Tibet polarisiert

China verstärkt die Militärpräsenz in Tibet. Je nach Quelle sollen zwischen 80 und bis zu 200 Lastwagen mit Soldaten unterwegs sein. Währenddessen entbrennt im Internet ein Kampf zwischen Meinungen, Propaganda und Berichten klassischer Medien. Schuld daran ist auch, daß China nach den Unruhen alle ausländischen Reporter aus der Provinz Tibet ausgewiesen hat. Die verbliebenen chinesischen Medien zensieren ihre Berichterstattung so, wie sie die Partei hören will. Westliche Medien bekommen dagegen nur Infos über die tibetische Exilregierung oder über zufällige Quellen. Eigene vor Ort Recherchen können nicht stattfinden. So kann nicht heraugefunden werden, was dort geschieht oder noch viel wichtiger, warum die Unruhen ausbrachen. Dieses Defizit spiegelt sich auch in den Worten des deutschen Korrespondent (Die Zeit und taz) Georg Blume wieder:

„Letztlich weiß man doch noch gar nicht, was passiert ist. […] Es muss hier vor Ort mit den Augenzeugen geredet werden, um die Wahrheit herauszufinden. Denn jede Information, die aus Peking oder Dharamsala kommt, ist doch letztendlich verdächtig. […] Aber wenn die Behörden dich dann ausweisen, bist du dir wieder nicht sicher, ob sie nicht doch etwas zu verbergen haben“

Gerade mit einer freien Presse und unabhängigen Berichten könnte China beweisen, daß es keine Schuld an den Unruhen hat. Mit der Ausweisung aller ausländischen Journalisten macht es sich allerdings höchst verdächtig. So kann man seine Unschuld nicht beweisen und schürt nur die Zweifel. Genauso schürt auch die Taktik, erst alles dementieren und dann ein paar Tage später in abgemilderter Form zugeben, die Zweifel. Bestes Beispiel dafür die Anzahl der bei den Unruhen Getöteten. Sprachen tibetische Quellen von 100 Toten, dementierte China alles, gab nun aber den Gebrauch von Schußwaffen und die Tötung von vier Menschen zu.

Die Nachrichtensperre nützt dafür der emotional geführten Diskussion im Internet. Die Mehrheit der Nutzer spaltet sich in zwei Lager: die Tibet-Freunde und die die China-Freunde. Von beiden Seiten werden nun bewußt Falschinformationen verbreitet und Bilder, Videos und Berichte interpretiert und kommentiert. Letzteres teilweise in inhaltsfremder, beleidigender Form. Es gibt kaum Unparteiische, die zwischen den Lagern stehen. Diese Polarisierung ist viel zu heftig und muß vermindert werden, dazu fehlt es aber an unabhängigen Berichten. Ein Teufelskreis.

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