900 Personen bei Anti-Nazi-Demo in Greifswald

Anti-Nazi-Demo GreifswaldWährend sich die Einen auf das Greifswalder Mitternachtsshopping vorbereiteten, gingen Andere gestern auf die Straße und demonstrierten gegen Nazis und Rechtsextremismus. Laut der antifaschistischen Gruppe Defiant nahmen rund 900 Personen an der Demo teil, darunter auch viele weit angereiste. Um ca. 13:30 Uhr zog der Demonstrationszug vom Südbahnhof durch die Stadt, bis er gegen 17 Uhr an der Mensa am Schiesswall seine letzte Station hatte und die Demo aufgelöst wurde.

Positiv zu vermerken ist, dass es bis auf wenige Böllerwürfe und Rauchbomben sehr friedlich blieb. Die Polizei verstärkte im Laufe der Demo ihr Aufgebot und zeigte sich mit zwei Wasserwerfern in unmittelbarer Nähe des Wohnsitzes eines vermeintlichen Rechtsextremisten. Laut AKJ kam es während der Demo zu drei Ingewahrsamnahmen.

Sehr kritisch zu sehen an der Demo, waren teilweise eskalationsfördernde Ansagen aus dem Lautsprecherwagen z.B. das Auffahren der Wasserwerfer anzukündigen, obwohl diese noch nicht in Sicht und die Demo weit davon entfernt ist. Auch einige der Parolen gerade im Zusammenhang mit Kommunismus rufen doch eher Abwehrhaltungen bei anderen Teilnehmenden der Demo hervor.

Am Rande der Demo soll es zu Provokationen durch einige vermeintliche Neonazis gekommen sein. So sollen zwei Personen in Höhe des Labyrinths den Hitlergruß gezeigt haben. Die Polizei ist sicherlich dankbar für jeden Hinweis und Zeugen zu diesem Vorfall.

Im Ganzen war die Demo ein voller Erfolg. 900 Personen setzten ein Zeichen gegen Rassismus und Faschismus. Das geschah friedlich. Es kam zu keinen Übergriffen auf vermeintliche Nazis oder deren Wohnsitz. Die Polizei hielt sich anfangs sehr zurück und eskalierte die Lage später aber auch nicht. Zu verurteilen ist dann aber, dass es nach der Demo am Hauptbahnhof Rostock zu einer Schlägerei zwischen rückreisenden Demonstranten und vermeintlichen rechten Personen gekommen sein soll.

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15 Kommentare


    1. „Nie, nie, nie wieder Deutschland!“ Da gab es aber noch eine die so ähnlich anfing und mit „Kommunismus jetzt“ endete.

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      1. wenn man deutschland als synonym für den hitlerfaschismus versteht, kann ich an dem auspsruch wahrlich nichts schlimmes finden. und was ist das problem mit dem kommunismus doch gleich? das alle menschen gleich wieder das stalin- und ddr-brett rausholen?


      2. Ich teile sowohl die Kommunismus-Parolen als auch die ‚Nie wieder Deutschland‘-Parole, sehe es aber sonst ähnlich wie du, dass sie der Aussenwirkung wenig dienlich sind. Die ‚Nie wieder Deutschland‘-Parole ist im Übrigen in der Zeit nach dem Mauerfall entstanden, als sich Deutschland anschickte erneut Großmacht zu werden (Und zumindest wirtschaftlich ist es das aich passiert…und wenn ich mir den Schwarz-Rot-Geil-Ich-bin-stolz-Deutscher-zu-sein-Nationialismus anschaue ist diese Parole auch legitim :-))
        siehe auch:
        http://de.wikipedia.org/wiki/Nie_wieder_Deutschland

        Viel (!) schlimmer finde ich oft Parolen gegen die Cops, v.a. dann, wenn sie noch nicht aggressiv/gewaltätig gegen die Demonstrationsteilnehmer vorgegangen sind. Genauso scheiße: Böller.

        Zur Kommunismus-Parole:
        Evtl. wars:
        „Gegen jeden Antisemitismus -Nieder mitDeutschland & für den Kommunismus“

        Auch der Außenwirkung wenig dienlich, obgleich ich einen reflektierten Umgang mit dem Kommunismus-Begriff für unbedingt notwendig halte und diese Debatte auch nach außen getragen werden muss. Kommunismus ist oder war eben NICHT DDR, Stalin, Sowjetunion, China…

        Nein, Nein. Das war kein Kommunismus, das war Diktatur.


  1. @mexx: Wenn es sich gegen den Hitlerfaschismus richtet, ist es nicht negativ. Aber so kommt das bei Außenstehenden nicht an. Die Leute, die von den Balkonen zugehört haben, denken doch nur: Was zieht da für ein schwarzer Mob durch die Straßen und dann greifen die auch noch unser Land an?! Statt Anti-Nazi-Demo ist es für die dann eine Anti-Deutschland – also auch gegen sie persönlich – Demo.
    Über Kommunismus könnte man sicher auch ewig unterhalten. Forderungen danach haben aber auch auf einer Anti-Nazi-Demo nichts zu suchen. Einfach auf ein Thema konzentrieren.

