Aus Zwischenlager wird de facto Endlager Nord

Dienstag, der 28. Dezember 2010, 14:03 Uhr von daburna

Warnschild RadioaktivitätDas ist eine Story über die Lagerung von Atommüll im Zwischenlager Nord (ZLN) bei Lubmin mit zwei Komponenten. Die Erste ist die schleichende Verlängerung der Genehmigung des ZLN bis mindestens 2080 und die Zweite ist der Journalismus der Ostsee Zeitung. Fangen wir mit dem lokalen “Leitmedium” an der Ostseeküste an.

Wer lieber nur zu den neuesten Entwicklungen im ZLN lesen möchte, kann mit einem Klick hier direkt dorthin springen.

OZ VERKAUFT ALTE INFOS

Die Ostsee Zeitung veröffentlichte heute in ihrer Printausgabe den Artikel “Atommüll nach Lubmin – Widerstand wächst”. Online ist ein ähnlicher Artikel mit dem Titel “Bund schickt noch mehr Atom-Abfall nach Vorpommern” verfügbar. In diesem heißt es: “Wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervorgeht [...]“. Den Leserinnen und Lesern der OZ wird in beiden Artikeln suggeriert, dass die Antwort auf die Kleine Anfrage nur der OZ vorliegen würde und dass diese gerade erst vor Kurzem beantwortet worden wäre.

Das ist aber falsch. Die Kleine Anfrage ist unter der Drucksache 17/3756 seit dem 11. November und die Antwort unter der Drucksache 17/4009 seit dem 29. November 2010 online auf der Website des Bundestages verfügbar. Diese Antwort hätten die bezahlten Journalisten der OZ also schon vor dem letzten Castor-Transport in das Zwischenlager Nord auswerten können.

ZWISCHENLAGER NORD BIS MINDESTENS 2080

Nach dem Eintreffen des Castor-Transports am 16. Dezember im Zwischenlager Nord bei Lubmin kommen Informationen an das Licht, die wahrscheinlich zu einem größeren Protest geführt hätten. Aus Sicht der Atomlobby ist das natürlich strategisch gut gemacht worden.

Castor-Transport

Castor-Transport am 16.12.2010 in Greifswald

 

Nach Berichten des NDR hat die Bundesregierung eine langfristige Finanzplanung für das Zwischenlager Nord bestätigt. Und wer denkt, hier würde nur in Wahlperioden gerechnet, täuscht sich. Bis zum Jahr 2080 reicht diese Finanzplanung, während das Zwischenlager nur bis zum Jahr 2039 genehmigt ist. Im Klartext bedeutet dies also, dass die Genehmigung für die Zwischenlagerung radioaktiver Stoffe im ZLN bis mindestens 2080 verlängert werden wird. Bereits in einer früheren Presseerklärungen der Energiewerke Nord (EWN), des Betreibers des ZLN, ist schon deutlich abzulesen, dass der Atommüll nie bis 2039 aus dem Zwischenlager geräumt sein würde. So heißt es in der Pressemitteilung der EWN vom 25. Feburar 2010:

“Selbst wenn zu diesem Zeitpunkt [2039] in Deutschland ein Endlager für Wärme entwickelnde radioaktive Abfälle vorhanden ist, wird die sofortige Einlagerung aller vorhandenen Abfälle nicht möglich sein. Auch hier wird eine gestaffelte Ablieferung notwendig sein und wann der letzte CASTOR-Behälter aus Lubmin abtransportiert wird, lässt sich heute noch nicht sagen.”

Zwar heißt es zur Zeit noch, das ZLN hätte nur noch drei freie Stellplätze für Castor-Behälter, der Rest ist belegt beziehungsweise wird in den nächsten Jahren durch bereits genehmigte Transporte gefüllt, und es würde keine Erweiterung geplant, doch mit der bevorstehenden längeren Genehmigung besteht die Angst, dass es eine Erweiterung der Kapazitäten geben könnte. Die EWN wiesen diese Ängste am 16. November in einer Presseerklärung allerdings zurück und auch ein Endlager könne das ZLN nie werden, da (zur Zeit) die Sicherheitsanforderungen eine Endlagerung nur in tiefen geologischen Schichten vorschreiben.

Solange es auch kein genehmigtes Endlager für Atommüll in Deutschland gibt, ist es auch sicher sinnvoller, den Müll dort zu lassen, wo er ist, anstatt ihn quer durch die ganze Republik in ein anderes Zwischenlager zu fahren. Allerdings ist das Verhalten der Verantwortlichen ziemlich verlogen. Im Jahr 2080 werden keine der heutigen politischen Entscheidungsträger noch leben und auch kaum jemand der jetzt schon geborenen Menschen wird die komplette Räumung des ZLN erleben. Für sie ist das Zwischenlager Nord ein Endlager Nord.

