Presserat weist Beschwerde gegen OZ als unbegründet ab

Lieber Herr Benjamin Fischer, ich war im Unrecht. Es tut mir leid! Am 19. Oktober hatte ich Sie noch beschuldigt, Sie und die Ostsee Zeitung würden wohlmöglich gegen Ziffer 5 des Pressekodex verstoßen. Der Deutsche Presserat hat meine Beschwerde inzwischen geprüft und als unbegründet abgewiesen.

Ausschnitt OZ HGW S. 10 vom 19.10.2011

Es ging um einen Artikel über Malaria und mögliche Sichtungen der Überträgermückenart in Greifswald. Ohne vorher zu fragen, wurde ich in dem Artikel als Informant zitiert. Im Pressekodex Ziffer 5 heißt es dazu:

Die Presse wahrt das Berufsgeheimnis, macht vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch und gibt Informanten ohne deren ausdrückliche Zustimmung nicht preis.
Die vereinbarte Vertraulichkeit ist grundsätzlich zu wahren. [Hervorhebungen durch den Autor.]

Der Deutsche Presserat teilte mir heute mit, dass „eine Verletzung presseethischer Grundsätze nicht erkennbar sei“. Ich habe Ihnen gegenüber, Herr Fischer, keine „gewünschte Vertraulichkeit“ geäußert und sie konnten „davon ausgehen, dass [ich] mit der Nennung [meines] Namens als Quelle einverstanden“ sei.

Auch, wenn ich selber „ausdrückliche Zustimmung“ so interpretiere, dass ich vor einem Zitat gefragt werde, sieht das der Presserat anders. Unter nicht „ausdrücklicher Zustimmung“ wird anscheinend ein vorheriger Widerspruch oder Verweis auf Vertraulichkeit verstanden. Es liegt somit auf Seiten des Informanten vorher zu sagen, es sei vertraulich und nicht auf Seiten des Redakteurs, um Erlaubnis zur Quellennennung zu bitten. Wer nicht „nein“ sagt, sagt also „ja“. Eine interessante Interpretation der selbst gesetzten Spielregeln.

Der Ostsee-Zeitung-Blog hatte mit seiner Aussage recht, dass der Aufwand einer Beschwerde das Ergebnis in keinem Fall wert ist.

Foto: Screenshot aus OZ vom 19.10.2011

5 Kommentare



  1. ich vermute mal. Eckhard hat es sogar gut mit dir gemeint. Er wollte sich nicht mir fremden Federn schmücken und könnte gedacht haben, dich druch die Namensnennung zu würdigen. Sonst wäre es ja kein Problem, nur zu sagen, dass „am Rande einer Diplomverteidigung gesagt wurde,…. „.
    Hast du ihn denn danach angerufen? Oder gleich mit dem(unbedeutenden) Presserat gedroht?

    Antworten

    1. Nein, ich habe danach nicht bei der OZ angerufen. Der Scherbenhaufen war aus meiner Sicht bereits angerichtet und ich hab gleich den Presserat eingeschaltet.

      Antworten

  2. Am besten ignoriert man diese „Zeitung“ einfach. Was für eine hanebüchene Begründung.

    Antworten

    1. Der Presserat hat die Ablehnung begründet, nicht die OZ, stimmts? Bis zur OZ ist die Beschwerde gar nicht erst gelangt.

      Vergessen Sie alle den Presserat. Er ist für Leser so überflüssig wie ein Kropf, für die Verlage gaaanz wichtig – jedoch nur als deren Aushängeschild: „Wir haben einen.“
      Dazu dieses Zitat:

      „der Deutsche Presserat ist kein Gremium, das für die Einhaltung journalistischer Mindeststandards sorgt. Der Deutsche Presserat ist ein Gremium, das dazu dient, den Eindruck zu erwecken, es gebe ein Gremium, das für die Einhaltung journalistischer Mindeststandards sorgt.“
      http://www.stefan-niggemeier.de/blog/von-den-regeln-in-die-traufe/

      Selbst wenn Beschwerden als begründet behandelt werden – was hat der Beschwerdeführer erreicht? Das Kind war doch bildlich längst in den Brunnenn gefallen.

      Ich rate jedem: halten Sie sich fern von Medien. Das gilt nicht für Politniks. Die sind auf die Medien angewiesen, weil die Medien als Sprachrohr und Vervielfältiger gebraucht werden. Umgekehrt brauchen Medien das Gequake von Politikern und gaukeln den Mediennutzern vor, sie würden ihnen wichtige Nachrichten verkaufen. Womit sonst wollten die Redaktionen sonst Tag für Tag die Seiten füllen? Sie müssten ansonsten ernsthaft arbeiten und nicht nur kopieren.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.