Karte der Sexualproportion: Frauendefizit in Ostdeutschland

Das Leibniz-Institut für Länderkunde hat sich für die neueste Ausgabe der Online-Zeitschrift Nationalatlas aktuell mit der Sexualproportion in Deutschland befasst. „Zur Charakterisierung der Geschlechtsgliederung einer Bevölkerung verwendet man im allgemeinen die Sexualproportion. Diese gibt an, wieviele männliche Personen auf je 100 oder 1.000 weibliche kommen“ (Bähr 1997, S. 103). Die Geschlechterverteilung ist für die Bevölkerungsgeographie, Demographie und Geschlechterforschung von Interesse. Das Leibniz-Institut für Länderkunde hat seinen Fokus in der Untersuchung auf die bevölkerungsgeographische Dimension dieser Kennzahl gelegt. Die räumliche Verteilung, der Unterschied zwischen verschiedenen Räumen und die Gründe dafür stehen im Vordergrund der Karten und Grafiken.

Aus den statistischen Daten des Bundes und der Länder wurde die Sexualproportion in den drei jungen Altersklassen der 20- bis 24-Jährigen, 25- bis 29-Jährigen und 30- bis 34-Jährigen im Jahr 2007 nach Kreisen in Deutschlandkarten dargestellt. Mit blau sind Kreise in denen es mehr Männer als Frauen gibt, mit rot dagegen Kreise in denen es mehr Frauen als Männer gibt, gekennzeichnet. Bei der Betrachtung aller drei Karten wird ein sich durch alle untersuchten Altersklassen durchziehendes Frauendefizit in den neuen Bundesländern deutlich. Nur wenige Kreise bilden hier die Ausnahme. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Städte.

Als Ursachen für die Abwanderung junger Frauen aus ländlichen Regionen in urbane Räume wird „ihr höheres Bildungsniveau, eine stärkere Mobilitätsbereitschaft und Ambitioniertheit sowie eine Präferenz für urbane Lebensstile“ (Leibert; Wiest 2010) genannt. Außerdem haben Männer und Frauen unterschiedlichen Wanderungsmotive. Männer wandern hauptsächlich aus beruflichen Gründen und in etwas höherem Alter, für Frauen zählen dagegen familiäre Gründe und Ausbildungszwecke mehr.

Sexualproportion der 20 bis 24 Jährigen in Deutschland 2007. QuelleSexualproportion der 20- bis 24-Jährigen in Deutschland 2007. Quelle: Leibniz-Institut für Länderkunde: Leibniz-Institut für Länderkunde
Sexualproportion der 20- bis 24-Jährigen in Deutschland 2007 nach Kreisen. Für PDF-Version auf Karte klicken. Quelle: Leibniz-Institut für Länderkunde

Regional betrachtet fällt in Mecklenburg-Vorpommern auf, dass an den Universitätsstandorten Rostock und Greifswald, der Anteil der Frauen in der Altersstufe der 20- bis 24-Jährigen im Vergleich zum Bundesland sehr hoch ist und es mehr Frauen als Männer gibt. In Greifswald korreliert das mit einem unausgeglichenen Geschlechterverhältnis an der Universität. Hier studierten im Wintersemester 2007/2008 ungefähr 2.000 Frauen mehr als Männer (vgl. Universität Greifswald 2010). Schon in der nächsthöheren Altersklasse dagegen sinkt der Anteil der Frauen und sie sind in ganz Mecklenburg-Vorpommern unterrepräsentiert. Für Greifswald resultiert daraus die These, dass die fertig ausgebildeteten Studentinnen nicht bleiben, sondern größtenteils abwandern.

Sexualproportion der 25- bis 29-Jährigen in Deutschland 2007. Quelle: Leibniz-Institut für Länderkunde
Sexualproportion der 25- bis 29-Jährigen in Deutschland 2007 nach Kreisen. Für PDF-Version auf Karte klicken. Quelle: Leibniz-Institut für Länderkunde

Mit steigendem Alter wird die Sexualproportion zumindest in den meisten Kreisen Westdeutschlands wieder ausgeglichener. Bei den 20- bis 24-Jährigen gibt es größtenteils nur Kreise mit Frauendefizit. In den Städten dagegen herrscht ein großer Frauenüberschuss. Betrachtet man nun die 30- bis 34-Jährigen ist der Frauenüberschuss in den Städten fast komplett verschwunden, die Stituation in den ländlichen Kreisen ist nun ausgeglichener oder hat sich gar von einem Frauendefizit zu einem -überschuss gewandelt.

Sexualproportion der 30- bis 34-Jährigen in Deutschland 2007. Quelle: Leibniz-Institut für Länderkunde
Sexualproportion der 30- bis 34-Jährigen in Deutschland 2007 2007 nach Kreisen. Für PDF-Version auf Karte klicken. Quelle: Leibniz-Institut für Länderkunde

In der Altersklasse der 30- bis 34-Jährigen lassen sich am Beispiel des Raums Berlin Suburbanisierungsprozesse aufzeigen. Der Anteil der Frauen im Brandenburger Umland von Berlin hat im Vergleich mit den anderen Altersgruppen zugenommen. Dies resultiert aus der gefestigten Lebenssituation der Frauen. Der Wunsch „ins Grüne“ zu ziehen, kann nun auf Grund einer unbefristeten und gutbezahlten Stelle ermöglicht werden. Ähnliches lässt sich auch in Hamburg und dem Umland beobachten.

Aus dem Frauendefizit in ländlichen Regionen können handfeste Probleme resultieren. Das fängt bei einem Mangel an qualifizierten und höher gebildeten weiblichen Arbeitskräften an und geht dann in „Verteilungskämpfe“ für Männer über, denen es schwer fällt, eine nicht vergebene weiblichen Partnerin zu finden. Frustration und ein Männlichkeitskult können die Folge sein.

Für weitere Erläuterungen lohnt sich ein Blick in den Begleitartikel des Leibniz-Institut für Länderkunde.

Quellen:

Bähr, Jürgen (1997): Bevölkerungsgeographie. 3. aktualisierte und überarbeitete Auflage. Ulmer: Stuttgart

Leibert, Tim; Wiest, Karin (2010): Ist die ländliche Peripherie männlich? In: Nationalatlas aktuell 11 (11/2010) [24.11.2010]. Leipzig: Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL). URL: http://aktuell.nationalatlas.de/Sexualproportion.11_11-2010.0.html, eingesehen am 13.12.2010

Universität Greifswald (2010): Zahlen & Fakten. Letzte Änderung: 07.12.2010. URL: http://www.uni-greifswald.de/informieren/zahlen.html, eingesehen am 13.12.2010

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