900 Personen bei Anti-Nazi-Demo in Greifswald

Sonntag, der 11. Dezember 2011, 20:24 Uhr von daburna

Anti-Nazi-Demo GreifswaldWährend sich die Einen auf das Greifswalder Mitternachtsshopping vorbereiteten, gingen Andere gestern auf die Straße und demonstrierten gegen Nazis und Rechtsextremismus. Laut der antifaschistischen Gruppe Defiant nahmen rund 900 Personen an der Demo teil, darunter auch viele weit angereiste. Um ca. 13:30 Uhr zog der Demonstrationszug vom Südbahnhof durch die Stadt, bis er gegen 17 Uhr an der Mensa am Schiesswall seine letzte Station hatte und die Demo aufgelöst wurde.

Positiv zu vermerken ist, dass es bis auf wenige Böllerwürfe und Rauchbomben sehr friedlich blieb. Die Polizei verstärkte im Laufe der Demo ihr Aufgebot und zeigte sich mit zwei Wasserwerfern in unmittelbarer Nähe des Wohnsitzes eines vermeintlichen Rechtsextremisten. Laut AKJ kam es während der Demo zu drei Ingewahrsamnahmen.

Sehr kritisch zu sehen an der Demo, waren teilweise eskalationsfördernde Ansagen aus dem Lautsprecherwagen z.B. das Auffahren der Wasserwerfer anzukündigen, obwohl diese noch nicht in Sicht und die Demo weit davon entfernt ist. Auch einige der Parolen gerade im Zusammenhang mit Kommunismus rufen doch eher Abwehrhaltungen bei anderen Teilnehmenden der Demo hervor.

Am Rande der Demo soll es zu Provokationen durch einige vermeintliche Neonazis gekommen sein. So sollen zwei Personen in Höhe des Labyrinths den Hitlergruß gezeigt haben. Die Polizei ist sicherlich dankbar für jeden Hinweis und Zeugen zu diesem Vorfall.

Im Ganzen war die Demo ein voller Erfolg. 900 Personen setzten ein Zeichen gegen Rassismus und Faschismus. Das geschah friedlich. Es kam zu keinen Übergriffen auf vermeintliche Nazis oder deren Wohnsitz. Die Polizei hielt sich anfangs sehr zurück und eskalierte die Lage später aber auch nicht. Zu verurteilen ist dann aber, dass es nach der Demo am Hauptbahnhof Rostock zu einer Schlägerei zwischen rückreisenden Demonstranten und vermeintlichen rechten Personen gekommen sein soll.

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Demobilisierung durch die OZ im Vorfeld der Anti-Nazi Demo

Freitag, der 9. Dezember 2011, 15:25 Uhr von daburna

OZ Artikel zur Anti-Nazi Demo

So sieht Demobilisierung und Kriminalisierung im Vorfeld aus! “Demo gegen Rechts: Polizei rückt mit 500 Beamten an” titelt die Ostsee Zeitung heute im Greifswalder Lokalteil.

Dem durchschnittlichen Bürger wird alleine durch die Überschrift und den damit gewählten Fokus auf die hohe Polizeipräsenz schon etwas mulmig. Im Text zu der am morgigen Samstag, den 10. Dezember 2011, ab 13 Uhr am Südbahnhof Greifswald startenden Demonstration gegen Nazis heißt es dann, dass “schwarz gekleidete und vermummte Linksextremisten” anreisen sollen.

Jeder mit schwarzer Jacke wird morgen also als Linksextremist abgestempelt und kriminalisiert. Bevor das aber geschieht, empfehle ich den Blick in den eigenen Kleiderschrank. Na, wie viele der dort hängenden Jacken sind bunt? Selbst OZ-Redakteure sollen bereits in dunklen Jacken gesehen worden sein.

Wenigstens am Ende des zweiten Absatzes gibt es ein klein wenig Entwarnung: “Konkrete Hinweise auf mögliche Auseinandersetzungen [zwischen Links- und Rechtsextremisten] soll es nach OZ-Informationen bisher aber noch nicht geben.” Dennoch schwebt nach Lesen dieses Satzes Krawall in der Luft. Da möchte der Otto-Normal-OZ-Bürger lieber nicht anwesend sein. Wieso auch, selbst die Grünen sind laut Artikel gegen die Demo.