NEUE ATOMMÜLL-TRANSPORTE

Für Februar 2011 ist der Transport fünf Castor-Behältern aus dem Kernforschungszentrum Karlsruhe mit wärmentwickelndem radioaktivem Abfall in das ZLN geplant. Weitere drei Stellplatz sind für Castor-Behälter mit Kernbrennstoffen bereits reserviert. Wann der Transport stattfinden soll und woher das Material stammt, bleibt unbeantwortet.

Von 2011 bis 2013 werden außerdem leichtradioaktive Abfälle von Dritten in das ZLN eingeliefert. Darüber wer diese Dritte sind, wird sich in Drucksache 17/4009 ausgeschwiegen.

“Da es sich [...] um Verträge der EWN GmbH mit Dritten handelt, können zur Wahrung der Geschäftsgeheimnisse keine weiteren Angaben gemacht werden.”

Seit 2008 lagern im ZLN schon zwei Dampferzeuger  von Dritten. Abfälle von Dritten dürfen allerdings nur zeitlich befristet für jeweils fünf Jahre vor und nach der sogenannten Konditionierung im ZLN lagern. Unter Konditionierung wird die Behandlung und/oder Verpackung radioaktiver Abfälle verstanden, bevor sie in ein Endlager kommen. Spätestens 2018 müssten also die zwei Dampferzeuger aus dem ZLN abtransportiert werden.

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Linklese zum kalten Klima und den Auswirkungen

Montag, der 27. Dezember 2010, 18:26 Uhr von daburna

Während draussen Schnee und Frost tagelang für Verkehrschaos auf Strassen, Schienen und an Flughäfen gesorgt haben, kann man nun mal etwas tiefergehend über diese Zustände nachdenken. Dazu gibt es viele interessante Artikel, die ich hier kurz anreisse und verlinke.

Wie schon kurz selber erklärt, handelt es sich bei der aktuellen Kältephase um die Auswirkungen einer negativen Arktischen Oszillation oder Nordatlantischen Oszillation. Ole Nielsen aus Dänemark hat das etwas besser und ausführlicher auf Englisch beschrieben. Wie kommt es nun dazu? Und wieso war es letztes Jahr schon so? Eine mögliche Antwort könnte in der globalen Erwärmung liegen.

Blick aus dem Elisenhain

Blick aus dem verschneiten Elisenhain

Vor 10 Jahren sagte der renommierte Klimaforscher Mojib Latif schon ein Ende der kalten Winter für Deutschland voraus. Da der globale Klimakreislauf aber sehr komplex ist und es ständig neue Erkenntnisse gibt, wackelt diese Meinung gerade stark. George Monbiot schrieb dazu einen Artikel, der auch in Der Freitag abgedruckt wurde. Monbiot beruft sich dabei auch auf Forschungen von Vladimir Petoukhov vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, der im November den Artikel “A link between reduced Barents-Kara sea ice and cold winter extremes over northern continents” im Journal of Geophysical Research veröffentlichte. Demnach könnte das Schmelzen von Meereis in der Arktis für eine Aufheizung der unteren Luftschichten sorgen, das würde zu einer starken Störung von Luftströmungen führen. Die mögliche Folge wäre, dass sich die Wahrscheinlichkeit des Auftretens extrem kalter Winter in Europa und Nordasien verdreifachen könnte. Das erneute Auftreten der negativen Arktischen Oszillation kann hierfür ein Zeichen sein. Globale Erwärmung und Klimawandel können also für kältere Winter in Europa sorgen.

Soweit zu den wissenschaftlichen Betrachtungen des Winterklimas. Kommen wir zu den Auswirkungen auf die Infrastruktur besonders die Verkehrsinfrastruktur. Die heutige Just-In-Time Gesellschaft trägt einen nicht geringen Anteil an den Ursachen des Verkehrschaos. Aber auch der Neoliberalismus mit Einsparungen und Privatisierungen trägt dazu bei, dass Strassen unbefahrbar, Flughäfen nicht geräumt und Weichen vereist sind. Der Spiegelfechter hat dazu in den Archiven gewühlt und einige interessante Fakten herausgefunden. Bei der Bahn ist der Hauptgrund schnell gefunden: der geplante Börsengang, wie auch Die Zeit feststellt. In der Berliner Morgenpost packt ein Insider über die Zustände bei der Bahn aus, der Text wird zu einer Generalabrechnung mit der Bahn.

Das kalte Winterwetter lässt also einen interessanten Blick auf das Klimageschehen und zugleich unsere politischen Zustände zu. Bei beiden Bereichen haben wir noch Zeit und Möglichkeiten gegenzusteuern.

