Lesetipp zum Renten- und Demographiemärchen

Gerd Bosbach, Professor für Statistik und Empirische Wirtschafts- und Sozialforschung an der Fachhochschule in Remagen, schrieb Anfang der Woche anlässlichs des Beginns der stufenweisen Einführung der Rente mit 67 einen Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung. In „Warum wir positiv in die Zukunft blicken können“ räumt er mit demographischen Märchen auf, mit denen Einschnitte ins soziale Netz gerechtfertigt werden. Ein paar Sätze des Statistikers:

„Der angebliche Fachkräftemangel. Es heißt, dass es heute und auch künftig zu wenige Jugendliche gebe. Doch die heutigen Fachkräfte sind die Ausgebildeten der vergangenen Jahrzehnte. Und dort haben Verantwortliche Fehler begangen. Zwischen 1990 und 2005 wurde Hunderttausenden Jugendlichen die Ausbildung verweigert.

[…]

Selbst wenn die Produktivitätssteigerung je Arbeitnehmer jährlich nur ein Prozent beträgt, könnte jeder Beschäftigte im Jahre 2060 dreißig Prozent Rentenbeitrag zahlen und gleichzeitig noch sein verbleibendes Einkommen um über vierzig Prozent steigern, nach Abzug der Preissteigerung. Vorausgesetzt ist allerdings, dass die erhöhte Produktivität auch ausgezahlt wird, die Verteilung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber sich nicht zugunsten der Arbeitgeber ändert.

[…]

Bürger, Politiker, Journalisten sollten kritischer mit den Zukunftsprognosen umgehen, die uns da vorgelegt werden. Die Prognostiker kennen die Zukunft auch nicht, sie rechnen Daten hoch.“

Einfach mal den kompletten Text lesen und überlegen, wie sinnvoll es ist, sehr ungenaue Zukunftsprognosen für politische Entscheidungen zu nutzen.

1 Kommentar


  1. Bosbachs Abrechnung mit demographischen Horroszenarien hatte ich vor Tagen gespeichert und verschlafen, sie als Hintergrund anzubieten. Danke für die Erinnerung! Solche Texte können gar nicht oft genug zum Lesen empfohlen werden, da sie zu den Mitteln gehören, gegen die Volksverblödung anzugehen.

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