Untersuchung des Modal Splits in Greifswald

Greifswald hat letzte Woche die Befragung zum Modal Split der Wohnbevölkerung veröffentlicht. An dieser Untersuchung waren auch wir Studierende vom Institut der Geographie der Universität Greifswalds im Seminarkurs von Dr. Ruth Bördlein beteiligt.

Wir haben bei der Erstellung der Fragebögen mitgeholfen, die ausgefüllten Bögen digital erfasst und schliesslich kartographisch ausgewertet. Meine eigene Karte ist leider noch nicht komplett fertig, die von Marco ist hier eingefügt.

Karte Modal Split in Greifswald
Karte Modal Splits der meistfrequentierten Orte Greifswalds

Hier die Kurzfassung der Ergebnisse aus dem Bericht:

Im Mai 2009 wurde in Greifswald eine Haushaltsbefragung zur Verkehrsmittelwahl  durchgeführt. Dabei wurden rund 2500 Haushalte (Haupt- und Nebenwohnsitz) angeschrieben. Diese Haushalte wurden nach allgemeinen Informationen zum Haushalt und zur persönlichen Mobilität gefragt. Zudem wurden die einzelnen Haushaltsmitglieder um die Anfertigung eines so genannten Wegeprotokolls an einem von sechs vorgegeben Stichtagen gebeten.

Ein Wegeprotokoll erfasst die an einem Tag zurückgelegten Wege nach Beginn- und Endzeit, Ausgangs- und Zielort, genutztem Verkehrsmittel und einigen anderen Merkmalen.

Rund 22% der Haushalte füllten den Fragebogen aus, damit wurden rund 1100 Personen erfasst. Diese Stichprobe wurde nach dem Alter gewichtet, d.h. in die Auswertung gingen 1036 Antworten entsprechend der aktuellen Verteilung der Greifswalder Bevölkerung auf verschiedene Altersgruppen ein.

Rund 70% der Befragten sind den drei größten Gruppen – Vollzeiterwerbstätige, Rentner/Pensionäre, Studierende – zuzuordnen. Die Befragten sind überdurchschnittlich gut ausgebildet, sowohl in Bezug auf ihren Schulabschluss als auch hinsichtlich der Berufsausbildung.

Die Auswertung der allgemeinen Angaben zur Mobilität zeigt für die Greifswalder Befragten eine niedrigere Motorisierung als im bundesdeutschen Durchschnitt und eine leicht unterdurchschnittliche Führerscheinverfügbarkeit. Rund zwei Drittel der Befragten konnten am Stichtag uneingeschränkt oder teilweise über einen Pkw verfügen.

An den Stichtagen wurden insgesamt rund 3500 Wege zurückgelegt, damit kommen die Greifswalder auf durchschnittlich 3,4 Wege pro Tag. Als Wege werden hier Ortsveränderungen verstanden, die einem Zweck dienen und mit einem oder mehreren Verkehrsmitteln zurückgelegt werden.

Diese Wege wurden zu rund 44% mit dem Fahrrad zurückgelegt. Auf den Pkw-Verkehr (Selbst- und Mitfahrer) entfallen etwa 33% der Wege. 21% wurden zu Fuß erledigt. Der öffentliche Verkehr hatte an den Stichtagen mit rund 2% eine sehr geringe Bedeutung.

Die Wege dienen – wenn die Heimwege als häufigster Wegezweck ausgenommen werden – zu 28% der Versorgung (Einkauf, Besuch von Arzt oder öffentlicher Einrichtung). Der Freizeitbereich nimmt mit 22% insgesamt den zweitgrößten Teil der angegebenen Wege ein, wobei 9% auf sportliche Aktivitäten (Besuch von Sportstätten und Erholung/Sport im Freien) entfallen. In den 13% „Anderen Freizeitaktivitäten“ sind private Besuche, Kneipenbesuche sowie kulturelle Veranstaltungen enthalten. 21% der Wege werden im Zusammenhang mit dem eigenen Arbeitsplatz zurückgelegt. 12% der Nennungen betreffen das Aufsuchen der Universität, der Rest entfällt auf den Besuch von Kindereinrichtungen und Schulen (11%) sowie rund 6% sonstige Wegezwecke.

Zu 90% wurden die angegebenen Wege innerhalb Greifswalds zurückgelegt, 5% sind für im Rahmen dieser Untersuchung als Quellverkehr (Ausgangspunkt Greifswald, Endpunkt außerhalb) und 4% als Zielverkehr (Endpunkt Greifswald, Ausgangspunkt außerhalb) zu bezeichnen. Die innerhalb der Stadt unternommenen Wege sind durchschnittlich 2 km lang und dauern – Fußwege und alle Verkehrsmittel einbezogen – rund 14 Minuten. Die errechnete durchschnittliche Geschwindigkeit beträgt dann 11 km/h. Werden Quell- und Zielverkehr mit einbezogen, so ergibt sich eine durchschnittliche Wegelänge von rund 5 km, eine Dauer von 16 Minuten und eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 14 km/h.

Zum Vergleich stehen vor allem die im Rahmen des von der TU Dresden entwickelten Systems repräsentativer Verkehrsbefragungen (SrV) ermittelten Werte zur Verfügung. Danach legten die Greifswalder Befragten durchschnittlich etwas mehr Wege pro Person und Tag zurück. Die Entfernungen waren weniger weit und durchschnittlich kürzer als im Mittel der betrachteten Vergleichsstädte. Der im Rahmen der Greifswalder Untersuchung ermittelte Modal Split, d.h. die Verteilung auf die verschiedenen Verkehrsmittel, weist große Unterschiede zu anderen Städten auf. Der hohe Fahrradanteil und der geringe Anteil des öffentlichen Verkehrs lassen die Greifswalder Situation deutlich von den meisten anderen untersuchten Städten abweichen.

Die kompletten Ergebnisse der Untersuchung lesen.

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