Ghettostories: Angebrannte Leber löst Feuerwehreinsatz aus

Leiterwagen der Feuerwehr Greifswald in der Wache.
Leiterwagen der Feuerwehr Greifswald in der Wache.

Es sind Schreck-Situationen wie diese, die bei mir Kopfschütteln über einige Mitmenschen auslösen. Von einem kurzen Einkauf komme ich nach Hause und höre im Treppenaufgang einen Rauchmelder piepen. Das Spiel kenne ich schon.

Wird wohl wieder ein Fehlarlarm sein. Bei mir ist er ja auch schon losgegangen, obwohl kein Rauch zu sehen war. Man stumpft ab und nimmt Warnsignale nicht ernst, wenn es häufig genug Fehlalarme gab. Ein unsicheres Gefühl bleibt dennoch.

Das Alarm-Konzert wird vielstimmig

Ich gehe am Piepen vorbei nach ganz oben. 5. Stock. Es ist kein Rauch zu sehen, keiner zu riechen. Ein zweiter Rauchmelder stimmt in das Alarm-Konzert ein. Ich beschließe abzuwarten, die Einkäufe zu verstauen. Als der Alarm danach immer noch schrillt, gehe ich in den Treppenaufgang und versuche die betroffene Etage zu finden.

3. Stock. Ich klingel an der ersten Tür. Ein Mann macht auf. Nein, bei ihm piept es nicht. Ihn stört es auch nicht groß. Er deutet auf eine andere Tür. Da würde es herkommen. Klingeln. Niemand öffnet, der Mann wendet sich ab und schließt seine Tür wieder.

Die Feuerwehr kommt mit drei Fahrzeugen

In Schönwalde haben die Menschen die Ruhe weg; brenzlige Situationen werden ignoriert. Inzwischen piepen die zwei Rauchmelder schon minutenlang. Es muss nichts heißen, dass immer noch kein Rauch zu sehen ist. Ich habe einen Schwelbrand miterlebt, der drei Tage lang unbemerkt blieb. Vor wenigen Jahren ist einige Aufgänge nebenan eine Frau durch ein Feuer gestorben.

Das Risiko ist zu groß. Ich greife zum Telefon und wähle die 112. Die Einsatzleitstelle will auch lieber auf Nummer sicher gehen. Wenige Minuten später ist die Feuerwehr mit drei Fahrzeuge da. In der Zwischenzeit ist der Wohnungsbewohner anscheinend zurückgekommen, denn er öffnet den Feuerwehrmännern seine Tür.

Im Flur riecht es nach verbranntem Fleisch

Die kommen kurze Zeit später wieder aus dem Haus, fahren zurück in ihre Wache. Zum Glück kein Feuer. Geraucht hat es aber trotzdem. Im Hausflur riecht es nach verbranntem Fleisch. Torkelnd kommt mir der Wohnungsbewohner entgegen. Ein Alkoholiker.

„Du brauchst doch nicht die Feuerwehr rufen. Ich hatte nur etwas Leber in der Pfanne auf dem Herd auf Stufe zwei und war 20 Minuten weg“, sagt er. Der Klassiker der unendlichen Dummheit des Menschen. Und die Moral von der Geschicht‘?

1 Kommentar


  1. Etwas ironisch ist das schon: Ein (angehender) Zirrhotiker haut sich ein frisches Stück Leber in die Pfanne – und lässt sie verbrennen.

    Dein Handeln finde ich absolut angemessen. Es ist doch schon sehr unwahrscheinlich, dass mehrere Rauchmelder gleichzeitig einen Fehlalarm aufweisen.

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