Vollversammlungen: So funktioniert Demokratie nicht!

Wieder war eine Vollversammlung nicht beschlussfähig. Von 12 Vollversammlungen der Studierendenschaft der Uni Greifswald in den letzten sechs Jahren erreichten nur drei die Beschlussfähigkeit. Nur dreimal nahmen also mindestens fünf Prozent der eingeschriebenen Studierenden teil. Schwach. Basisdemokratie, die nicht funktioniert.

Zur Verdeutlichung habe ich zwei Abbildungen erstellt. In Abbildung 1 sind die Teilnehmenden als Balken und die je nach Semester unterschiedlich hoch liegende fünf-Prozent-Hürde eingezeichnet, in Abbildung 2 kommt die offizielle Zahl der Studierenden hinzu, um die Relation zwischen Teilnehmenden und Gesamtstudierenden zu verdeutlichen. An der gestrigen Vollversammlung nahmen über 98 Prozent der Studierenden nicht teil.

Abbildung 1: Teilnehmende an den Vollversammlungen der Uni Greifswald WS 2006/2007 bis WS 2012/2013.
Abbildung 1: Teilnehmende an den Vollversammlungen der Uni Greifswald WS 2006/2007 bis WS 2012/2013. Keine Daten aus dem SS 2008 vorhanden. Eigene Darstellung. Quellen: webmoritz; Universität Greifswald.

Woran liegt dieses Demokratiedefizit? Dazu müsste empirisch geforscht werden und zum Beispiel allen Studierenden ein Fragebogen zugesandt werden. Aber das ist viel Aufwand und vielleicht nicht ansprechend genug für eine Bachelorarbeit in der Politikwissenschaft.

Es ist einfach, die Schuld beim AStA wegen zu wenig/später Werbung und zu später Bekanntgabe der Anträge oder beim StuPa wegen des Image des „Affenkäfigs“ und damit Stärkung der Politikverdrossenheit zu suchen. Doch so einfach ist es nicht. Wahrscheinlich waren es zum großen Teil die besprochenen Themen, die für genug Teilnehmende sorgten.

Abbildung 2: Relation zwischen Studierenden und Teilnehmenden an den Vollversammlungen der Uni Greifswald WS 2006/2007 bis WS 2012/2013.
Abbildung 2: Relation zwischen Studierenden und Teilnehmenden an den Vollversammlungen der Uni Greifswald WS 2006/2007 bis WS 2012/2013. Keine Daten aus dem SS 2008 vorhanden. Eigene Darstellung. Quellen: webmoritz; Universität Greifswald.

Festzustellen ist immerhin, dass, wenn es um Studentenclubs geht, deren Mitglieder es schaffen, genug Teilnehmende zu mobilisieren. Das apokalyptische Clubsterben zieht also. Die Abstimmung zum Namenspatron Ernst Moritz Arndt im Sommersemster 2009 übrigens auch.

Schade ist es allerdings, wenn Basisdemokratie an der Uni zu einer Art Selbstbedienungsladen verkommt und daran nur teilgenommen wird, wenn es einen persönlich betrifft, wobei jede Entscheidung fast immer alle Studierenden betrifft.

Ja, das ist ein kleiner Seitenhieb auf die Studentenclubszene, die gestern bis auf wenige Ausnahmen abwesend war. Solidarität und Unterstützung einfordern, aber bereits bei der nächsten Vollversammlung selber kaum welche zeigen, so kommen wir nicht weiter.

Am Ende mag man noch die kruden Thesen der Jungen Union aufgreifen und noch weiter gehen. Studentische Mitbestimmung – wozu eigentlich?

14 Kommentare


  1. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich auch nicht da war und auch noch nie gewesen bin. Ich wusste noch nicht mal, was genau dort überhaupt passiert. Ich hab auch erst am Dienstag gehört, dass am Donnerstag die Vollversammlung ist. Ich denke, es müsste mehr Aufklärung stattfinden, damit die Studenten überhaupt wissen, wofür das gut ist.

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    1. Das ist halt so eine Sache. Die Werbung versagt. Ich habe dieses Mal auch keine Ankündigung geschrieben, das würde aber nicht viel mehr Leute anlocken. Flyer an Fahrrädern sind eine nette Werbeidee, nur bekommen das so nur wenige mit. Genauso wenig wie eine E-Mail am 5.12. – also einen Tag vor der Vollversammlung – an die Uni-E-Mailadressen. Wer liest die schon regelmäßig?

      Wie gesagt, ich würde eine Befragung der Studierenden ganz sinnvoll finden, um herauszufinden, woran es liegt, dass kaum jemand kommt.

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  2. Ich habe mit der Vollversammlung abgeschlossen, seit dem man mir dafür die Vorlesungen „geklaut“ hat. Über den Besuch einer Samstags-/Sonntags-VV hätte ich nachgedacht; eine, die parallel zur Vorlesung stattfindet, bringt mich nur in die Bibliothek.

