Suche nach Studentenjob – Fehlschlag

Fast jeder Studierende sucht nach einer Möglichkeit sich das Leben neben dem Studium zu finanzieren. Wenn das BAföG nicht reicht, es kein BAföG gibt, die Zahlungen der Eltern zu gering sind oder trotzdem alles nicht reicht, wird nach einem Job gesucht. In Städten wie Greifswald ist dies allerdings schwer. Erstens liegt die Stadt in der strukturschwachen Region Vorpommern und zweitens stellen die Studierenden inzwischen, wenn alle Studierenden dort haupwohnsitzlich gemeldet wären, einen Anteil von ca. 20 % an der Bevölkerung. Daher können die Arbeitgeber deutlich unter dem geforderten Mindestlohn bezahlen. Stundenlöhne von drei Euro sind keine Seltenheit. Dennoch gibt es hier Studentenjobs – im Callcenter, bei Burgerking, in der Bäckerei usw.

Auch ich bin auf der Suche nach einenem Nebenjob. Dabei stieß ich Anfang Januar auf einen Aushang im REWE-Supermarkt. Die AFA AG mit Hauptsitz in Cottbus suchte Mitarbeiter/Innen zur Datenerfassung und Analyse. Die Anzeige hörte sich auf den ersten Blick garnicht so schlecht an und zu verlieren hatte ich ja eh nichts, also bewarb ich mich sofort per Mail. Einen Tag später rief mich ein freundlicher Mitarbeiter an und lud mich zu einem Kennenlerngespräch ein. Meinen Lebenslauf sollte ich ebenso mitbringen (später stellte sich die Frage wozu).

Aushang der AFA

Also erschien ich wenige Tage später im Büro der AFA Niederlassung Greifswald. In den drei bis fünf Büroräumen sassen zwei Mitarbeiter. Einer davon empfang mich und stellte sich als Chef dieses Aussenpostens vor. Nach einem kurzen Gespräch, in dem ich mich kurz vorstellte und der AFA Mitarbeiter die AFA „Erfolgsstory“ erklärt, war ich ihm angeblich so sympathisch, daß ich den Raum mit einer Einladung zu einem monatlich stattfindenden „Tag der offenen Tür“ und der Aussicht auf den Job verliess. Vorher beantwortete er noch die Frage, ob ich dort mit Kunden arbeiten müsse oder wirklich nur Daten eingeben müsse ausdrücklich so: „Sie werden mit mir arbeiten und meine Daten in den Computer eingeben.“

Wieso ich diese Frage überhaupt stellte? Nun, ich habe mich natürlich vorher schon im Internet zu der AFA AG belesen. Viele der dort gefundenen Berichte warfen eher ein zweifelhaftes Licht auf dieses Unternehmen. In zahlreichen Testforen finden sich dort viele Berichte zur AFA. Man warf dem Unternehmen vor ein Schneeballsystem zu betreiben und Einen nur zu nutzen, um an neue Kunden aus dem eigenen Bekanntenkreis zu kommen. Aber es gab auch positive Berichte und daher ging ich zu dem Bewerbungsgespräch.

Der Termin für den „Tag der offenen Tür“ lag zwei Wochen nach dem Vorstellungsgespräch. Wenige Tage vorher rief mich ein Mitarbeiter an und erkundigte sich, ob ich denn kommen würde. Ich sagte zu. Aus dem Tag der offenen Tür wurde dann am Telefon eine Firmenpräsentation. Also fuhr ich am Samstag vor ein paar Wochen zu dem Termin. Mehrere Herren im Anzug erwarteten mich und die Anderen schon. Der Raum fasste ca. 30 Personen. Dann begann die Show. Der Chef warf eine Stunden lang Powerpointfolien an die Wand, doch so eine richtige Firmenpräsentation war das nicht. Die ganze Präsentation drehte sich darum, daß wir Deutschen ja nur falsch anlegen würden und die AFA AG die Rettung in der Not wäre. Aufgemacht waren die Folien dann teilweise wie Schlagzeilen der BILD-Zeitung: Markante Thesen herausgegriffen und möglichst groß geschrieben und markiert.

