Die Frage nach der Relevanz wurde nicht gestellt *Update*

Was ist relevant? Die Frage stellen sich jeden Tag Bloggerinnen, Journalisten, Chefredaktionen und Verlegerinnen aufs Neue. Gatekeeper entscheiden, was in die Medien kommt und was nicht. Durch Blogs wird inzwischen auch über viel geschrieben, was traditionelle Gatekeeper nicht mal mit der rechten Arschbacke ansehen würden. Das ist auch gut so, denn wer sagt, denn das die Gatekeeper immer richtig entscheiden? Andererseits fehlt in manchen Redaktionen dieser Job oder wird nur mangelhaft wahrgenommen.

Auf dem Weg zum KultEin besonderes Paradestück vom abwesenden Gatekeeper präsentierte die Ostsee Zeitung (OZ). Die Greifswalder Lokalredaktion der OZ entschied sich in der Ausgabe vom 8. Januar 2013 unter dem Titel „Auf dem Weg zum Kult“ (online gekürzt unter dem Titel „Auszubildende will im Internet für Furore sorgen“) eine Geschichte über die YouTube-Clip-Macherin Annabell Grewe aus Greifswald zu schreiben. Unter dem Namen BellasFUMI bietet sie zusammen mit Schwester und Freunden „feminine Comedy. Parodien usw.“ an.

Kult und Furore – das hört sich groß an, das klingt nach interessanten Clips und nach vielen Views. Kommt gar der nächste Stern am Youtubehimmel aus Greifswald? Nach „unserer Isabell“ ist doch jedem klar, dass Greifswald voller Talente steckt. Und siehe da ganze 1.500 Klicks (richtig: Views=Aufrufe) soll es laut OZ-Reporter Kai Lachmann bereits für ein Video gegeben haben.

Nachfolgend zeige ich hier eine Parodie von BellasFUMI. Da berichten Klaudja Klebär im Tagesguck und Dr. med. Wurst über die Majokultur. Kalauerfreunde kegeln sich, doch wer ist das schon.

Ein zweites Video sah ich mir nur an, um zu prüfen, ob es besser wird. Wurde es aber nicht. Kreativ ist das Team von BellasFUMI und Spaß haben sie auch. Das will ich ihnen auch nicht kaputt machen. Jede:r fängt klein an. Besser werden, kann es immer und für einige sind die Videos sicher auch ansprechend.

Aber ein Artikel in der Lokalzeitung sind die Videos (noch) nicht wert. Der Channel BellasFUMi hat 24 hochgeladene Videos. Keines davon kommt allerdings nur annähernd auf die genannten 1.500 Views. Über 250 sind das Höchste, was sich finden lässt. Circa 100 Views sind der Durchschnitt. Auf Nachfrage teilte Annabell Grewe mit, dass sie das betreffende Video mit den 1.500 Views wegen Lizenzverstößen gelöscht habe, eine neue Version steht aber schon seit dem 4. Januar online.

Relevanz. Das bedeutet auch Stellenwert, Rang, Wichtigkeit und ist ganz subjektiv geprägt. Es ist gut, wenn Zeitungen den Sprung wagen und über andere Medien berichten. Dazu kann auch durchaus eine bisher unbekannte YouTube-Userin gehören. Gatekeeper können bewusst Agenda Setting betreiben und Themen groß raus bringen. Bei BellasFUMI hat sich die OZ aber vergriffen oder gar nicht erst nach der Relevanz gefragt. Messbare Resonanz: Am Tag des Artikels kamen auf das aktuellste Video von BellasFUMI circa 70 Views neu dazu. Mal sehen, was nach dieser Blogpost an Views bringt.

