Kaufte FDP-Politiker Ratjen bei Thor Steinar?

Thor Steinar Logo„Kauft nicht bei Nazis!“ – der Satz könnte jetzt nicht nur eine politische sondern auch eine datenschutzrelevante Bedeutung bekommen. Denn so mancher Server aus der rechten Szene ist nicht so sicher.

So wurde die Internetseite der meistens von Neonazis getragenen Modemarke Thor Steinar gehackt. Über 54.400 Einträge aus der Kundendatenbank sind im Internet veröffentlicht worden und schnell weiterverbreitet worden.

Unter den Daten findet sich auch ein lokalpolitisch wichtiger Eintrag. Neben den Daten stadtbekannter Rechtsextremisten ist die Adresse eines Politikers zu finden. In der Kundendatenbank wird auch Sebastian Ratjen, Landtagsabgeordnete für die FDP in Mecklenburg-Vorpommern, aufgelistet. Der Zahnmediziner aus Greifswald ist dort mit seiner Praxisadresse gespeichert.

Nun gibt es ein paar Besonderheiten im Fall Ratjen und Thor Steinar. Ratjen hatte sich 2007 angesichts der Proteste gegen den MSC Fashionstore in der Dompassage, der Thor Steinar Bekleidung verkaufte, auf die Seite der Shopbetreiberin gestellt. Der Koordinatorin des Greifswalder Präventionsrates, Christine Dembski warf er vor, mit dem „Terror politischer Überkorrektheit“ zwei Arbeitsplätze vernichtet zu haben. Aus Solidarität mit den Entlassenen wollte er sich damals sogar eine Thor Steinar Jacke zulegen. Von diesen Äußerungen distanzierte er sich später.

Ob, was und wann Ratjen im Shop von Thor Steinar bestellte, ist in den gehackten Daten nicht gespeichert. Ratjen sollte jetzt schnell Stellung beziehen und den Fall aufklären. Peinlich ist diese Enthüllung allemal.

Update 05.01.2010 13:30 Uhr: Ratjen dementierte dem webMoritz gegenüber den Kauf und kann sich nach eigener Meinung nicht erklären, wie er in die Kundendatenbank kommt.

18 Kommentare


  1. Vorsicht, Vorsicht: Ratjen hat sich von seinen Äußerungen distanziert und damals auch ausdrücklich gesagt, dass er sich eine entsprechende Jacke kaufen wollte. Das sollte im Post nicht unerwähnt bleiben.
    Falls er sie tatsächlich in besagtem Greifswalder Laden gekauft hat, ist mir nur nicht klar, wie er in der Kundendatenbank der Modemarke auftauchen konnte. Dazu müsste man ihn mal selbst befragen…

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    1. Danke für den Hinweis, hab das nochmal hinzugefügt.

      Die Daten sind nur aus dem Online-Shop geklaut worden. Und vor Ort wird wohl kein Händler Buch geführt haben, wer Kunde war. Er muss im Online-Shop bestellt haben, ob er im MSC Fashionstore einkaufen war, sagen die Daten nicht aus.

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  2. damit sollten jetzt ja alle infos nachgetragen worden sein. danke für die verbreitung und eine userin hat noch einen interessanten link zu indymedia gepostet. er war ja damals mit dem vorschlag, dass homosexuelle TS tragen sollten, sogar bei queer.de und endstation rechts verlinkt.

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  3. „Er muss im onlineshop bestellt haben“

    Und hier hört der Spass auf. Er muss im Leben schonmal auf der Toilette gewesen sein. Mehr nicht!
    Es ist für jeden kein Problem sich die Daten von Herrn Wunder zu nehmen und mit diesen bei Steinar eine Bestelung durchzuführen. Die Daten bleiben auf jeden Fall drin, egal ob die Ware ausgeliefert wurde oder nicht. Und beim nächten Hack vom CCC sind dann all unsere gutmenschblogger plötzlich Thor Steinar Kunden.,.

    Ich sage nicht das es so gewesen ist. Ich wollte lediglich aufzeigen warum das pure Auftauchen in einer Datenbank im Jahre 2010 N I C H T S mehr aussagt.

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    1. Wie Jockel schon schrieb: „Die Kundendaten sind ja nicht willkürlich zusammengesammelt. “ Das ist jetzt Aufgabe von Herrn Ratjen klarzustellen, ob er da nur zufällig drin gelandet ist oder nicht. In seinem Statement dem webMoritz gegenüber sagt er ja, er wisse nicht, wie er da reinkomme, und dass er nichts bstellt habe. Wenn er noch eine Pressemitteilung dazu veröffentlichen sollte, wird die hier zu finden sein.

      Dass einige Idioten das Internet missbrauchen, um Infomaterial oder Bestellungen mit fremden Namen durchzuführen, ist mir durchaus bekannt. In den Fällen, in denen ich betroffen war, hab ich mich gleich gewehrt und verlangt meine Daten zu löschen. Das rate ich jedem anderen Opfer solcher Betrügerreien oder schlechter Scherze auch.

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    1. Laut telefonischer Aussage der Linksfraktion im Landtag MV gibt es diesen Thomas Wolfgramm nicht und gab es ihn auch nicht bei der Linkspartei.

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      1. Ich kann gerade die gehackten Daten nicht einsehen. Steht Marlis Wolfgramm auf der Liste? Wenn nicht, muss man ihr wegen der Ähnlichkeit des Nachnamens keinen Vorwurf machen. Sicher erscheint das alles sehr merkwürdig und auch die Linke sollte mehr zur Klärung beitragen. Da aber wohl wahllos Daten eingetragen worden sind, wenn man den Ausführungen von Thor Steinar Glauben schenken darf, sind diese nicht sonderlich aussagekräftig. Die Kundendaten sagen wohl nichts darüber aus, ob jemand dort bestellt hat. Die Häufung Daten bekannter Rechtsextremer, sagt meinem Bauchgefühl aber etwas anderes.


      2. Marlis Wolfgramm steht nicht auf der Liste! Ich gehe auch nicht davon aus, das sie dort bestellt hat, sondern Thomas Wolfgramm (ich würde bei einer Bestellung in solch einem Shop auch nicht meine richtige mailadresse angeben). Dieser taucht in der Liste zweimal auf; einmal mit einer Adresse in Schwerin und dann noch in Greifswald. Bei der Bestellung aus Greifswald lautet die email-adresse übrigens hans-acab@gmx.de.


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