Blog4Burma: Free Tibet!

Blog 4 Burma und Tibet passen nicht zusammen? Von wegen! Die Bilder, die uns aus Tibet erreichen, ähneln stark den Bildern aus Burma im letzten Oktober. Mönche gehen auf die Straße, das Militär eskaliert die vorher friedliche Demonstration und Reporter werden ausgewiesen / keine Nachrichten verlassen das Land. Und wenn wir uns zurück erinnern, dann war es doch China, das Burma immer wieder vor Sanktionen geschützt hat. Aus diesem Grunde im Namen von Blog 4 Burma: Free Tibet!

Nun ist es also kein kleiner Staat mit Militärjunta sondern die aufstrebende, „kommunistische“ Weltmacht China, die einen Protest blutig niederschlägt. Daß ein ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats soetwas machen kann, ohne Konsequenzen zu fürchten, ist beängstigend, zeigt sich aber immer wieder (Beispiel Tschetschenienkriege). Begründet wird das dann mit Nichteinmischung in innere Angelegenheiten. Egal, ob da die Menschenrechte mit Füßen getreten werden.

Doch handelt die Politik nicht, bleibt diesmal wenigstens ein anderes Druckmittel: der Boykott der Olympischen Sommerspiele in Peking. Seit den blutigen Aufständen in Tibet wird diese Maßnahme auch wieder heiß diskutiert im Internet. In der nichtrepräsentativen Umfrage der Süddeutschen haben sich von 6720 Befragten 71% für einen Boykott ausgesprochen.

Sicher kann sich kaum noch jemand an Olympia 1936 erinnern, die Situation damals ist mit der heute auch nicht zu vergleichen, dennoch bestehen einige Parallelen. Auch im Vorfeld der Olympischen (Propaganda-)Sommerspiele 1936 in Berlin (Nazi-Deutschland) gab es Boykottaufrufe. Heinrich Mann dazu:

„Ein Regime, das sich stützt auf Zwangsarbeit und Massenversklavung; ein Regime, das den Krieg vorbereitet und nur durch verlogene Propaganda existiert, wie soll ein solches Regime den friedlichen Sport und freiheitlichen Sportler respektieren? Glauben Sie mir, diejenigen der internationalen Sportler, die nach Berlin gehen, werden dort nichts anderes sein als Gladiatoren, Gefangene und Spaßmacher eines Diktators, der sich bereits als Herr dieser Welt fühlt.“

Dieses Zitat etwas abgewandelt würde heute bezogen auf China wohl etwa so klingen:

„Ein Regime, das sich stützt auf Billigarbeit und Menschenrechtsverletzung; ein Regime, das den Krieg vorbereitet und nur durch verlogene Propaganda existiert, wie soll ein solches Regime den friedlichen Sport und freiheitlichen Sportler respektieren? Glauben Sie mir, diejenigen der internationalen Sportler, die nach Peking gehen, werden dort nichts anderes sein als Gladiatoren, Gefangene und Spaßmacher einer Partei, die sich bereits als neue Weltmacht fühlt.“

In eigener Sache: Blog 4 Burma hat nun ein eigenes Forum.

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12 Kommentare


  1. Hm. Hmmmmmm.

    Also zuallererst möchte ich da mal auf den TP-Artikel von heute verweisen, ohne mich da heute schon umfangreicher mit beschäftigt zu haben. Der zeigt nocheinmal die Wurzeln des Konfliktes auf und legt auch eine gewisse Skepsis an den Tag bezüglich der eskalierenden Tätigkeit des Militärs.

    Ohne Frage ist die vorgehensweise mit Militär in keiner Weise gerechtfertigt. Doch auch die militante Haltung der jungen Tibeter sollte zumindest ansatzweise thematisiert werden. Es gehören wie bei jedem Streit zwei dazu.

    Ein weiter Punkt ist in meinen Augen das Rumhacken auf China und dem bösen Ivan. Na klar haben die bestimmte Vorstellungen davon, was sie erreichen wollen. Und die Mittel der Wahl stoßen bei uns menschrechtlich geprägten Normalbürgen zumindest auf unbehagen.

    Doch wenn man das anspricht, dann muss man auch unsere (westliche) Rolle kritisch hinterfragen. Das strahlende Negativbeispiel sind sicherlich die USA, die ja nicht erst seit dem Afghanistan- und Irakkrieg beim Thema menschenrechte unangenehm auffallen (siehe Abu Ghraib, Guantanamo, Gefangenenflüge, etc.). Nein auch Deutschland glänzt in den letzten Jahren mit immer mehr Auslandseinsätzen seiner eigentlich als Verteidigungsarmee deklarierten Bundeswehr. Wir mischen fleißig in Afghanistan, im Libanon und am Horn von Afrika mit. Und trotzdem Nein zum Irakkrieg ist Deutschland für die USA der größte logistische Partner (Ramstein) in diesem Krieg. Die NATO wird vom Verteidigungsbündnis zum normalen Militärbündnis umgebaut. Mit einem Paragraphen zur Sicherung der westlichen Rohstoffzufuhr im Statut.

    Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, wo auch wir genug Dreck am Stecken haben.

    Insofern würde ich mich bei aller Aktivität zu diesem Thema doch freuen, wenn die Meinung etwas ausgewogener wäre. Das genannte Zitat lässt sich nämlich auch einfach unsere „Freunde“ jenseits des Teiches oder meinetwegen auch Europa anwenden…

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    1. „Wer dahinter steckt ist unklar“ ist bei Telepolis zu lesen. Bei einer freien Presse wäre es einfacher das herauszufinden. Mit der Abschottung dagegen macht sich China selber schuldig, denn da wird gleich in den Geschichtsbüchern (Stichwort: Platz des himmlischen Frieden) geblättert und daraus Rückschlüsse auf das heutige Verhalten geschlossen. Das was dann durchrieselt oder gezielt gestreut wird, bildet den Grundstock der Meinungsfindung. China muß hier seine Position als Gatekeeper überdenken und freie unabhängige Berichterstattung zulassen. Erst dann kann es dazu kommen, daß vielleicht die wahren Gründe des Konfliktes erkennbar werden.

      Naja, daß wir uns zu erst an die eigene Nase fassen müssen, ist kein Geheimnis, aber auch kein Grund dafür nicht über andere Konflikte zu berichten. Nur kann man nicht bei jedem Bericht über Menschenrechtsverletzungen in Absurdistan sofort auch alle Menschenrechtsverletzungen in USA, D etc. aufzählen. Die Masse interessiert das einfach nicht. Leider. Wir haben ja z.B. gesehen, wir sich keiner für das Thema Datenschutz im StudiVZ interessiert hat, dann aber doch so etwas wie ein Schwelbrand gelegt wurde und inzwischen etwas mehr Menschen sich darum kümmern. Die Hoffnung ist, daß es sich hier ähnlich verhält. Auch, wenn wir uns eher wie der Frosch im langsam erhitzten Wasser verhalten.

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      1. Ja mit der Pressefreiheit hast du sicherlich Recht. Da müssen sie sich tatsache an die Nase fassen. Für die Gerüchteküche ist da gewissermaßen Öl ins Feuer.Aber: „Wer dahinter steckt ist unklar“. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass ich diese Vorverurteilung Chinas nicht mag. Denn sie sind, wie ja vorher schon gesagt, keineswegs einseitig dafür verantwortlich zu machen. Und dieser Hinweis fehlt mir einfach.

        Dass die Reaktionen nicht angemessen sind, sehe ich auch so. Schließlich ist China einfahc mal der stärkere. Wie bei Geschwistern auch gilt es hier den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu wahren. Nur weil der kleine Bruder mit seiner beschränkten Kraft ärgert, gesteht das dem großen Bruder noch lange nicht das Recht zu mit seiner ganzen Kraft zuruckzuhauen. Um das mal bildlich auszudrücken. Aber dennoch müssen die Aktionen des kleineren auch beleuchtet werden.

        Dein zweites Argument, die Masse würde sich einfach nicht für unsere eigenen Menschenrechtsverletzungen interessieren, verstehe ich irgendwie nicht richtig. Gerade dann wäre es doch angebracht auch eben drauf hinzuweisen. Selbstverständlich erfahren andere Konflikte auf der Welt viel zu wenig Beachtung. Das ist doch ein idealer Ansatzpunkt internationale Kritik auch mit nationaler Kritik zu verbinden. Denn wieviele Leute wissen eigentlich vom Bruch des Völkerrechts im Kosovo? Ja, die Abspaltung ist gemäß des Völkerrechts, welches solche Autonomiebestrebungen nur mit Zustimmung des jeweiligen Mutterlandes zulässt, völkerrechtswidrig. Und wer hat (aus welchem Grund ist ja dann die nächste spannende Frage) diese Bestrebungen im Kosovo allen voran angeführt? Genau, Deutschland.

        Und da spannt sich auch der Bogen zu Tibet. Mit der formalen Unabhängigkeit des Kosovos, der jetzt von dem ehem. Mafiaboss Thaci „regiert“ wird, sind viele andere Regionen der Erde in ihren Bemühungen angeregt worden und sie berufen sich nun auf eben jenen Präzedenzfall, der ja laut eiligsten Aussagen von Deutschland und den anderen Befürwortern garkeiner ist.

        Ich hoffe es wird irgendiwe klar, worauf ich hinaus will. Viele Vorkommnisse in der Welt hängen irgendwie zusammen und müssen aus diesem Grund auch zusammen betrachtet werden. Zumindest Ansatzweise. Denn alles andere wäre auch den betroffenen in den Regionen gegenüber unfair und scheinheilig, wenn wir uns als Deutschland über ein China aufregen, das in unseren Augen unlauter vorgeht, im Endeffekt aber hintenrum dasselbe machen, und sei es nicht direkt, sondern durch monetäre und sonstige Unterstützung.

