Petition gegen Zugstreichungen in Mecklenburg-Vorpommern

Abstellgleis
Mecklenburg-Vorpommern wird weiter aufs Abstellgleis rangiert. Foto: Christian Greller

Der Bahnverkehr in Mecklenburg-Vorpommern wird weiter ausrangiert. Waren es bisher Streichungen im Fernverkehr, über die ich hier schrieb, trifft es nun den Regionalverkehr. Mit dem Wechsel auf den Winterfahrplan 2012/2013 im Dezember 2012 plant das Verkehrsministerium Mecklenburg-Vorpommern aus Kostengründen Einschränkungen und Schließungen von Teilen des Streckennetzes der Bahn. Bis 2014 sollen es 19 Strecken treffen und pro Jahr 8,5 Millionen Euro eingespart werden.

Gegen diese Pläne macht das Bündnis „Unsere Bahn soll weiterfahren!“ mobil. Das Bündnis setzt sich zusammen aus DGB-Jugend, Jusos MV, Solid MV, EVG-Jugend MV, Landesjugendring MV und BDP MV. Es setzt sich für den Erhalt des Streckennetzes in größtmöglichem Umfang ein. Von den geplanten Einsparungen seien vor allem „Schüler_innen, Studierende, Auszubildende, Arbeitnehmende sowie die Tourismusbranche unseres Landes“ betroffen. Gerade in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern stellt die Bahn eine wichtige Funktion der öffentlichen Daseinsvorsorge dar.

Daher wurde gestern eine Petition gestartet, in der das Verkehrsministerium zur Kompromissbereitschaft aufgefordert wird. Anstelle von relativen Durchschnittszahlen wird eine genaue Zählung der Fahrgäste jedes Zuges gefordert. „Damit würde sichergestellt, dass Verbindungen, die vor allem von Berufspendlern und Schüler_innen genutzt werden, in Stoßzeiten erhalten blieben“, heißt es in dem Petitionstext. Zur Petitition hier klicken.

In Zeiten steigender Energiepreise und des Klimawandels ist es paradox die Menschen vom relativ umweltfreundlichen Massenverkehrsmittel Bahn zum motorisierten Individualverkehr zu zwingen, in dem man das bestehende Angebot weiter einschränkt oder ganz streicht. Ein Teufelskreis wird weiter angefeuert. Weniger Angebot, weniger Nutzung, weniger Effizienz, hohe Kosten, mehr Druck zu Kürzen und am Ende gibt es noch weniger Angebot.

Das Staatsunternehmen DB AG konzentriert sich indessen weiter auf lukrative Fernverkehrsstrecken. Die Gewährleistung von Mobilität für Alle, Umwelt- und Klimaschutz geht aber nur mit einem gut ausgebauten Angebot der Bahn. Günstigere Tickets, bessere Taktzeiten und Vorfahrt der Schiene im Verkehrsministerium gegenüber anderen Verkehrsprojekten wären ein besseres Signal als ständige Kürzungen.

Folgende Reduktions- und Streichpläne liegen für Mecklenburg-Vorpommern vor:

