Ghettostories: Sperrmüllbeobachtungen

Die Autotüren springen auf und eine vierköpfige Familie springt heraus. Voller Freude stürzen sie sich auf die Möbel am Straßenrand. Der dort schon herumwerkelnde Opa lässt sich davon nicht aufscheuchen. Er schraubt weiter am Kühlschrank rum. In Hotpants inspiziert die junge Frau der Familie kurz die seit drei Tagen Regenwasser aufsaugende Matratze und gibt dann Anweisungen diese einzupacken. Mit Hilfe eines Staubsaugerschlauchs versucht ihr junger Begleiter die Matratze zusammenzurollen.

Sperrmüll
Lauter Sperrmüll sammelt sich und wird nicht abgeholt.

Ein paar Quadratmeter Teppich und zwei Sitzpolster später geht es mit dem vollgeladenen Auto weiter. Der Opa hat inzwischen Unterstützung von einem dicken Mann mit Roller und Anhänger bekommen. Nachdem dieser die Fortschritte des Opas begutachtet, wuchten sie zusammen den Kühlschrank auf den Anhänger und er braust damit davon.

Sperrmüll in Schönwalde II ist schon ein spannendes Phänomen. Es muss eine winzige Menge davon irgendwo rumstehen und innerhalb von wenigen Stunden hat sich der Haufen volumenmäßig verdoppelt. In den nächsten Stunden verschwindet der ein oder andere Gegenstand, während neue auftauchen. So kann es über Tage gehen. Den Anfang der aktuellen Sperrmüllgeschichte machte Sonntagabend ein Lattenrost und die Matratze. Heute mittag sah es dann wie auf dem Bild aus.

Die Müllabfuhr am Montag hat alles stehen gelassen. Zuständig ist sie für sowas schließlich nicht. Die Stadt holt zwar einmal im Jahr pro Haushalt fünf Kubikmeter Sperrmüll umsonst ab, dies erfordert aber eine Anmeldung fünf Wochen im Voraus. Ob der Anmelder für den von Nachbarn hingestellten Müll zahlen muss, wenn dort so auf einmal mehr als die kostenlos abholbare Menge steht?

 

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