Einblicke in das Leben im Block

Knapp 4 1/2 Monate ist es her, daß ich von der Elbe an die Ostsee gezogen bin. Zeit um aus meinem Leben im Block zu berichten. Der Greifswalder Stadtteil Schönwalde II wurde zu Zeiten der ehemaligen DDR Mitte der 1980er errichtet (bei Fehlern bitte ich um einen kleinen Hinweis) und besteht hauptsächlich aus Plattenbauten. Trotz vieler Studenten stehen auch hier einige Wohnungen leer. Der Großteil des Stadtteils ist von aussen und innen renoviert. Richtig hässlich, wie man sich einen Plattenbau aus der Ex-DDR vorstellt, ist es hier allerdings nicht.

Aber durch niedrige Mieten ist eine merkwürdige Gesellschaft entstanden. Häuser kann man renovieren, die Menschen dagegen nicht. Soziale Kompetenz kommt in diesen großen anonymen Wohnblocks als erstes abhanden. Es fängt an bei solchen Sachen, wie daß man seine Nachbarn nicht kennt und geht damit weiter, daß jedweder Müll z.B. Taschentücher, angebissene Brötchen oder erbrochene Mageninhalte im Treppenhaus landen und auf die Reinigungskraft warten.

Trotzdem sind die Einwohner auch ein klein bisschen spiessig. Parkt man z.B. auf ihren markierten Stellplätzen, rufen sie sofort den Abschleppdienst, falls dieser das falsch parkende Auto bei seiner täglichen Kontrolle übersehen hat. Hört dann jemand wie mein Nachbar Herr S. nachts laut Musik, wird dagegen nichts unternommen.

Als eines morgens dem Lupo von Jessi, die Radkappen fehlten, dachten wir das wäre ein schlechter Scherz. Dann kam aber einen Monat später ein Kommillitone in die Uni und erzählte, daß sie ihm über das Wochenende die kompletten Reifen geklaut hatten. Der Wagen war auf Holzstücken aufgebockt und stand ohne Reifen auf seinem Parkplatz. Täter unbekannt.

An den Anblick der vielen jungen Eltern hab ich mich schnell gewöhnt. Viel, die keine Arbeit finden, machen erstmal ein Kind oder holen sich einen Hund (meistens einen Mops) als Ersatzbeschäftigung. Blonde, rote oder rosa Strähnchen in den Haaren der Mädels bringen ein wenig Farbe in den tristen Alltag im nicht blühenden Osten.

Als ein Mensch, der fast sein ganzes Leben in einem Dorf verbracht hat, fällt einem sowas vielleicht besonders auf. Ich will auch garnicht behaupten, daß es in meinem alten Dorf viel besser zuging, aber man merkt schon große Unterschiede.

Zum Abschluss ein Video von TempEau mit dem Titel Mädchen aus Greifswald. Die darin auftauchenden Plattenbauten sind nicht aus Greifswald. Bilder aus Greifswald gibt es hier zu sehen.

2 Kommentare


  1. auch wenn ich gerade ein jahr auszeit genommen hab vom schönen md (magdeburg für alle nicht kenner): man könnte den namen greifswald durch den der stadt magdeburg und so manchen umliegenden dorfs ersetzen und der text behielte seine richtigkeit…und es könnte noch so einiges ergänztwerden. scheiß radfahrer brüllende sonnenstudioundmukkibudebesuchende autoprolls und opas, immer noch anhaltende bufallo (schuh) kultur…hinziehen lohnt sich trotzdem, irgendwie…

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    1. Hmmm so einen Hinterherschreier hab ich noch nicht gehabt. Auf 50.000 Einwohner und 11.000 Studenten kommen wohl genauso viel Fahrräder wie Einwohner. Aber die Autoprolls sind hier neulich auch auswärtigen Freunden aufgefallen. Hinziehen…lohnen…tja ist auf jeden Fall eine Erfahrung, die man vielleicht mal gemacht haben muss. Ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht, ob es z.B. in HH-Wilhelmsburg nicht schlimmer ist.

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