RCDS UniCard ohne Finanzierungskonzept

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Mensakarte, Bibliotheksleihausweis, Kopierkarte und Studierendenausweis sind die typischen Karten, die die Studierenden in Greifswald mit sich rumtragen müssen. Vier Karten davon zwei mit denen bezahlt werden kann. Über die Sinnlosigkeit dieser Plastikkartenflut habe ich mich schon früh aufgeregt und gefragt, warum hier nicht vorhandene Technik wie die Geldkarte genutzt werden kann.

Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) Greifswald greift nun zum StuPa-Wahlkampf 2010 dieses Thema auf und sammelt seit Montag in der Mensa Unterschriften für die Einführung einer sogenannten UniCard, die die bisherigen vier Karten ersetzt. Diese Mehrzweckkarte hätte viele praktische Vorteile und ist durchaus unterstützenswert.

Studierendenausweis-HGWDie Idee einer Mehrzweckkarte ist nicht neu und kam auch bei der Diskussion der neuen Studierendenausweise wieder auf. Damals wurde sie aber aus Kostengründen verworfen. Und genau hier hapert es beim Vorschlag des RCDS. Es gibt keine Gedanken zur Finanzierung dieser Karte. Mehrmals bat ich per Mail und Twitter um eine Stellungnahme und wurde vertröstet. Auf Nachfrage am Infostand wurde mir heute gesagt, es gäbe noch kein Finanzierungsmodell, das Ganze sei nur ein Vorschlag für das StuPa und müsste dann geprüft werden.

Dabei hätte ein Blick in den webMoritz gereicht um ungefähre Kosten zu errechnen:

„[Die Mehrweckkarte scheiterte] an vielen Punkten. Das Studentenwerk, gerade mit einem neuen System ausgestattet, war nicht bereit, finanzielle Mittel aufzubringen, um dieses erneut zu ändern. Neue Kassentechnik, Software und Aufwerter wären notwendig gewesen – ein Kostenaufwand von 60.000 Euro. Auch die Unibibliothek stellte sich quer. Neue Technologien wären hier ebenfalls notwendig gewesen. Teuer sind außerdem Anschaffung und Unterhaltung der SB-Terminals. Nicht zu vergessen die Kosten für die Chipkarte selbst. Die Einmalkosten für einen so komfortablen Studentenausweis belaufen sich auf 500.000 Euro, jedes weitere Jahr kostet 80.000 Euro.“

Alleine die Einführung würde also bei 12.000 Studierenden pro Person ca. 41 Euro kosten, die Umrüstung der Mensa 5 Euro und die jährlichen Kosten des Ausweises 6,67 Euro. Die Umstellung der UB wurde dabei noch garnicht bedacht. Diese hohen Kosten wird die Uni nicht alleine tragen, sondern sie voll auf die Studierenden abwälzen. Mit einem höheren Semesterbeitrag von mindestens 10 Euro mehr pro Semester müsste gerechnet werden. So eine Rechnung sollte auch der RCDS mit seinen mindestens zwei BWLern unter den StuPa-Kandidaten hinbekommen.

Der Verdacht drängt sich auf, die Mehrzweckkarte wird vom RCDS im Wahlkampf als kurzfristiger Ersatz für den auf der letzten Vollversammlung im Dezember 2009 gescheiterten Vorschlag der Prüfung eines Semestertickets benutzt.

Die Idee einer Mehrzweckkarte ist gut, aber ohne Finanzierungskonzept sollte von keiner Hochschulgruppe eine Unterschriftensammlung angeboten werden. Ich rate hiermit davon ab, dort zu unterschreiben!

9 Kommentare




  1. Ich warte immer noch auf ein Finanzierungskonzept. Bis auf eine böse Nachricht via Twitter kam nichts. Auf eine Veröffentlichung dieses Artikels bis nach der Wahl hätte ich aber nicht warten wollen. Wahlen sind dazu da, dass vorher das Programm durchleuchtet wird und nicht danach.

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  2. Mal wieder eine RCDS-Luftnummer anläßlich der StuPa-Wahl. Letztes Jahr wollten sie noch den Semesterbeitrag um 0,50 EUR pro Semester senken. „Eine ungemeine Entlastung der Studierenden, die für etwa anderthalb Brötchen reichen wird, nicht schlecht!“ schrieb 17vier-Blog dieser Tage ganz treffend dazu, siehe http://blog.17vier.de/?p=5000&cpage=1#comment-24000

    Es ist schon arg peinlich, daß der RCDS Greifswald mit Semestertickets und Uni-Cards hausieren geht, aber für beides nicht im Ansatz eine Finanzierungsgrundlage benennen kann. – Ich vermute sogar, der RCDS hatte auch nie beabsichtigt, eines der beiden Projekte wirklich umzusetzen (wer sollte das im RCDS auch umsetzen???), es sich ergo lediglich um sog. „Schaufenster“-Vorhaben handelt zum billigen Stimmenfang. Früher hieß so etwas mal „Bauernfängerei“.

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    1. Lieber Jan Steyer,

      stört dich das Thema eigentlich nur, weil es vom RCDS kommt und die Studenten es offensichtlich gut finden?