Nach der Präsentation wußte ich über die AFA Firmengeschichte, das „Ausbildungssystem“ der AFA, die falschen Sparanlagen der Deutschen und zu teure Versicherungen Bescheid. Ich wußte, daß die AFA Kunden umsonst berät, keine Werbung macht, sich selber unabhängig nennt und mit Verbraucherschutzentralen vergleicht. Wichtige Fragen wie z.B. wie denn nun Geld verdient wird, wurden mir erst auf Nachfrage erklärt. Die AFA bekommt nämlich laut Aussage des Chefs Provisionen von den Banken oder Versichungen. Soviel zum Thema Unabhängigkeit.

Und dann noch eines. 30 Personen im Raum und alle waren potentielle neue Mitarbeiter der AFA, die in Greifswald laut eigenen Aussagen bisher nur 12 Mitarbeiter beschäftigt. Irgendwie schon merkwürdig. Eine Präsentation, die nicht auf den Punkt kommt. Viel zu viele neue Mitarbeiter. Wenn ich es richtig verstanden habe, soll ja jeden Monat einmal so eine Veranstaltung stattfinden. Jeden Monat also 20 bis 40 neue Mitarbeiter? Das kann doch nicht stimmen. Und dann der letzte Punkt: Keine Werbung. Wie bekommt die AFA dann die Kunden??? Also eins und eins zusammengezählt und selber einen Reim drauf gemacht. Das kann ja nur über die eigenen Bekannten laufen. Nach der Präsentation teilte ich dann mein ungutes Gefühl mit einer weiteren Studentin und ich beschloss nicht zu der für Montag angesetzten Schulung zu gehen.

Wieder ein paar Tage später rief mich ein weiterer Herr von der AFA an und fragte, ob ich noch Interesse hätte. Ich sagte nein und das Thema war gegessen. Sicher? Nein, während meiner Exkursion nach NRW landeten zweimal kleine Zettel mit einer Telefonnummer und dem Vermerk „Bitte zurückrufen!“ im Briefkasten. Kein Name. Als mein Mitbewohner dort anrief, ging der Anrufbeantworter der AFA ran. Gestern sah ich dann erneut einen Aushang im REWE-Markt. Gleicher Text wie vor knapp zwei Monaten, nur fehlte der Name der Firma. Das Ganze wirkt sehr unseriös. Davon bleiben meine Finger weg!

12 Kommentare


  1. hallo,

    Studentenjobs sind rar. Garkeine Frage. Aber wie heisst es doch so schön: wer suchet der findet.

    Es gibt doch im Intenet genug Jobbörsen – gerade auch für Studentn. Gibt doch einfach ein eigenes Jobgesuch auf und warte ob wie die Resonanz ist.

    Mein Favorit ( wenn auch nicht die größte ) http://www.Studentenjobs24.de

    Antworten

    1. Hmmm…dann klick mal bitte auf deiner tollen Jobbörse auf Meck-Pomm. Da gibt es ein ernsthaftes Angebot für die Region und sonst nur überregionalen Müll.

      Antworten

  2. Guten Abend,

    ich weiß ist ein spätes Kommentar…
    Eine sehr gute Freundin hat mir vor ein paar Monaten auch den Tip der AFA AG gegeben.
    Das meiste von der Positiven sowie sehr sehr sehr viel von der negativen Seite haben mich im Vorfeld sehr verunsichert. Ich weiß immernoch nicht wie man da Geld verdient von der besagten Freundin habe ich nur schwammig erfahren das sie Leute anspricht das diese Sparen können …
    Habe mit einen begeisterten Mitarbeiter gesprochen und wollte nun mit einen von der gegenseite sprechen um die Wahrheit zu erfahren. Da die Wahrheit meist in der mitte liegt.
    Ich denke der Traum das es eine so nett Firma geben soll, die sich mit der Verbraucherzentrale vergleicht geben soll ist einfach genial. Jemand der Menschlich ist im Kapitalismus… Ein Unvorstellbarer Traum, ein schöner Traum in einer Angelegenheit die alle betrift. Denke deswegen sind die meisten so verblendet und sehen nicht hinter die Kulissen. Leider ist es so das es nie eine Perfekte Firma geben wird. Schade eigentlich, aber man kann es halt niemanden recht machen.