Und so schreibt der Redakteur: “Bürgerliche Initiativen und Parteien werden sich diesmal aber nicht an der Veranstaltung beteiligen.” In diesem Fall kann man schon von gezielter Desinformation sprechen. Zwar sehen viele Personen den Demoaufruf und das martialische Auftreten sehr kritisch, doch mit der Begrifflichkeit “Bürgerliche Initiativen und Parteien” sind nicht nur CDU und FDP gemeint. Das breite Bündnis aus Unterstützern sieht zur Zeit so aus:

Angesichts der Vorfälle diese Woche mit NPD-Anhängern im SA-Stil, handgreiflichen NPD-Abgeordneten und das Herunterspielen beziehungsweise komplett unter den Tisch kehren der Vorfälle in der Lokalpresse und bei Lokalpolitikern aller Couleur, ist es wieder Zeit zu zeigen, dass Greifswald bunt und nicht braun ist. In diesem Sinne: Morgen ab 13 Uhr Nazis wegbassen! Kommt zum bunten Block!

Foto: Screenshot aus OZ vom 09.12.2011

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Kreistagsmitglied Dirk Bahlmann (NPD) im Kreistags-”Tumult”

Mittwoch, der 7. Dezember 2011, 11:32 Uhr von daburna

Bei den Übergriffen gegen das Publikum des Kreistags Vorpommern-Greifswald in der Sitzung am Montag, den 5. Dezember 2011, zeigten sich nicht nur Anhänger der rechtsextremen NPD sondern auch deren Abgeordnete von ihrer aggressiven Seite.

Im September 2011 bekam die NPD 8,9 Prozent der Stimmen bei der Kreistagswahl und erhielt sechs der insgesamt 69 Sitze im neuen Kreistag von Vorpommern-Greifswald. Seitdem sitzen für die NPD die zwei NPD-Landtagsabgeordneten Michael Andrejewski und Tino Müller sowie Christian Hilse, Enrico Hamisch, Kristian Belz und Dirk Bahlmann im Kreistag.

Belz und Bahlmann sind auf Fotos während des Angriffs gegen das Publikum im Kreistag zu sehen. Während Belz im Hintergrund bleibt, ist deutlich zu sehen, wie der NPD-Kreistagsabgeordnete Dirk Bahlmann einen wesentlich kleineren und schmächtigeren Mann scheinbar anscheinend (korrigierter Wortfehler) hart angeht. Der bedrängte junge Mann machte mir gegenüber die Aussage, dass Bahlmann in geschubst und versucht haben soll ihn zur Seite zu drängen. Außerdem soll Bahlmann die Drohung geäußert haben, dass wenn er “nicht zur Seite gehe, auch ganz schnell unten landen könne.”

Dirk Bahlmann (NPD) packt hart an.

Kreistagsmitglied Dirk Bahlmann (NPD) geht einen jungen Mann anscheinend hart an. Foto: Ulrich Rose

Auch im folgenden Video-Beitrag von GTV ab Minuten 2:20 ist zu sehen, wie Bahlmann handgreiflich wird. Bahlmann versucht scheinbar einer jungen Demonstrantin eine Maske vom Gesicht zu hauen.

Im April 2011 wurde Dirk Bahlmann wegen Beleidigung vom Landgericht Neuruppin zu einer Geldstrafe verurteilt. Er soll einen Journalisten unter anderem als “Judensau” bezeichnet haben.

Die NPD sieht die Vorfälle ganz anders und bezeichnet Greifswald als “Hochburg des linksextremen Terrors in der Region”, in der “linke Gewalttäter” die Zuschauer des Kreistags attackiert haben sollen. Auch solle versucht worden sein Polizeibeamte der MAEX, der Sondereinheit der Polizei gegen Rechts, zusammenzuschlagen.

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Foto: Ulrich Rose

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Nazis greifen Publikum im Kreistag Vorpommern-Greifswald an *Update*

Montag, der 5. Dezember 2011, 17:16 Uhr von daburna

Nazis abwählen

Es war ein friedliches Statement der Bürgerinnen und Bürger von Greifswald gegen die Nazis der NPD im Kreistag von Vorpommern-Greifswald. Mit einem Transparent und bunten Luftballons protestierten sie vor der Stadthalle und im Publikum des Kreistags gegen die Rechtsextremisten.

