sonst hast du aber recht, da das DRK sonst auch in Krisengebieten aktiv ist.

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  6. @Lobster und Olli_Doughs: Da das Design irgendwie nicht mit verschachtelten Kommentaren bis zur fünften Stufe klarkommt und die Kommentare unlesbar wurden, hab ich sie jetzt auf nur drei Ebenen beschränkt, daher sind eure Antworten nicht mehr im richtigen Kontext.

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  7. zunächst mal gibt es beim moritz eine aufgabenteilung: anzeigen macht die geschäftsführung, die redaktionelle arbeit die redaktion. dementsprechend sollte man sich auch an die geschäftsführung wenden, wenn einem anzeigen nicht passen.
    bei der bw-anzeige, wusste allerdings zumindest ein teil der redaktion (möglichweise auch die komplette) im vorraus bescheid. in einer schülerzeitschrift (und auf schüler zielt die anzeige relativ eindeutig ab) fände ich eine solche anzeige aus den oben genannten gründen verwerflich. aber im moritz? wir halten unsere leserinnen für intelligent genug, um sich von einer solch grottenschlechten anzeige und der zugehörigen werbeplattform nicht zum studienabbruch und dem wechsel zum bund bewegen zu lassen. unsere leser waren entweder schon da oder dürfen nicht hin (untauglich oder verweigert). meiner ansicht nach dürfte es beim lesen der anzeige zwei reaktionen geben: kurzes lachen oder aufregen „wie die sowas nur drucken können?!“.
    wer sich für die bundeswehr als arbeitgeber entscheidet kann das von mir aus gerne tun, hat vor- aber auch nachteile, beide wurden hier gennant.
    fazit: letztendlich werden die werbemittel im haushalt der bundeswehr ausgegeben werden, aber nur an wenigen stellen werden sie so wenig jugendliche verführen wie im moritz.

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