Abriss des Wahrzeichens alter Speicher am Ryck genehmigt

Speicher am Ryck in Greifswald
Bald Geschichte: Der alte Speicher am Ryck in Greifswald.

Ein Wahrzeichen Greifswalds wird verschwinden. Der Abrissantrag des sehr umstrittenen Petruswerks für den alten Speicher am Museumshafen wurde Anfang April von der Bauaufsichtsbehörde genehmigt. Sobald die Bürgerschaft den Bebauungsplan Nr. 55 beschlossen hat, soll der Abriss des 1937 errichteten Gebäudes erfolgen. Dann soll an der Stelle des Speichers ein „markantes“ Gebäude z.B. ein Hotel gebaut werden.

Es muss gar nicht mehr viel darüber nachgedacht werden, in Greifswald dreht sich die Gentrifizierungsspirale. Ob überteuerte Studierendenwohnungen in der Brinkstraße oder Luxuswohnungen in der Neunmorgenstraße, Immobilienfirmen und Investoren buhlen um die zahlungskräftige Oberschicht*. Währenddessen steigt der Mietspiegel und für die sozial schwachen Schichten wird der bezahlbare Wohnraum knapp.

// Sollte unbedingt als Diplom-, Bachelor- oder Masterarbeitsthema genutzt werden!

[*] oder auch um die, die nichts anderes finden und gezwungen sind, diese Wohnungen zu nutzen.

13 Kommentare


  1. Lass uns eine Hansestadt sein und erstmal einen stadtbildprägenden Speicher abreißen. Bekloppt.

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    1. Der Bebauungsplan 55 soll für das ganze Ufer Bebauung durch das Petruswerk vorsehen. Um das Vorhaben zu verwirklichen, muss aber dieser „Schandfleck“ erstmal weg. Graffitimauer und andere Gebäude bis zu An den Wurthen werden wahrscheinlich auch nicht mehr lange stehen.

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  2. Was bei „Gentrifizierungsspirale“ und „buhlen um die zahlungskräftige Oberschicht“ meiner Meinung nach nicht vergessen werden sollte ist, dass in den überteuerten privaten Studierendenwohnungen in der Regel eben nicht die Oberschicht wohnt sondern Studierende, die von Bafög oder Nebenjobs leben.

    Auch wenn das Studierendenwerk neue Wohnungen gebaut hat werden immer noch viele Ersties gezwungen sein auf einen dieser überteurten Anbieter zuzugehen.

    Warum lohnen sich diese Single-Appartment-Klötze für die Immobilienspekulaten, aber WVG und WGG nicht?

    Was die bisherigen Bautätigkeiten von Avila und Konsorten angeht, kann man nur hoffen, dass das neue „markante“ Gebäude sich dieses Adjektiv nicht nur auf Grund von m³ an Füllvermögen verdienen wird.

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    1. Da hast du natürlich recht. Es heißt nicht zwangsläufig, dass in den teuren Studierendenwohnungen die reicheren unter uns wohnen. Wie gesagt, eine wissenschaftliche Forschungsarbeit dazu würde mal mehr Licht ins Dunkle bringen und vielleicht die subjektiven Wahrnehmungen entkräften oder bestätigen.

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  3. ich halte im normalfall vom abreissen alter gebäude eher wenig, in diesem fall kann ich es aber halbwegs nachvollziehen. das tragende element des speichers ist der kornspeicher im inneren. also ein riesiger trichter, der den größten teil des innenraums ausfüllt.
    solange der trichter drin ist kann man das gebäude also nicht sinnvoll nutzen, den trichter rausreissen kann man aber auch nicht.
    nichtsdestotrotz gehöret der herr fernando allein schon wegen der straze aus der stadt geprügelt.

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  4. Flo hat zum Thema Speicher eigentlich alles gesagt, was jemand, der zu diesem Thema Artikel schreibt, hätte vorher recherchieren können und müssen. Ich finde es deshalb bedauerlich bis unverantwortlich, dass dieser Abriss hier und anderswo an den Pranger gestellt wird.

    Ich selbst habe mich mit einem anderen Greifswalder schon in den 90er Jahren für diesen Speicher interessiert (Hotel, Gastronomie, Wohnungen in den Dachgeschossen), aber nach einer Begehung mit einem Architekten war klar, dass das nicht geht. Die sichtbaren Mauern sind nichts weiter als eine Hülle, die um den/die Trichter im Inneren gezogen wurden. Statisch sind sie für den Speicher ohne Belang, was einen Erhalt zum Zwecke einer anderen Nachnutzung als der beim Bau vorgesehenen leider – und das sage ich ganz bewusst, weil der Speicher das Stadtbild erheblich prägt – auschließt.

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    1. Deine Interpretation meines Blog-Artikels – keines journalistischen Zeitungsartikels – erstaunt mich.

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    2. Was man aus Speichern fast gleicher Bauart machen kann, sieht der willige und nicht nur polemische Betrachter hier: AIDA Cruises Headquarter Rostock Stadthafen
      Aber der Speicher ist nur die Eisbergspitze der fragwürdigen Geschäfte um das B-55, dessen letzter bekannter Befund so lautete; Zitat OZ 24.10.2011:
      „In dieser Woche, am 27. Oktober, sollen die Verträge der Hansestadt mit dem Petruswerk zu dem geplanten neuen Wohngebiet an der Hafenstraße zwischen der Marienstraße und der Straße an den Wurthen unterzeichnet werden. Das kündigte Geschäftsführer und Inhaber Douglas Fernando auf Nachfrage der OZ an. …“
      Vielleicht ja demnächst mehr dazu in der OZ? 😉

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  5. Veränderungen sind böse, willkommen in Vorpommern. Als nächstes werden hier Plattenbauten als kulturell erhaltenswert eingestuft.

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    1. “ Als nächstes werden hier Plattenbauten als kulturell erhaltenswert eingestuft.“

      Warum nicht? Mehr Charakter als das, was man in der Brinkstraße und andernorts zu sehen bekommt, haben die allemal.

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