Seminarbericht neurechte Bünde

Letztes Wochenende war ich auf einem Seminar zu neurechten Jugendbünden in der deutschen Jugendbewegung. Da ich bisher noch nie über Jugendbewegung oder meine Tätigkeiten bei den Pfadfindern geschrieben habe und meine LeserInnen wohl größtenteils nicht aus diesem Kreis stammen, muß ich jetzt etwas weiter ausholen, ohne zu tief in die Details zu gehen.

Heute wird der Ursprung der Jugendbewegung offiziell auf das Jahr 1901 festgelegt. Damals gründete Karl Fischer in Steglitz den Wandervogel als Verein. Seit 1896 gingen dort Schülerinnen und Schüler mit Hermann Hoffmann in der Natur wandern und auf „Fahrten“. Schnell fanden sich in anderen Städten Nachahmer und die Jugendbewegung des Wandervogels war geboren. 1907 kam die Gründung der Pfadfinder durch den Engländer Baden-Powell dazu. Im Laufe der Jahre entstanden in Deutschland Gruppen mit Elementen aus beiden Konzepten. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurden alle Gruppen der Jugendbewegung gleichgeschaltet und mußten sich der Hitler Jugend anschliessen. Wenigen Gruppen passte das nicht und sie gingen in den Untergrund, wurden verfolgt und ermordet.

Die Jugendbewegung wird häufig auch als bündische Jugendbewegung bezeichnet. Dies kommt daher, da es nicht eine Gruppe gab, sondern viele Jugendbünde mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Dies zeigt sich noch heute, wo es christliche oder konfessionslose Pfadfinder, Wandervögel, Waldjugend und und und gibt. Auch ich als Mitglied des Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP) zähle zu dem Sammelbecken Jugendbewegung. Soviel oberflächlich zur Jugendbewegung, mehr dazu gibt es in den Links im Text.

Zu diesem Thema fand also letztes Wochenende in Köln ein Seminar des BdP zur politischen Bildung statt. Insgesamt 31 Teilnehmende aus dem BdP und anderen Bünden kamen aus ganz Deutschland und hatten ein schönes Wochenende. Wir informierten uns über die „Neue Rechte“, kritisch zu betrachtendes Liedgut und hörten einen Vortrag von zwei Experten zum Thema neurechte Jugendbünde. Außerdem besuchten wir das NS-Dokumentationszentrum El-DE-Haus. Samstag abend versorgten wir eine Kölner Kneipe mit Gitarrenmusik und Gesang.

Ich habe dieses Wochenende zusammen mit günzel dem Bundesbeauftragten für politische Bildung und anderen Teamenden geplant und durchgeführt. Wie hier bereits geschrieben, mußte ich dazu tief im braunen Sumpf wandeln. Da die Nachfrage kam, gibt es nun das von mir zusammengestellte Glossar und Links als PDF-Datei [DOWNLOAD – Rechtsextremismus Glossar].

10 Kommentare


  1. Vielen Dank für das Glossar.

    Ich habe in dem Beitrag auch ein neues Wort gelernt: „Teamender“

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    1. Ich glaub bis in den Duden hat es das Wort „Teamer“ noch nicht geschafft. Es beschreibt aber umgangssprachlich in der Jugendarbeit jemanden, der eine Gruppe leitet, Seminar oder Fortbildungskurs leitet. Da wir dann gleichzeitig auf Gender Mainstreaming abfahren und versuchen ein geschlechtsloses Wort zu finden, schreiben wir z.B. statt Studenten (Mehrzahl vom männlichen Student) Studierende oder halt statt Teamer Teamende. In meinen Texten wird allerdings deutlich, dass ich es nicht konsequent schaffe alles durchzugendern.

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  2. hi ich war auf dem seminar und zwar glaube ich, dass der begriff antisemitismus im glossar was du hier auch als pdf anbietest nicht ganz richtig ist. es heißt ja nicht nur anti juden sondern anit-semitismus. also gegen semiten. wer sind semiten?

    hier eine kleine erklärung

    http://lexikon.meyers.de/wissen/Semiten

    also sind damit nicht nur juden gemeint. das ist nicht ganz falsch aber auch nicht richtig!

    ein schön tag noch moe.

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    1. Moinsen Moe!
      Schön, dass du dich hierher verirrt hast 😛 Nun ja, wie heißt es so schön im Journalismus, suche dir zwei unabhängige Quellen. Das habe ich gemacht und keine davon redet von Semiten. Interessant ist allerdings, dass in keiner Quelle die sprachliche Herkunft des Begriffs geklärt bzw. überhaupt angesprochen wird. Selbst Meyers Lexikon nimmt keinen Bezug im Artikel zum Antisemitismus auf die Semiten. Wieso ist das nun so? Kennt keiner den Zusammenhang? Gibt es keinen Zusammenhang? Doch! In der Wikipedia (seriöse Quelle? Naja…) heisst es zum Thema Semiten:

      In verschiedenen inzwischen von der Wissenschaft abgelehnten Rassentheorien wurden die Juden als „Semiten“ bezeichnet. Um judenfeindliche Ideologien zu untermauern, wurden die Semiten zu einer „minderwertigen Rasse“ erklärt. Hieraus entstand auch die Bezeichnung Antisemitismus (Judenfeinde bezeichneten sich selbst als Antisemiten) für Judenfeindlichkeit. Araber wurden von den Nationalsozialisten 1944 von der „Rasse der Semiten“ ausgenommen.

      Weiter heißt es im Artikel zum Antisemitismus:

      Für ihre rassisch, nicht religiös begründete Judenablehnung erfanden deutsche Judenfeinde (insbesondere der Journalist Wilhelm Marr) 1873 den Ausdruck „Antisemitismus“.

      Im heutigen Sprachgebrauch benutzen wir also diesen von einem Judenfeind geprägten Ausdruck. In diesem Sinne sind also ausschließlich nur Juden gemeint. Vom sprachlich logischen her muß man sich allerdings fragen, wer oder was sind die Semiten? Da hast du auf jeden Fall recht.
      Viele Grüße
      Olli

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    1. Ich bin gespannt, wie die Reaktionen von Andrea Röpke und ihren Journalistenkollegen ausfallen. Die sind ja bestens informiert und werden schon wissen, wer da eventuell Nachfolgeorganisation werden könnte.

      Aber ansonsten: Gut so!

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