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Strom- und Heizungsausfall in Greifswald *Update*

Samstag, der 25. Dezember 2010, 11:45 Uhr von daburna

Wenn es kommt, dann auch richtig dicke. Erst gab es im Greifswalder Stadtteil Schönwalde II von 9:00 bis 10:10 Uhr einen Stromausfall. Anscheinende wurden dabei auch teilweise die Heizungen beeinträchtigt. Zwar fliesst bei mir noch heißes Wasser aus dem Wasserhahn, doch die ebenfalls von der Fernwärme versorgte Heizung ist ausgefallen. Bei den Stadtwerken Greifswald weiß man schon von diesem Problem und kümmert sich um die Beseitigung. Das kann allerdings dauern, da nur ein Mitarbeiter des Störungsdienstes an den Weihnachtsfeiertagen Dienst hat. Dieser muss sich außerdem durch die Schneeberge von Tief “Scarlett” durchschaufeln, um an die technischen Zugänge zu gelangen. Angesichts von -5 Grad Celsius draußen hoffe ich, dass er es schnell schafft und ich hier wieder heizen kann.

Update 12:00 Uhr: Es gluckert in der Leitung und die Heizkörper werden wieder warm. Das ging zum Glück schnell.

Update 12:25 Uhr: Zu früh gefreut. Es handelt sich zwar um Wärme, aber die Heizlörper werden wieder kalt. Anscheinend kam nur kurzzeitig Nachschub an warmen Wassers.

Update 13:40 Uhr: Endlich funktioniert die Heizung wieder richtig. Die Kälte wird nun vertrieben.

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Frohe Weihnachtsfeiertage 2010!

Freitag, der 24. Dezember 2010, 13:55 Uhr von daburna

Auch wenn ich persönlich nichts mit dem religiösen Hintergrund der anstehenden Weihnachtsfeiertage anfangen kann, möchte ich euch dennoch eine frohe und festliche Zeit wünschen! Lasst euch von zuviel vorgeschriebener Glückseeligkeit nicht stressen und nutzt die Tage bis zum neuen Jahr zum Ausspannen, den Wanst vollschlagen, Feiern, Besaufen, Pläne für die Zukunft schmieden, im Schnee spielen, Verwandte und Freunde Wiedersehen oder einfach nur in der Nase Bohren.

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Eilmeldung: Schienenverkehr in Greifswald eingestellt *Update*

Freitag, der 24. Dezember 2010, 08:40 Uhr von daburna

Greifswald Süd

Wie gestern befürchtet, brachte Tief “Scarlett” massiven Schneefall über Vorpommern. Um 7.00 Uhr meldete der Deutsche Wetterdienst eine Schnehöhe von 39 Zentimetern. Zwar sind die Straßen überraschenderweise einigermaßen frei, doch wer mit der Bahn fahren will, kann es vergessen. Auf der Strecke Stralsund – Berlin ist zwischen Züssow und Anklam auf Grund von Schneeverwehungen der Betrieb komplett eingestellt worden. Und auch zwischen Züssow und Stralsund fahren die Züge laut Bahn unregelmäßig. Das stimmt allerdings nicht ganz. Um 8 Uhr hatte bisher kein einziger Zug den Bahnhof Greifswald Süd passiert, wie die eingeschneiten Gleise beweisen. Auf telefonische Nachfrage bei der Information in Stralsund wurde mitgeteilt, dass heute kein Zug fahren wird.

Bahnhof Greifswald Süd

Bahnhof Greifswald Süd eingeschneit.

Update I 24.12.2010 17:00 Uhr: Wie die Bahn meldet wurde der Schienenverkehr auf der Strecke Stralsund bis Pasewalk eingestellt. Wann ist wohl mit einer Räumung der Gleise zu rechnen?

Update II 17:30 Uhr: Auch die Verbindungen der Usedomer Bäderbahn (UBB) fallen größtenteils aus oder sind eingeschränkt. Störungsmeldungen gibt es auf der Website der UBB.
Unter der kostenlosen Service-Hotline 0800 0 99 66 33 informiert die Bahn über Störungen durch das Winterwetter. Allerdings kann dort erst zwei Stunden vor Abfahrt gesagt werden, ob der Zug fährt oder nicht. Bereits gekaufte Tickets (auch Online-Tickets) lassen sich bis zum 27.12.2010 kostenfrei am Schalter umtauschen oder erstatten.

Update III 25.12.2010 08:15 Uhr: Das ist kein Scherz: die Züge von Bahn und UBB fahren immer noch nicht.

Update IV 11:15 Uhr: Die Bahn meldete: Der Zugverkehr zwischen Stralsund und Pasewalk konnte wieder aufgenommen werden.

Update V 26.12.2010: Auch die UBB verkehrt fast auf allen Strecken wieder regelmäßig.

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