        Gerade hier kommt den Bloggern wie dir diese besondere Aufgabe zu, auch auf die Hintergründe einzugehen, wie ich finde. Der Hinweis auf die Zustände ist das eine. Sicherlich wichtig, keine Frage. Doch gerade diese Hintergründe, vielleicht auch jenseits der ideologischen Grenzen, gilt es zu beleuchten. Denn die normale Aufregung können wir auch in der Tagesschaupropaganda genießen.


      2. Ein Problem bei der Durchdringung der Massen mit kritischen Nachrichten ist auch die Herkunft bzw. Verfasser dieser Meldungen. Der Großteil der deutschen Bevölkerung ist nachrichtentechnisch eher konservativ einzustufen. Gerade aber die kritischen Meldungen zum Thema Kosovo etc. kommen aus der linken Ecke oder von weniger bekannten Autoren / Verbreitungskanälen. Ab und zu finden sich dann solche Berichte dennoch in renomierten Zeitungen wieder, aber die Grundtendenz ist klar. Stolpert man als sonst nur FAZ, FR oder Süddeuschte lesender im Internet über eine kritische Seite zum Thema Kosovoabspaltung, wird dieser in die unseriöse evt. auch linke Propaganda Ecke eingeordnet und für viel zu übertrieben und unwahr eingestuft.

        Einen Bogen vom Kosovo nach Tibet zu schlagen ist an dieser Stelle richtig. Ansatzweise die Problematik aufzuzeigen und auf fundiertere Hintergrundgeschichten zu verlinken auch. Die Story im globalen Kontext der aktuellen Geopoltik einzuordnen, ist allerdings zuviel, denn das würde Bände füllen und zu einem allgemeinen Rundumschlag ausarten.


      3. Wie auch immer. Mir ging es hier erstmal nur darum kurz Parallelen zu Burma 2007 aufzuzeigen und die Stimmung zu einem möglichen Olympia-Boykotts zu beleuchten.


      4. Hehe ja ok Olli=)

        Hast ja recht. Alles kann man eh nicht gleichzeitig bearbeiten, dazu ist die Welt einfach zu komplex. Wollte es ja nur mal angesprochen haben, weil der Eingangstext in meinen Augen recht einseitig klang.

        Das ist generell auch keine Aufgabe für einen Einzelnen, sondern für die Blogger insgesamt. Und da dein Blog ja doch recht gut frequentiert ist, war das sicherlich der richtige Ort, sowas mal anzumerken. Vielleicht nimmt sich ja einer deiner Leser ein Herz und beschäftigt sich damit. Und wenn es nur erstmal für die eigene Meinungsfindung ist, dann hat das ja schonmal was erreicht

        Ansonsten weiter so=)


  2. Das ist gut und auch fast das einzig erreichbare Ziel meines Blogs. Ein paar Denkanstösse geben. Auch wenn diese durch einseitig formulierte Einträge entstehen 😛

    Zum Thema hat sich Spreeblick übrigens Gedanken gemacht und das öffentliche Interesse genutzt, um auch auf andere Konfliktgebiete innerhalb Chinas aufmerksam zu machen.

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  3. Yo. Und um auch den anderen noch den Beitrag zukommen zu lassen, den ich dir eben geschickt habe, hier noch der Link zu einem Beitrag von Marcus Hammerschmitt, der ja auch öfter bei Telepolis ganz nette Sachen schreibt.

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  4. Liebe Freunde, ich unterstütze natürlich auch ein FREIES TIBET. Bitte gestattet mir jedoch, euch auf etwas aufmerksam zu machen! SÜDTIROL! Südtirol wurde als Kriegsbeute den Italienern nach dem WK1 überlassen. Seit 90 Jahren muss das Südtiroler Volk diese Unterdrückung hinnehmen. Es gibt in ganz Südtirol verstreut noch mehrere Denkmäler und Relikte, welche den Faschismus verherrlichen. Der Alltag eine Südtirolers ist ebenfalls vom Faschismus geprägt, die Polizia und Carabinieri spricht nicht unsere Sprache, man wird von Italienern schief angeschaut wenn man deutsch spricht, man wird bei deutschen Veranstaltungen bedroht. Ich wünsche mir, dass vielen Menschen die Augen aufgehen. Südtirol erduldet seit 90 Jahren eine durchaus ähnliche Situation wie Tibet!

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    1. Ähm…eigentlich möchte ich mich auf so eine Diskussion nicht einlassen, denn dann kommen am Ende noch die Vertriebenenvereine aus Schlesien und Pommern und wollen die Ostgebiete zurück.
      Ich bin ehrlich gesagt nicht mit dem Thema Südtirol vertraut, ich war aber schon dort und empfand es eher als Österreich anstatt als Italien. Allerdings habe ich keine unterdrückte Bevölkerung gesehen. Auch freie Religionsausübung ist dort möglich. Repressionen gegen Südtiroler sind mir nicht bekannt. Das ist aber der Unterschied zu Tibet. Und dieser Unterschied ist gravierend. Klar kann man sich über eine „Kriegsbeute“ streiten, aber laut Wikipedia ist Südtirol weitgehend autonom und reich. Tibet hingegen will eine Autonomie. Naja, ich will das jetzt nicht vertiefen, aber man erkennt doch schon deutliche Unterschiede.

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