Update: Das Video mit den über 1.500 Views wurde nicht durch YouTube sondern Annabell Grewe selber gelöscht. Natürlich ist es mein persönlicher Geschmack, dass mich die Videos nicht zum Lachen bringen, wie sie es eigentlich sollten. Es gehört selbstverständlich sehr viel Mut dazu, sich der Weltöffentlichkeit im Internet zu präsentieren. Dafür hat sowohl Annabell Grewe als auch das Team um sie Respekt verdient!

5 Kommentare


  1. Die entscheidende alltägliche Frage in den Lokalredaktionen ist doch nicht die nach der Relevanz irgendwelcher Texte, sondern die danach, wie die Seite befüllt werden kann. Da wird in permanenter Materialnot genommen, was kommt.

    Der Artikel gehört zudem in die Reihe der OZ „Reklame für …“. Zu dieser Reihe gehören die Artikel der Usedom-Redaktion über die vergeblichen Versuche, außerhalb der Saison Insulander für das Übernachten und Wellnessen (oder wie das heißt) in Hotels auf der Insel Usedom zu begeistern.

    Dazu gehört mehrfach im Jahr auf der Landesseite die indirekte Aufforderung, einkaufen zu gehen, z.B. im Frühjahr in den Baumärkten Pflanzen. Ganz schlimm wird es in er Vorweihnachtszeit, wenn die OZ darauf hinweist, dass es Zeit ist Geschenke zu kaufen und dass die Krämer sich und allen anderen vorgaukeln, Höchstumsätze zu bewerkstelligen, was Jahr für Jahr nicht klappt. Da hilft die OZ schon mal mit Geschenketipps, die einem Durchschnitts-Intelligenten allesamt bekannt vorkommen.

    Relevanz, dass ich nicht lache.

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    1. Täglich Seiten zu füllen wird wohl wirklich immer schwieriger für die OZ. Bei Facebook merkte ein Leser dazu an:

      „Ein genauso bemerkenswertes Versagen des Gatekeepers bei der OZ HGW gab es u.a. beim halbseitigen Artikel zum „Wunsch“ nach einem Badehaus vor einigen Tagen oder im November die Posse um Hochwasserwarnungen durch einen einzelnen Bürger.“

      Da haben wir für den letzten Monat gleich zwei weitere Beispiele für Artikel ohne Relevanz.

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  2. so ein Quatsch und wo ist deine Relevanz, warum bloggst du sowas. dein Job machst du auch nicht richtig. oder hast kein Gatekeeper

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  3. Beispiele fehlender Relevanz liefert das Blättle fast täglich, z.B.:

    Tafelmitarbeiter im neuen Look
    Sparkassenvorstand überraschte Ehrenamtler zum Jahresstart.
    Überraschung für die Mitarbeiter der Greifswalder Tafel: Pünktlich zum Jahresstart besuchte Uwe Seinwill, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Vorpommern und gleichzeitig Vorstandsvorsitzender des Greifswalder Tafel e. V., „seine Mitarbeiter“ vor Ort in der Wollweberstraße und brachte 29 neue T-Shirts und Sweatshirts mit. Er dankte ihnen für die langjährige ehrenamtliche Tätigkeit, für das Engagement und die Begeisterung für den Tafelgedanken.

    Ich habe seit Jahren keinen kritischen Beitrag in der OZ, die sich als kritisch-hochwertig bezeichnet und sogar anprangern will, zum Tafelunwesen gelesen, obwohl Redakteure, wie gewohnt, hätten kopieren können, z.B. ausführlich von hier:
    http://www.scharf-links.de/88.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=7526&tx_ttnews%5BbackPid%5D=56&cHash=bdb963158f

    ganz kurz von hier:
    http://blog.gruene-greifswald.de/2012/10/07/sie-helfen-wenn-das-geld-nicht-mehr-reicht/

    Einmal abgesehen von den Sparkassenkunden unter den Lesern, die sich endlich einmal fragen sollten, in welchem Zusammenhang die ihnen zugemuteten jämmerlichen Zinsen zur Spendenpraxis der Sparkasse stehen.

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