Aus Zwischenlager wird de facto Endlager Nord

Warnschild RadioaktivitätDas ist eine Story über die Lagerung von Atommüll im Zwischenlager Nord (ZLN) bei Lubmin mit zwei Komponenten. Die Erste ist die schleichende Verlängerung der Genehmigung des ZLN bis mindestens 2080 und die Zweite ist der Journalismus der Ostsee Zeitung. Fangen wir mit dem lokalen „Leitmedium“ an der Ostseeküste an.

Wer lieber nur zu den neuesten Entwicklungen im ZLN lesen möchte, kann mit einem Klick hier direkt dorthin springen.

OZ VERKAUFT ALTE INFOS

Die Ostsee Zeitung veröffentlichte heute in ihrer Printausgabe den Artikel „Atommüll nach Lubmin – Widerstand wächst“. Online ist ein ähnlicher Artikel mit dem Titel „Bund schickt noch mehr Atom-Abfall nach Vorpommern“ verfügbar. In diesem heißt es: „Wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervorgeht […]“. Den Leserinnen und Lesern der OZ wird in beiden Artikeln suggeriert, dass die Antwort auf die Kleine Anfrage nur der OZ vorliegen würde und dass diese gerade erst vor Kurzem beantwortet worden wäre.

Das ist aber falsch. Die Kleine Anfrage ist unter der Drucksache 17/3756 seit dem 11. November und die Antwort unter der Drucksache 17/4009 seit dem 29. November 2010 online auf der Website des Bundestages verfügbar. Diese Antwort hätten die bezahlten Journalisten der OZ also schon vor dem letzten Castor-Transport in das Zwischenlager Nord auswerten können.

ZWISCHENLAGER NORD BIS MINDESTENS 2080

Nach dem Eintreffen des Castor-Transports am 16. Dezember im Zwischenlager Nord bei Lubmin kommen Informationen an das Licht, die wahrscheinlich zu einem größeren Protest geführt hätten. Aus Sicht der Atomlobby ist das natürlich strategisch gut gemacht worden.

Castor-Transport
Castor-Transport am 16.12.2010 in Greifswald

 

Nach Berichten des NDR hat die Bundesregierung eine langfristige Finanzplanung für das Zwischenlager Nord bestätigt. Und wer denkt, hier würde nur in Wahlperioden gerechnet, täuscht sich. Bis zum Jahr 2080 reicht diese Finanzplanung, während das Zwischenlager nur bis zum Jahr 2039 genehmigt ist. Im Klartext bedeutet dies also, dass die Genehmigung für die Zwischenlagerung radioaktiver Stoffe im ZLN bis mindestens 2080 verlängert werden wird. Bereits in einer früheren Presseerklärungen der Energiewerke Nord (EWN), des Betreibers des ZLN, ist schon deutlich abzulesen, dass der Atommüll nie bis 2039 aus dem Zwischenlager geräumt sein würde. So heißt es in der Pressemitteilung der EWN vom 25. Feburar 2010:

„Selbst wenn zu diesem Zeitpunkt [2039] in Deutschland ein Endlager für Wärme entwickelnde radioaktive Abfälle vorhanden ist, wird die sofortige Einlagerung aller vorhandenen Abfälle nicht möglich sein. Auch hier wird eine gestaffelte Ablieferung notwendig sein und wann der letzte CASTOR-Behälter aus Lubmin abtransportiert wird, lässt sich heute noch nicht sagen.“

Zwar heißt es zur Zeit noch, das ZLN hätte nur noch drei freie Stellplätze für Castor-Behälter, der Rest ist belegt beziehungsweise wird in den nächsten Jahren durch bereits genehmigte Transporte gefüllt, und es würde keine Erweiterung geplant, doch mit der bevorstehenden längeren Genehmigung besteht die Angst, dass es eine Erweiterung der Kapazitäten geben könnte. Die EWN wiesen diese Ängste am 16. November in einer Presseerklärung allerdings zurück und auch ein Endlager könne das ZLN nie werden, da (zur Zeit) die Sicherheitsanforderungen eine Endlagerung nur in tiefen geologischen Schichten vorschreiben.

Solange es auch kein genehmigtes Endlager für Atommüll in Deutschland gibt, ist es auch sicher sinnvoller, den Müll dort zu lassen, wo er ist, anstatt ihn quer durch die ganze Republik in ein anderes Zwischenlager zu fahren. Allerdings ist das Verhalten der Verantwortlichen ziemlich verlogen. Im Jahr 2080 werden keine der heutigen politischen Entscheidungsträger noch leben und auch kaum jemand der jetzt schon geborenen Menschen wird die komplette Räumung des ZLN erleben. Für sie ist das Zwischenlager Nord ein Endlager Nord.

NEUE ATOMMÜLL-TRANSPORTE

Für Februar 2011 ist der Transport fünf Castor-Behältern aus dem Kernforschungszentrum Karlsruhe mit wärmentwickelndem radioaktivem Abfall in das ZLN geplant. Weitere drei Stellplatz sind für Castor-Behälter mit Kernbrennstoffen bereits reserviert. Wann der Transport stattfinden soll und woher das Material stammt, bleibt unbeantwortet.

Von 2011 bis 2013 werden außerdem leichtradioaktive Abfälle von Dritten in das ZLN eingeliefert. Darüber wer diese Dritte sind, wird sich in Drucksache 17/4009 ausgeschwiegen.

„Da es sich […] um Verträge der EWN GmbH mit Dritten handelt, können zur Wahrung der Geschäftsgeheimnisse keine weiteren Angaben gemacht werden.“

Seit 2008 lagern im ZLN schon zwei Dampferzeuger  von Dritten. Abfälle von Dritten dürfen allerdings nur zeitlich befristet für jeweils fünf Jahre vor und nach der sogenannten Konditionierung im ZLN lagern. Unter Konditionierung wird die Behandlung und/oder Verpackung radioaktiver Abfälle verstanden, bevor sie in ein Endlager kommen. Spätestens 2018 müssten also die zwei Dampferzeuger aus dem ZLN abtransportiert werden.

1 Kommentar


  1. Am 27.11.2014 wird das Oberverwaltungsgericht HGW über unser
    und unserer Ururenkelleben entscheiden.Sollten das Bundesfinanzministerium & EWN Lubmin gewinnen, dann hat Ihre
    „Chefin“ Frau Dr.Merkel mich und uns alle 1995 angelogen.
    Klammheimlich mit winkeladvokatischen Tricks ( sog. Tochterge-
    sellschaften) wurde und wird Atommüll aus der ganzen BRD ein-
    gelagert!!! Alles auf Kosten der normalen Steuerzahler und
    ohne eine Sicherheitsgarantie bei Katastrophen (GbmH =max.
    Haftung 50T Euro!!!)+ der Schutzplan eine Farce !!!!
    Es ist schon so:“..der Reiche macht das Gesetz mit seiner
    Geldbörse….

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