Strecke bzw. Linie Angebotsveränderung und künftiges Angebot
RE 5 Stralsund – Neubrandenburg –
Neustrelitz
Abbestellung nur der Züge, die nicht von/nach Berlin
fahren, im Abschnitt Stralsund – Altentreptow
DB Züge: am Samstagnachmittag und Sonntagvormittag
ab Dezember 2012 und
OLA-Züge: Samstag und Sonntag ganztägig ab Dezember
2012
Alternative: Züge alle 2 Stunden der durchgehenden
RE-Linie Stralsund – Neubrandenburg – Neustrelitz –
Berlin
RE 6 Lübeck – Herrnburg – Bad Kleinen Streichung ein Frühzug je Richtung am Wochenende
– Lübeck ab 05:02 Uhr,
– Bad Kleinen ab 06:03 Uhr
Alternative: Ab Lübeck 07:04 Uhr, ab Bad Kleinen
7:03 Uhr
RB 11 Hagenow Stadt – Schwerin Abbestellung der gesamten Linie inklusive Spätzugpaar Schwerin – Aumühle wegen identischem Fahrzeug
Alternative:
RE 1 bietet zwischen Schwerin und Hagenow Land
ein 2-stündliches Angebot mit zusätzlichen Zügen im
Berufs- und Schülerverkehr;
R 3 bietet zwischen Hagenow Land und Stadt in der
Woche annähernd ein 1-stündliches Angebot, am
Wochenende ein 2-stündliches Angebot
RE 9 Lietzow – Sassnitz / – Binz Im Winterfahrplan 2-Stundentakt am Wochenende
anstelle des 1-Stundentaktes
Alternative: 2- Stundentakt
RE 8 Wismar – Rostock Hbf Streichung 1 Zugpaar am Tagesrand an Sonn- und
Feiertagen
Alternative: erster Zug ab Wismar 06:42 Uhr,
ab Rostock 05:06 oder 07:06 Uhr
RE 8 Rostock Hbf – Tessin 2-Stundentakt an Sonn- und Feiertagen anstelle des
1-Stundentaktes
Alternative: 1 Stunde früher oder später
S 3 Rostock Hbf – Rostock Seehafen Nord Abbestellung der gesamten Linie
Alternative: Nutzung des vorhandenen ÖPNVAngebotes
der Rostocker Straßenbahn AG
Heringsdorf – Ahlbeck Grenze
– Swinemünde
Streichung erste 2 Frühumläufe ganzjährig,
Alternative: erster Zug verkehrt dann zwischen 05:30
und 06:30 Uhr
Peenemünde – Zinnowitz Streichung der ersten 2 Frühumläufe an Mo-Fr ganzjährig
Alternative: erster Zug verkehrt dann zwischen 07:00
und 07:30 Uhr
Streichung letzte 2 Spätumläufe am Wochenende
außerhalb der Sommersaison
Alternative: letzter Zug verkehrt dann zwischen 17:00
und 17:30 Uhr
Peenemünde – Zinnowitz Außerhalb der Sommersaison Umstellung vom 1-
Stundentakt auf 2-Stundentakt mit Verstärkern,
statt 19 Züge je Tag und Richtung nur noch 14, bedarfsgerecht
getaktet.
Alternative: Nutzung des vorhandenen Angebotes
RE 2 Wismar – Schwerin – Berlin Ersatz von 3 Zugpaaren der ODEG außerhalb der
Hauptverkehrszeit zwischen Wismar und Bad Kleinen
durch Züge der DB Regio, die zwischen Wismar und
Bad Kleinen pendeln, dadurch Umsteigebedarf in Bad
Kleinen
Alternative: Nutzung des vorhandenen Angebotes
RE Bützow – Pasewalk – Ueckermünde Streichung jedes zweiten OLA-Zuges am Wochenende
zwischen Neubrandenburg und Pasewalk, statt 4
Züge in 4 Stunden verkehren noch 3 Züge in 4 Stunden
Alternative: Nutzung des vorhandenen Angebotes
RE Bützow – Pasewalk – Ueckermünde Streichung der Züge, die sonntags nur zwischen Pasewalk
– Torgelow verkehren.
Alternative: letzte Verbindung Pasewalk ab 21:22 Uhr
Rehna – Gadebusch – Schwerin Hbf Teilrelation Gadebusch – Schwerin Hbf
Streichung 3 Fahrtenpaare an Samstag,
2 Stundentakt bleibt erhalten
Alternative: Nutzung des vorhandenen Angebotes
Waren – Neustrelitz Reduzierung auf 4 Fahrtenpaare/Tag zur Hauptverkehrszeit
an Werktagen bzw. an den Wochenenden
zu touristisch relevanten Zeiten mit Anbindung an RE
aus/nach Berlin in Neustrelitz.
Alle 2 Stunden bleibt außerdem Verbindung mit RE
Rostock – Waren – Neustrelitz – Berlin erhalten
Alternative: Nutzung des vorhandenen Angebotes
Mirow – Neustrelitz Hbf Abbestellung der gesamten Linie
Alternative: Ersatzverkehr mit Bussen mit Fahrradanhänger
vorgesehen.
Schwerin – Hagenow Stadt Abbestellung ab Dezember 2014
Rehna – Schwerin – Parchim Abbestellung ab Dezember 2014
Hagenow – Ludwigslust – Waren – Neustrelitz Abbestellung ab Dezember 2014

Tabelle: Von den Kürzungsplänen betroffene Linien. Quellen: NDR und Unsere Bahn soll weiter fahren

Foto: Abstellgleis: christian.greller // Lizenz: CC BY

3 Kommentare


  1. Die so genannten „Alternativen“ sind teilweise soooo geil:
    „Fahren Se halt zwei Stunden später.“ Ja nee, is klar…

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