Kostenlose Werbung is‘ nich‘!

Eisberg
Eisberg. Foto: Natalie Lucier

An manchen Tagen scheint es, als sei der einzelne Blogartikel nur die Spitze des Blogeisberges. Im Hintergrund eines Blogs laufen zahlreiche Aktivitäten ab, die Leserinnen und Leser selten mitbekommen und die oft nur wenig mit den zu lesenden Inhalten zu tun haben.

Es sind technische und Designfragen wie, ob der Blog auch auf mobilen Geräten mit kleinen Displays lesbar ist oder welche Plugins genutzt werden. Es kommen rechtliche Fragen dazu z.B. im Bereich Datenschutz, ob der Like-Button von Facebook einfach so eingebunden werden darf (nein, darf er nicht). Natürlich steht auch die Buchhaltung und einmal im Jahr die Steuererklärung auf dem Zettel. All das muss immer wieder neu geklärt werden.

Und dann sind da noch die E-Mails. In der täglichen E-Mailflut: Neue Kommentare (ggf. freischalten), Spamkommentare (löschen), Mailer-Daemon-Mails (woher auch immer), Spam-Mails, Pressetexte, Infos von Werbepartnern, Twitter-Benachrichtigungen und zu guter Letzt Anfragen von Marketing-, SEO– oder Linktauschagenturen. Diese E-Mails kann man eigentlich auch in die Kategorie Spam stecken, da sie unerwünscht verschickt sind und häufig nur Zeit verschwenden.

WERBETEXT KOSTENLOS VERÖFFENTLICHEN?

Gerade vor wenigen Wochen kam eine E-Mail einer Online Marketing Agentur. Man suche nach einem geeigneten Kooperationspartner für die Website eines Kunden. In ihr wurde ein Gastartikel angeboten.

„Der Charakter des Artikels soll informativ und auf Greifswald bezogen sein, sie [sic] erhalten selbstverständlich keinen reinen PR-Text.“

Der Gastartikel solle „zusätzlichen Content und einen Mehrwert für die Besucher“ bieten. Kein Wort von Bezahlung. E-Mails in sehr ähnlichem Wortlaut gingen auch an mindestens zwei weitere Blogs aus der Region Greifswald, was für mich die Frage nach der Einzigartigkeit des Contents stellt. Hätten wir drei Ja gesagt, hätte es in drei Blogs mit großer Leserinnen- und Leserüberschneidung dreimal einen sehr ähnlichen Inhalt gegeben. Doch niemand veröffentlichte den besagten Gastartikel.

Griff ins Klo
Werbetexte umsonst? – Griff ins Klo! Foto: Oliver Wunder

Diese Anfrage zeigt die Dreistigkeit, wie in der Branche vorgegangen wird. Die Agentur kassiert von ihrem Kunden dafür ab, dass im Internet Werbetexte platziert werden, dem Betreiber des Blogs, auf dem der Text erscheint, soll aber kein Geld gezahlt werden, denn zusätzlicher Content und Mehrwert würden ja ausreichen. Für solche Texte bekommt jedes kleine Anzeigenblättchen mehr Gegenleistung geboten.

Die Agentur ist ein Mittler zwischen Auftraggeber und Blog. Sie kassiert das Geld für eine Leistung ein, die später der Blog kostenlos erfüllen soll. Ok, sie liefert den Text, bringt also doch etwas Eigenleistung ein.

Würde dieses Verhalten auf einen anderen Bereich übertragen, sähe es überspitzt vielleicht so aus: Ich arbeite im Restaurant als Bedienung. Vom Gast erhalte ich in Vorkasse für das Essen Geld und fordere von der Küche, dass sie dieses Essen umsonst kocht, gebe ihr aber das Rezept und Zutaten für die Gerichte. Welche Küche würde da mitmachen? Keine!

BLOGS VERKAUFEN SICH UNTER WERT

Ronny vom Kraftfuttermischwerk schrieb in einem Artikel über Werbung und Blogs: „viele verkaufen sich viel zu schnell unter dem eigenen Wert [sic] weil sie diesen nicht so recht einschätzen können und dann lieber ‚etwas‘ als ‚gar nichts‘ nehmen.“ Das ist ein wichtiger Punkt. Vielleicht sollten Blogger erstmal zu hohe Preise ansetzen und sich dann runterhandeln lassen.

Ein weiterer wichtiger Punkt im Zusammenhang mit Werbetexten ist die Wirkung auf Leserinnen und Leser. Niemand klickt wegen Werbung, seien es Banner oder Werbetexte, auf einen Blog. Werbung ist einfach kein Publikumsmagnet, sie sorgt nicht für Bindung, sondern teilweise eher für Kopfschütteln, dass sich Blog XYZ nun so sehr kommerzialisiert und verkauft. Darum muss sehr gut überlegt werden, welche Werbung und wie viel davon in einem Blog realisiert wird. 

WERBUNG OHNE GEGENLEISTUNG – NICHT MIT MIR

Hier wird es keine Werbetexte ohne entsprechende Gegenleistung und Kennzeichnung geben. Die Vermischung von redaktionellem Inhalt und Werbung sehe ich sehr kritisch und stehe ihr ablehnend gegenüber. Blogs, in denen ich so etwas vorfinde, meide ich. Ich möchte aber nicht, dass meine Leserinnen und Leser meinen Blog meiden. Die dreisten Angebote der Agenturen werden zukünftig direkt mit einem Kostenvoranschlag beantwortet.

Fotos: [1] Natalie Lucier // CC-Lizenz BY  | [2] Oliver Wunder // CC-Lizenz

3 Kommentare


    1. Hallo Matthias,
      ach ja, die rechtliche Regelungen dazu habe ich ganz unterschlagen. Der Hinweis auf das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb wird zusätzlich in meine Standardantwortmail wandern. Danke für die Erinnerung!
      Gruß
      Oliver

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