Gegen 16:30 Uhr verkünden die Piraten Greifswald, dass die Sitzung unterbrochen wurde und der Saal geräumt wird, nachdem es zu mehrmaligen Buhrufen gegen die NPD und Aufforderung zur Unterlassung seitens des Kreistagspräsidenten kam. Um 16:45 Uhr dann die Nachricht, dass die Sitzung als nicht-öffentlich deklariert wurde und die Polizei den Saal geräumt hat. Vorher griffen “Anhänger der rechten Szene” das Publikum des Kreistags tätlich an. Dabei wurde auch die Kamera des Live-Streams der Piraten umgeworfen.

Laut Aussage von Augenzeugen seien während der Saalräumung auf ein mal 15 bis 20 schwarz gekleidete Personen auf die mit friedlichen Bürgerinnen darunter auch Kinder besetzte Empore der Stadthalle Greifswald gestürmt und gegen diese gewalttätig vorgegangen. Genauere Informationen gibt es zur Zeit nicht. Klar ist, dass die Anhängerschaft der NPD ihre hässliche Fratze gezeigt hat.

Update 17:23 Uhr: Um 17:18 Uhr wird die Sitzung des Kreistags durch Kreistagspräsident Michael Sack abgebrochen und vertagt.

Update 18:06 Uhr: Kommentare von Nazis werden sowohl hier als auch bei Facebook gelöscht. Spart euch die Mühe und denkt stattdessen mal lieber darüber nach, an was für einen menschenverachtenden Müll ihr glaubt!

Update 18:41 Uhr: Bei den Grünen findet sich eine ausführliche Bildergalerie, auf der auch der Zwischenfall dokumentiert ist. Gut zu sehen sind dort zwei glatzköpfige NPD-Kreistagsmitglieder, die bei den gewalttätigen Rechtsextremisten stehen. Weiß zufällig jemand, welche Abgeordneten das sind?

Zwischenfall Kreistag

Zwischenfall im Kreistag im Kreistag Vorpommern-Greifswald. Eingekreist die beiden Kreistagsmitglieder der NPD, die zwischen den gewalttätigen Nazis stehen. Foto: Ulrich Rose

Update 19:27 Uhr: Pressemitteilung des Kreisvorstand und der Kreistagsfraktion Vorpommern-Greifswald von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

„Wir begrüßen die Proteste gegen die NPD im Kreistag Vorpommern-Greifswald, die auf der Sitzung am 5. Dezember geäußert wurden. Wir haben für den Unmut über die Neonazis seitens der Bevölkerung in Greifswald und der Region Verständnis.
Die Gewaltbereitschaft der NPD-Anhängerschaft vor und auf der Sitzung war deutlich erkennbar. Sie kam verbal und auch durch Handgreiflichkeiten zum Ausdruck. Ein Kreistagsmitglied wurde angerempelt und verbal bedroht. Mehrere Besucher_innen berichteten von ähnlichen Vorfällen.
Eine Saalräumung wurde von den meisten Anwesenden einkalkuliert, auch wenn sie im Umfang überzogen war. Dabei lief die Räumung völlig friedlich und konfliktfrei ab. Somit wäre auch eine Fortsetzung der Sitzung mit Publikum aus unserer Sicht problemlos möglich gewesen. Der Abbruch der Sitzung war hingegen unnötig, immerhin aber besser als eine Fortsetzung vor leeren Rängen.
Letztlich kam das Problem unserer Region, nämlich die starke Präsenz rechter Ideologie und Demokratiedefizite, deutlich zum Ausdruck. Was daher künftig auch stärker thematisiert werden muss, ist der oftmals unkritische Umgang mit der NPD an vielen Stellen.
Wir gehen davon aus, dass die unterbrochene Sitzung bald in Greifswald fortgesetzt wird.“

Der NDR berichtet auch über den Vorfall.

Update 23:30 Uhr: Aussage eines Augenzeugen, der sich den hereinstürmenden Rechtsextremen an einer Engstelle in den Weg gestellt hat: “Erst hab ich so einen Schubser bekommen, dass mir die Brille von der Nase flog, dann drohte man mir: ‘Wenn du nicht zur Seite gehst, fliegst du!’ Zum Glück wurde niemand von der Empore runter geschubst, das hätte schnell passieren können.”

