Freie Software für den Landkreis nicht kategorisch ablehnen!

PC TastaturFreie Software, die nichts kostet = #Neuland. So ist es zumindest im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Am Samstag vertrat der Kreissprecher Achim Froitzheim in der Ostsee Zeitung die Meinung, dass Behörden diese „Gratis-Programme“ nicht nutzen dürften. Soweit so falsch.

Bei so genannten Gratis-Programmen muss man unterscheiden in Open Source und andere. Open Source wird auch als freie Software bezeichnet, da der Quellcode offen ist und jeder mit programmieren kann, deshalb ist der Gebrauch auch kostenlos. Zwei bekannte Beispiele für weit verbreitete freie Software sind der Browser Firefox oder das Smartphone-Betriebssystem Android.

Freie Software in München erfolgreich

Andere Städte haben die Umstellung auf freie Software schon mehr oder weniger erfolgreich vorgemacht. Mit großer Aufmerksamkeit in den Fachmedien haben im deutschsprachigen Raum die Großstädte München und Wien auf ihren PC-Arbeitsplätzen Windows durch angepasste Linuxversionen [1] ersetzt. Den Anfang machte die Stadt München, die seit 2003 auf Linux umstieg und dieses Jahr den Umstieg abgeschlossen haben. Dadurch sollen mehrere Millionen Euro eingespart worden sein.

In Wien dagegen ruderte man wieder zurück und brach den Umzug nach knapp vier Jahren ab. Auch der Vorreiter der Bewegung, der Schweizer  Kanton Solothurn, brach den Umstieg nach neuen Jahren ab. Im letzten Fall war der Grund dafür eine Mischung aus einer schwierigen Eingewöhnung an neue Programme durch die Mitarbeiter, Kompatibilitätsproblemen und falsch ausgewählten Anwendungen.

Die Benutzung freier Software bei Behörden ist nicht grundsätzlich verboten, sie muss nur gewollt sein und mit einer geschickten Strategie vorangetrieben werden. Die Software muss mindestens einen gleichwertigen Funktionsumfang mitbringen, wie die aktuell verwendete, die Benutzer müssen darin eingewiesen werden und es darf keine Kompatibilitätsprobleme geben, so dass aktuell verwendete Daten/Dateien auch unter der neuen Software benutzt werden können. Außerdem sollte die Umstellung mittel- bis langfristig weniger kosten als die weitere Verwendung kommerzielle Software.

Südtirol steigt auf LibreOffice um

Bei einem Umstieg geht es gar nicht darum, alle System komplett umzustellen, also statt Windows Linux zu verwenden, es reicht auch aus beispielsweise das Office-Programm durch eine kostenlose Version wie LibreOffice (Zweig vom bekannteren OpenOffice) zu ersetzen. Im italienischen Südtirol wurde Ende Juni die Umstellung von 7.000 PCs auf LibreOffice bekanntgegeben.

Die Verwaltung des Landkreises Vorpommern-Greifswald kann von daher nicht kategorisch, die Verwendung freier Software ausschließen. Sie muss diese Möglichkeiten prüfen, um finanzielle Einsparpotenziale zu erkennen und zu nutzen sowie eventuell Software mit besseren Funktionen zu finden. Dennoch gibt es aktuell größere Probleme in Vorpommern-Greifswald und ein paar eingesparte Tausender machen den gigantischen Schuldenberg kaum niedriger.

Aber vielleicht hat man in der Kreisverwaltung auch nur Angst davor, dass die PCs durch kostenlose Programme mit Viren infiziert werden und man die PCs dann wegschmeißen muss, wie bereits im Land geschehen.

Green IT in Vorpommern-Greifswald

Doch so hinterwäldlerisch im Bereich IT ist der Landkreis nicht. Für das umweltfreundliche geothermale Wasserpumpsystem zur Kühlung des Rechenzentrums Vorpommern-Greifswald gab es 2012 den Sonderpreis „Green IT“ im Bereich „Klimaschutz in kommunalen Liegenschaften“ des Deutschen Instituts für Urbanistik. Im Interview des folgenden Videos sagte Landrätin Barabara Syrbe (Die Linke): „Für Neues sind wir immer aufgeschlossen bei uns im Landkreis“. Daran muss sie sich auch im Bereich freie Software messen lassen.

[1]: Überblick über verschiedene Linuxdistributionen.

Foto: Rainer Sturm | pixelio.de

4 Kommentare


  1. Das ist ja unfaßbar – wenn es denn so stimmt, was die OZ schreibt.
    Ich war mal so frei und habe per Mail bei Herrn Froitzheim nachgefragt 🙂

    Mal sehen ob und wenn ja was für eine Antwort kommt.

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    1. Unfassbar ist ja wohl auch, dass die selbsternannte Hochwertzeitung das Märchen ohne Nachfrage nachplapperte – wie gewohnt.

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      1. Scheint doch kein OZ-Märchen zu sein. Jedenfalls habe ich Antwort von Hern Froitzheim – und er geht auf die explizite Frage, ob die OZ ihn korrekt wiedergegeben habe, mit keinem Wort ein.
        Das darf man dann wohl als Zustimmung werten.
        Auch scheint er eher völlig unbedarft auf diesem Gebiet zu sein. jedenfalls fragt er mich ob ich denn wisse, wie eine Verwaltung Open Source legal einsetzten könne.
        Nach einigen Augenblicken Fazialpalmierens habe ich dann doch versucht, ihm ein paar Hinweise zu geben.


  2. Ich weiß garnicht warum hier diskutiert wird??? Was in München wunderbar funktioniert, funktioniert auch woanders. Die Frage ist doch: Warum hat sich der Kanton keine Hilfe aus München geholt und tut jetzt die ganze Arbeit einfach verwerfen?

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