Ghettostories: Der Opa aus dem 2. Stock

Leben im Wohnblock – an einem Ort, an dem die Einwohnerdichte besonders hoch ist – das bedeutet auch, es gibt viele Geschichten zu erzählen. Gestern war es nicht nur Hasenkacke, sondern auch diese kurze traurige Story.

Dienstag 16:40 Uhr. Ich komme von meinem Nebenjob mit dem Rad nach Hause. Wenige Sekunden vor mir ist der Opa aus dem zweiten Stock mit seinem Fahrrad angekommen. Leicht schwankend und kraftlos steht er vor der Tür und versperrt dein Eingang.

Ich so: „Hallo! Kann ich Ihnen irgendwie helfen? Das Rad halten? …oder die Tür aufschliessen?“

Und er so: „Ja bitte, schliess auf! Ich hab ein Bier getrunken.“ Die Fahne sagt es waren mehr Biere. „Hatte gerade letztens ’ne OP, das war wohl alles zu viel.“

Ich schliess ihm brav die Tür auf, schieb mein Rad rein, verstau es im Abstellraum, komm raus und seh ihn nach Luft schnappend vor seiner Abstellkammer. „Ist alles in Ordnung? Geht es Ihnen gut? Kann ich Ihnen helfen?“ „Ne, mein Jung, mir kann man nicht mehr helfen. Ich hatte gerade eine OP, da haben sie mir den linken Lungenflügel entfernt.“

Heute morgen traf ich ihn dann erneut und hab gleich nachgefragt, ob es ihm besser geht. „Ne, ist eh alles vorbei. Der linke Lungenflügel ist seit Januar raus.“

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