Update 06.12.2011 15:43 Uhr: Bei den NPD-Kreistagsabgeordneten auf dem Bild oben handelt es sich um Kristian Belz und Dirk Bahlmann. Mehr in Kürze.

Update 07.12.2011 11:30 Uhr: Lesen: Kreistagsmitglied Dirk Bahlmann (NPD) im Kreistags-”Tumult”

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Sieben Sachen, die an/in Clubs nerven

Sonntag, der 4. Dezember 2011, 17:22 Uhr von daburna

Discokugel

Eine unvollständige Liste von Sachen, die an/in Clubs nerven und schon immer mal gesagt werden mussten.

I. Furze

Seit dem Rauchverbot in Gaststätten und Clubs kommt man endlich nicht nach Zigaretten stinkend und mit belegten Stimmbändern nach Hause. Der große Nachteil daran ist aber, dass man nun alle anderen Gerüche wahrnimmt. Parfüm, Schweiß und Darmentweichungen. Besonders unangenehm, wenn mitten auf der Tanzfläche gefurzt wird, sich alle fragen, wer es war und jeden verdächtigen.

II. Wünsch dir was

Parties mit Musikwunschliste mögen ja ein nett gemeintes Angebot an die Gäste sein. Doch daraus entsteht dann meist ein unmixbares Potpourri. LMFAO wird abgelöst von Metallica gefolgt von Whitney Houston. Unmixbar für durchschnittliche DJs und unertragbar selbst für halbangetrunkene Gäste. Da fragt man sich manchmal, ob gerade jemand auf die Wunschliste gekackt hat, weil der DJ so richtige Scheiße spielt. Und übrigens: ein DJ ist keine Jukebox.

III. Gehirnamputierte Stressmacher

Ja, jeder darf feiern gehen. Das sollte aber nicht zu Lasten der anderen Gäste gehen. Spaß bedeutet nicht, andere Menschen wegen Nichtigkeiten anzupöbeln und schlagen zu wollen. Es gibt bessere Möglichkeiten die persönliche aggressive Ader auszuleben, angefangen beim Sport.

IV. Überschwemmte WCs

Gut, im Laufe des Abends werden die WCs immer dreckiger, weil Menschen einfach Schweine sind. Da gibt es auch keine großen Unterschiede zwischen Frauen- und MännerWCs. Wenn aber schon um 23:30 Uhr der Hygiene GAU eintritt, Pissoirs verstopft sind und anfangen überzulaufen, geht das gar nicht.

V. Kaputte MP3s

Schallplatten mit Kratzer spielt man nicht, genauso wenig wie MP3s oder CD mit Knackgeräuschen.  Noch schlimmer ist es allerdings, wenn die Musik vorzeitig abbricht und sekundenlang Stille herrscht. DJs, die vom Laptop auflegen, sollten auf ausreichend Leistung ihres Rechners achten. Knackser durch zu geringe Rechenleistung kommen nicht gut.

VI. Leise Musik

Das ist vielleicht ein sehr spezieller Fall. Durch restriktive Lärmschutzauflagen gibt es einige Studentenclubs in Greifswald, in denen die Musik so leise gespielt wird, dass man das Gefühl hat, sich in normaler Lautstärke unterhalten zu können. Nach einem Clubbesuch soll man nicht unter einem Tinitus leiden müssen, doch zu leise Musik in Verbindung mit Punkt II. und V. lassen nicht den eigentlich erhofften Spaß aufkommen.

VII. Accessoirediebe

Clubs sind für viele der Ort für die Balz geworden. Styling und schicke Klamotten, die sich natürlich von der Masse abheben, sind ein Muss. Bewegt man sich dann etwas abseits dessen und veralbert dieses Verhalten durch übertriebenes Auftreten und verschiedenste Accessoires wie Micky Maus Handschuhe, Sonnenbrille, Riesengoldkette oder ein Batmankostüm kommen die Accessoirediebe zum Vorschein. Ist ja zeitweise ganz witzig, wenn die Kopfbedeckung innerhalb von fünf Minuten auf drei verschiedenen Köpfen war, aber irgendwann reichts auch. Bringt euch doch selber was mit, aber bitte keine Kopfläuse, vor allem wenn ihr wieder meine Mütze stibitzt und aufsetzt.

Foto: Hitchster // CC Lizenz BY 2.0

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