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    1. ich denke, was die menschen auf ihrer antinazidemo thematisieren, können sie sehr gerne selber entscheiden… „das hat so und so zu sein“ sind formulierungen, die mir die kalte kotze in den rachen treiben. ich würde mir wünschen, dass du diese denke nochmal ablegst.
      „deutschland“ und „komunismus“ passen für mich zb. thematisch ganz gut und sind mm ziemlich wesentlich in bezug auf das naziproblem – schön lösungsorientiert 😉

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      1. Wenn du brechen musst, nur zu. Aber nicht auf die Tastatur, das bekommt man so schlecht raus. 😉
        Für mich, wie auch für viele andere mit denen ich auf der Demo über die Paloren gesprochen habe, passt das nicht zusammen. Bei Anti-Nazis stehe ich 100% dahinter, Kommunismusforderungen sehe ich zu skeptisch, um sie auf einer Demo zu unterstützen. Das kann sich vielleicht irgendwann ändern, aktuell sehe ich das aber als abschreckend und negativ konnotiert an. Es geht mir nicht um das Weltbild der Demonstrierenden sondern um die Öffentlichkeit, die sich mit den Forderungen solidarisieren soll.


      2. ich finds schön ehrlich. warum sollten die zuhörenden menschen über die inhaltliche stoßrichtung der demo getäuscht werden?^^


      3. @mexx: Natürlich können die Menschen die Themen selbst bestimmen. Dann sollten diese aber auch vorher angekündigt werden, so dass jede Person für sich entscheiden kann, ob man diese auch unterstützen kann/möchte.
        btw: Wen meinst du denn mit „Menschen“ in diesem Zusammenhang? Alle Teilnehmer der Demo oder doch nur spezifische Gruppen?

        Ich persönlich lasse mich ungern instrumentalisieren und wüsste darum gerne vorher, für welche Themen ich mit meiner Teilnahme an der Demo stehe.


      4. du stehst für das, wofür du willst. wenn das demomotto „antinazi“ ist und du das nicht kontextualisieren willst, ist das ja voll ok. wenns für andere nicht so einfach ist, sollte das dann aber auch kein problem darstellen und ihnen ihre differenzierung erlaubt sein, oder? das ihr deutschen immer das gefühl habt, als masse funktionieren zu müssen, tztztztz^^


  2. Cool, da schreibt jemand ausgewogene Zeilen über diese Demo und schon hagelt es Kritik und Belehrungen.

    Nie wieder Deutschland!

    Da kann man nichts rausinterpretieren, beim besten Willen. Das ist und bleibt die Parole der Antideutschen.

    Hey mexx, war noch ne geile Aktion nach der Demo am Rostocker Bahnhof, wa..?

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    1. ah, und warum rufen die sogenannten antideutschen die parole? klick?
      was das nun mit dem vorfall in hro zu tun hat – keine ahnung? was der hier in der demorezension macht, hat sich mir auch noch nicht erschlossen…

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  3. „Am Rande der Demo soll es zu Provokationen durch einige vermeintliche Neonazis gekommen sein. So sollen zwei Personen in Höhe des Labyrinths den Hitlergruß gezeigt haben. Die Polizei ist sicherlich dankbar für jeden Hinweis und Zeugen zu diesem Vorfall.“

    Die Herrschaften mit den ausgereckten Armen wurden von der Polizei gefilmt/photographiert und auf Nachfrage von Demonstrationsteilnehmern äußerte die Polizei, der Fall werde entsprechend weitergeleitet.

    Recht ausgewogene Berichterstattung, wobei ich unter vollem Erfolg etwas anderes verstanden hätte. Erhellend in diesem Zusammenhang fand ich die Zeilen beim AKJ „Zudem fand sie an einem stark frequentierten Ort kurz vor Ende der Demonstration statt. Durch die absehbare Unruhe wurde bei den Passant_innen der Eindruck einer äußerst gewalttätigen Demonstration geweckt, was nicht dem bisherigen Demonsrationsverlauf entsprach. Es drängt sich der Eindruck auf, als ob die Polizei diese Maßnahme bewusst an einem der belebtesten Orte Greifswalds durchgeführt hat, da nicht ersichtlich ist, warum die Maßnahme nicht früher oder später an einem weniger frequentierten Streckenabschnitt hätte vorgenommen werden können.“
    Unabhängig davon, nervt mich der Schwarze Block mit seinem martialischen Auftreten und der teilweise ebenso menschenverachtenden Ideologie echt an. (Auch wenn ich hier nicht alle über einen Kamm scheren möchte.) Beim nächsten mal wünsche ich mit mehr bunt als schwarz!!!

    Als komisch oder interessant empfand ich, dass trotz des Aufrufs der Studierendenschaft Greifswald zur Demoteilnahme diese selbst -also die Organisierte- nicht sichtbar in Erscheinung trat.

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    1. Ich hab die Beiden – man muss wirklich sagen Vollidioten – auch auf Foto. Sogar mit ausgestrecktem Arm.

      Der von dir erwähnte Vorfall und die Stellungnahme seitens des AKJ hätte vielleicht noch in den Beitrag gehört.

      Zu „komisch finden“ möchte ich noch hinzufügen, dass nicht nur wenig Studierende sondern auch z.B. von den zur Demo aufrufenden Jusos kaum wer da war.

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