    Daneben halte ich den Einfluss der VV für zu gering. Ein Kommilitone fragte mich: „Wenn die etwas beschließen – wer hört ihnen überhaupt zu?“

    Die Themen. Wir sprechen uns für das Ehrenamt aus. Nett, aber überflüssig. Wohnraumsituation klang nach dem Ticker als ob die Leute nur ihren Frust abredeten. Schaut man in den Antrag, bleibt die Frage von zuvor: Wer hört in Schwerin auf die VV? usw. usf.

    M. E. waren die einzigen interessanten Anträge Plagiatssoftware und Moritzmedien, weil hier das Stupa für das Eine Input braucht und für das Andere das falsche Gremium ist.

    Am Ende hat der Autor aber recht: Die Ideen der JU haben neue Nahrung gefunden. Demokratie ohne Demokraten hat wenig Sinn.

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    1. Naja, ich möchte hier nicht sagen, nur weil wenig Leute teilgenommen haben, fordere ich eine Abschaffung. Das Aufgreifen der JU-Thesen war eine Provokation. Wir sollten eher darüber nachdenken, wie das Gremium gestärkt werden kann. Abschaffen ist zu einfach.

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      1. Das wollte ich Dir auch gar nicht in den Mund legen 😉 Es ist viel mehr so, dass durch die Beteiligungsquote der Vorschlag der JU nicht gerade widerlegt wird.


  3. Was die VV bringt?

    Die letzten Beschlüße der Vollversammlung wurden weitesgehend umgesetzt. Die Aufteilung der Gelder(250.000) findet unter anderem deswegen statt, weil eine beschlußfähige Vollversammlung da hinterstand. Die Bedingungen für die Rektorwahl wurden umgesetz und Frau Weber hat bei allen Punkten mindestens leichte Zustimmung signalisiert.Der Senat spürt den Druck der Studierenden beim C 9. Und der MP und der Staatsekretär in der Staatskanzlei werden heute sicherlich die OZ gelesen haben das die Studierenden Städtebaufördermittel für Wohnheime wollen.

    Ja die VV bringt was! Die Beteiligung an der VV in eine Demokratie ohne Demokraten umzudeuten, ist falsch.

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    1. Erik, das ist gut, dass du diese Punkte bringst! Ich frag mich nur, ob das auch Studierende sehen/wissen, die nicht in StuPa oder Senat involviert sind. Wahrscheinlich eher die Wenigsten.

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    2. die 250.000€ wären auch ohne die VV so verteilt worden.

      die vv bringt gar nichts. die beschlüsse sind nicht bindend, auch das stupa nimmt keiner ernst (das sieht man an der Wahlbeteiligung vom Stupa).

      der senat spürt den druck? der senat sieht auch das sich nur 2% der studentenschaft sich für die hochschulpolitik interessiert.

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      1. Die 250.000€ wären eben nicht so verteilt, die Beschlussvorlage des Rektorats sah eine komplett andere Aufteilung des Geldes zu Lasten der studentischen Kultur vor.

        Leute die hier schreiben, dass sie die VV abgeschrieben haben und dann eine Wertung der Anträge auf Informationsbasis des Tickers vornehmen, kann ich auch irgendwie nicht ernst nehmen. Der Wohnraumantrag hat vor allem die Möglichkeit geschaffen, dass die zukünftigen Entwicklungen der Studentenwohnheime von Seiten der Studierendenschaft begleiten werden können.

        Die Diskussion zeigt vor allem dass der Output der studentischen Gremien noch zu sehr im Verborgenen bleibt. Erik hat ja bereits einiges geschrieben, das Stupa und der AStA leisten einen konstruktiven Beitrag zur Verbesserung des Studienstandorts Greifswald. Die Erfolge und Ergebnisse dieser Arbeit müssen einfach nur noch mehr sichtbar gemacht werden und da sind dann auch die studentischen Medien in der Verantwortung, nicht als Hofberichterstatter sondern als kritische Begleiter der Arbeit.


    3. Was ist daran falsch? 200 von 12.000. Macht 11.800, die es nicht interessiert. Ein demokratisches Werkzeug eben ohne seine Demokraten.

      Zu Deinen Beispielen verweise ich auf Hans.

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  4. so, ich habe grade einmal mein hirn angestrengt und gezählt, wieviele clubbies ich gestern bei der vv begrüßt habe und komme ohne mich selbst auf 20. das macht immerhin 10% der anwesenden aus. das ist doch eine ganz ordentliche quote…

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    1. Stimmt, die Quote ist nicht schlecht. War halt eine subjektive Beobachtung. Es gab dieses Mal ja auch keinen geschlossenen Clubbie-Block, der sofort auffiel.

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  5. hihi, affenkäfig 😀 ich stell mir grad vor wie die affen aus dem käfig mit kacke werfen, das versüßt mir ungemein den abend. danke daburna 😛

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