    Antworten

    1. Naja, mich hat dieser unseriöse Zettel so fasziniert, daß ich es unbedingt mal ganz genau wissen wollte, was dahinter steckt. Ich hab damals auch ein paar Tage überlegt und mich vorher noch im Netz über die „Firma“ informiert, soweit es auf deren dürftiger Website möglich war. Im Nachhinenin war das Ganze leider verschwendete Zeit, auch wenn es mein Weltbild immer wieder durcheinander bringt. So ein Mist passiert immer Anderen, denkt man ja gerne.

      Antworten

  3. Ich hatte damals auch solche Probleme einen Studentenjob zu finden. Dann aber mit ein bißchen Glück habe ich für 15h pro Woche bei einem Versandhaus anfangen können.

    Antworten

  4. Ich bring’s mal auf den Punkt.
    Du hast einfach nich geschnallt das Afa eine riesen Chance ist.
    Du weisst nich genau was Afa macht un was Afa kann. Trotzdem sagst du Finger weg davon.
    Glaub du bist einfach einer der gern mit der Masse schwimmt

    Antworten

    1. Für wen ist denn AFA eine Riesenchance? Und nein, ich weiß selbst vier Jahre danach nicht, was die AFA genau macht. Wie auch? In den ganzen vier Jahren habe ich nie wieder davon gehört. Die oben geschilderte Szenerie hat mich zu recht skeptisch gemacht. Bei dem Termin wurde immer um den heißen Brei drumrum geredet. Wenn man etwas verkaufen will, dann macht man so etwas nicht, außer das Produkt ist minderwertig. Dann verschleiert man alles und redet um den heißen Brei rum. Die Riesenchance habe ich gerne verpasst. Und wenn das jetzt bedeutet, ich würde mit der „Masse schwimmen“, dann freue ich mich, da die „Masse“ endlich kritisch geworden ist.

      Antworten

  5. Sehr geehrter Herr Oliver Wunder,

    zum einen muss ich sagen das der Blog recht gelungen ist.
    Die Information die hier über AFA kommt kann ich nicht groß Kommentieren, da ich nicht genügend Informationen darüber habe.

    Erfahrung habe ich jedoch mit der AFA gemacht da es sich erst um eine erstklassige Chance anhörte jedoch für mich Persönlich nicht das richtige war.
    Da ich bei einer Unterhaltung erfahren habe das oft die PrismaLife vermarktet wird.
    Von ehemaligen AFA Mitarbeitern weiß ich das sie ihren Kunden diese PrismaLife auch angeboten haben und nun im Rechtsstreit liegen.

    Zwei dieser PrismaLife Kunden kenne ich persönlich da sie bei mir Kunde sind. Und sie sind nicht begeistert was die PrismaLife betrifft und liegen diesbezüglich auch Vorgericht.

    Nun jedoch zu mir, denn auch ich suche für mein Unternehmen Studenten die sich was dazuverdienen wollen.

    EDIT:Aus den Kommentarregeln: „Ebenso sind Kommentare […] und jegliche andere Inhalte mit werbendem Charakter […] untersagt. Werbung in den Kommentaren ist unerwünscht und führt zur Löschung des Kommentars.“ Statt einer Löschung gibt es hier nur Bearbeitung und Löschung des werbenden Inhaltes.
    Gruß daburna

    Mit freundlichem Gruß

    Energiemakler-MV
    Inh. Marcel Strey

    Antworten

    1. Sehr geehrter Herr Strey,

      viel Erfolg bei Ihrem Unternehmen! Werbung in den Kommentaren wird hier aber nicht akzeptiert.

      Mit freundlichen Grüßen

      Oliver Wunder

      P.S.: Nicht einfach nur ankündigen, es gäbe etwas auf Facebook zu lesen und dann gibt es da doch nichts auf der Seite. Böser Fehler!

      Antworten

      1. Du hast doch nicht etwa nachgeguckt? Sowas macht man doch nicht … 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.