Anti G8 Protest 5. Juni – Flughafen Laage
Donnerstag, der 7. Juni 2007, 10:06 Uhr von
daburna
Was macht der brave studentische Revoluzzer, wenn die Vorlesungen ausfallen? Richtig, er fährt nach Rostock, um sich an einer der Aktionen gegen das G8 Treffen zu beteiligen. So oder ähnlich dachten wir gestern mittag. Rein in den Zug und in der anderen Hansestadt wieder raus. Dort angekommen haben wir uns erstmal an dem Infostand am Bahnhof informiert, wie wir denn am besten zu der geplanten Demonstration gegen die Landung des US-Präsidenten Bush in Rostock-Laage (ne, niemals gehört ein 20 km entfernter Ort zu Rostock) gelangen können.
Der einzige Weg dorthin sollte ein Bus des Schienenersatzverkehrs sein. Natürlich war er voll. Und heiß. Naja, übersteht man alles. Leider fuhr der Bus nicht direkt zu dem Ort der geplanten Demo, sondern hielt in ca. 5 km Entfernung. Dort wartete schon eine kleine Streitmacht der Polizei auf uns und nahm uns herzlich in Empfang. Freundlich teilte uns der Polizist mit, daß wir noch eine Stunden an der Straße lang laufen müßten, um zur Demo zu kommen, und da das ja so gefährlich sei, würden sie uns auch beschützen, wenn wir eine größere Gruppe wären.
Das mit der größeren Gruppe hatte sich dann innerhalb von Minuten erledigt, nachdem ein Trompetenspieler aus einem Waldstück auftauchte und eine Gruppe Freaks hinter ihm herzog. Es muss wohl etwas von dem berühmten Rattenfänger von Hameln an ihm geklebt haben, denn auf einmal folgten ihm auch alle, die mit uns im Bus saßen. Nun ja, sie gingen in eine andere Richtung und kamen auch wesentlich später an der Demo an. Wir gingen nun zu viert und daher unbegleitet an der Bundesstraße entlang.
Neben vielen Polizeifahrzeugen, Streckenposten und Hubschraubern sahen wir auch Fahrzeuge der Bundeswehr, die scheinbar patroullierten. Der Einsatz der Bundeswehr im Inneren ist bisher nicht erlaubt. Trotzdem wurde die Landung von Bush durch die Bundeswehr abgesichtert. Mindestens drei dieser Fahrzeuge fuhren an uns vorbei. Mehr dazu gibt es auch im G8-TV Video. Stoff für eine Klage gegen Schäuble?
Endlich bei diesem schwülwarmen Wetter am Flughafen angekommen, mußten wir uns erst durchsuchen laßen: Rucksäcke und eine Leibesvisitation. Liebe Polizisten, so richtig habt ihr aber auch nicht kontrolliert. Mein böser Rucksack hat z.B. noch Fächer, die ihr garnicht gesehen habt. Was wäre denn, wenn ich da was böses reingesteckt hätte? Aber so bin ich ja nicht.

Endlich angekommen, warteten mit uns knapp 1000 Menschen auf die Landung der Air Force One. Die kleine Zahl der Demonstraten läßt sich durch die erschwerte Anreise und zahlreiche Blockaden der Polizei erklären. Sicher wären mehr gekommen, wenn es einfacher gewesen wäre. Dennoch wurde fröhlich gegen Bush und G8 demonstriert. Die Landung sahen wir leider nicht, dafür dann aber seine Hubschrauber, die mit Mittelfingern zur Hölle geschickt werden sollten.
Hu! Hu! Hubschrauberabsturz!
Alles war relativ schnell vorbei und der Heimwegkonnte angetreten werden. Ca. 200 Leute machten sich auf in Richtung Schienenersatzverkehr. An der ersten Kreuzung kam es zu einer Rangelei mit der Polizei, die ein paar Leute mitnahm, weil sie zuvor versuchten die Straße zu blockieren und wahrscheinlich vermummt waren. Hier schaukelte die Stimmung sich schnell auf.

Die Polizei entschied sich unseren Track durch zahlreiche Transporter zu “sichern”. Wer nicht im Gänsemarsch an der rechten Fahrbahnseite hinter dem weißen Aussenstrich ging, wurde nach Aufforderung dies bitte zu tun, grob hinter die Linie geschubst. Diese Eskorte folgte uns bis zum Bus, der leider nicht für uns alle reichte. Wie wir dann erfuhren, war es aber der letzte. Ein sehr freundlicher Berliner Polizist, versuchte noch einen Bus zu organisieren, was aber nicht klappte. Da wir in irgendeiner Sicherheitszone um den Flughafen standen, durften wir nicht stehen bleiben, sondern mußten uns weiter in Richtung Rostock bewegen. Die Polizei fand das auch nicht besonders lustig.


Jemand rief dann im Camp Reddelich und Rostock an und organisierte Busse und PKWs, die uns abholen sollten. Wir mußten aber weiter laufen. Langsam taten die Füße weh. Hinter einer Kreuzung hörten wir laute Musik und einige von uns liefen wohl wissend, was da auf uns wartete vor. Auf dem Gelände eines Unternehmens stand einer der Demowagen und spielte irgendeine Abart von Elektromusik. Freaks tanzten. Ein Stand verkaufte Würstchen und Bier. Und das beste daran: wir konnten dort sitzen bleiben. Die Sache war eine privat angemeldete Party und die Polizei konnte nicht mehr verlangen, daß wir weiter laufen sollten.
Später kamen dann private PKW und ein Reisebus, die uns nach Rostock oder die Camps fuhren. Die Demo war um 20:00 Uhr zu Ende und wir um 23:30 Uhr in Rostock. Eine lange Odyssey durch Mecklenburg-Vorpommern lag hinter uns.
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