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  3. Lieber Oliver,

    erst mal vielen Dank, dass du dich mit der Thematik einer Mehrzweckkarte für die EMA Universität auseinandersetzt. Wie du bereits erwähnt hast, ist dies ein Thema was die Mehrheit der Studenten bewegt und mit welchem sich nochmal auseinander gesetzt werden muss! Dies wird auch dadurch deutlich, dass bereits über 500 Studenten sich bei uns in die Unterstützerliste eingetragen haben.
    Ich muss aber kritisieren, dass Du uns nicht einmal Zeit gegeben hast, Dir mehr Informationen zu der Problematik der Finanzierung zu geben. Uns ist vollkommen klar, dass es anfangs einer größeren Investition bedarf. Dies kann zum einen dadurch aufgefangen werden, dass durch die Zusammenlegung der zurzeit vielen Kartensystemen Geld eingespart wird, indem ein Vertrag mit einem Anbieter ausgehandelt wird, zum anderen könnte man die Karte durch Werbung- und Sponsorenverträgen gegenfinanzieren. Des Weiteren sollte man bedenken, dass der Senat noch über finanzielle Kapazitäten verfügt und diese für eine Mehrzweckkarte einsetzen könnte.
    Die Zahlen, die in dem von Dir zitierten Artikel genannt werden, sind uns schon sehr lange bekannt und wir versuchen schon seit Wochen diese zu überprüfen. Leider ist dies komplizierter als von uns gedacht. Wir sind uns allerdings durch einige Gespräche mit überregionalen Firmen sicher, dass diese angeblichen 80.000 Euro jährlichen Kosten locker mit Werbung auf der Rückseite der Karte abgesichert werden können!
    Ich möchte betonen, dass es sich bei unserer Unterschriftenaktion nicht um ein populistisches Wahlkampfthema handeln kann, da wir weiterhin Unterschriften in den nächsten Monaten sammeln werden.
    Noch eine kleine Anmerkung zum Semesterticket:
    Ich finde es mehr als merkwürdig, wenn man einer Idee nicht einmal eine Chance geben kann. Aber wir haben mit unserer Idee zur Einführung eines Semestertickets auf jeden Fall eines schon erreicht: Wir haben darauf aufmerksam gemacht, dass zurzeit der ÖPNV nicht an den Bedürfnissen der Studenten ausgerichtet ist und dies geändert werden muss.
    Der RCDS Greifswald wird sich in der kommenden Legislaturperiode wieder dafür einsetzen, dass studentische Bedürfnisse in den Vordergrund rücken und sinnfreie ideologische Diskussionen beendet werden.

    @ daburna

    Welche böse Nachricht?

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    1. Natürlich ist es ärgerlich, dass es zu von euch unverschuldeten Zeitverzögerungen bei der Erstellung des Finanzierungskonzeptes kam. Ich habe mich zu dieser Veröffentlichung vor einer Mail von dir aus zwei Gründen entschieden.

      1. wurde mir am Stand erzählt, es gibt kein Konzept zur Finanzierung. Da hätte auch ein: „es wird gerade erstellt, gibt aber Probleme“ ausgereicht. So habe ich diese Aussage aber ernst genommen.

      2. war die Zeitspanne bis vor StuPa-Wahlbeginn so gering, dass ich mich entschied, nicht auf die Mail zu warten, die übrigens immer noch aussteht. Eine Betrachtung des Konzepts nach der Wahl ist für mich nicht ganz so interessant, da meiner Meinung nach die Idee zentrales Thema eures Wahlkampfes war und ist. Viele Studierende werden euch daher wählen. Eine Aufklärung über dieses Vorhaben vorher ist also substantiell. Im Nachhinein schreiben, eure Finanzierung ist super oder halt auch nicht, kann das Wahlverhalten nicht beeinflussen.

      Eine Nichtwahl der Kandidaten des RCDS wollte ich mit dem Artikel aber nicht anregen. Sondern nur dazu aufrufen, nicht blind zu unterschreiben, sondern mal kritisch zu sein und das Vorhaben zu hinterfragen.

      Die vermeintlich “böse Nachricht” möchte ich noch relativieren. Den Ton per Twitter, Mail, oder sonstigen IM kann immer falsch gedeutet werden. Sagen wir so, du warst nicht sonderlich begeistert. Wäre ich aber auch nicht gewesen.

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      1. Anstatt eine Email zu schreiben,habe ich dir Antwort auf deine Frage hier nun als Kommentar gepostet.
        Wir sind weiterhin dabei, uns um die Finanzierung zu kümmern, aber wie es so manchmal ist, zieht sich das alles ein bisschen hin. Schließlich stecken die Mehrheit unserer Mitglieder bereits in Prüfungen oder deren Vorbereitung fest.Des Weiteren ist ja schon recht schwerig sich mit Dingen auseinander zu setzen, die für einen Geistes- oder Gesellschaftswissenschaftler recht neu und fremd sind.
        Es geht bei der Unterschriftenaktion daraum ein Votum der Studenten einzuholen und dann mit diesem zu arbeiten!
        Wir werden ab nächster Woche auch anfangen Vorlesungen zu besuchen und weiterhin für unsere Aktion zu werben um noch mehr Studenten zu erreichen.

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